Donnerstag 5. Februar 2026

Herausforderungen getrennt lebender Eltern

Herausforderungen getrennt lebender Eltern

Mag.a Andrea Holzer-Breid von BEZIEHUNGLEBEN.AT über alltägliche Probleme von Eltern, die getrennt leben.

 

Auch wenn wir in der Alltagssprache meistens von „Alleinerziehenden“ reden, ist mir der Begriff „getrennt lebende Eltern“ lieber. Beide Elternteile erziehen das Kind auch weiterhin, durch die Art und Weise, wie sie mit dem Kind leben und sich damit beschäftigen. Selbst Elternteile, die sich nicht um das Kind kümmern, erziehen es (indirekt) mit.

 

Getrennt lebende Eltern haben folgende Herausforderungen zu bewältigen:

  • Sie müssen die Beziehung mit ihrem Ex-Partner/ihrer Ex-Partnerin abschließen und verarbeiten. Dies braucht Zeit und Disziplin.
  • Geschiedene Partner, die sich nicht bewusst voneinander verabschieden und die angehäufte „Schuld“ des anderen loslassen, bleiben miteinander verstrickt. Kinder leiden dann unter den vorhandenen (Macht-) Konflikten der Eltern.
  • Getrennt lebende Eltern haben üblicherweise ein geringeres finanzielles und auch Zeit-Budget als gemeinsam lebende Eltern. Jeder Elternteil muss eine eigene Wohnung finanzieren, in der möglichst auch das Kind/die Kinder Platz finden. Viele getrennte Elternteile arbeiten mehr Stunden als vorher und haben weniger Zeit mit ihren Kindern. Getrennt lebende Eltern haben ein höheres Armutsrisiko.
  • Elternteile, die mehrere Jahre zuhause bei den Kindern verbracht haben, haben häufig einen geringen Anspruch auf Pension.
  • Getrennte Eltern müssen ein neues Familiengefühl entwickeln. Väter wie Mütter müssen neue Familienrituale einführen, damit die Kinder sich in der Vater-Familie und in der Mutter-Familie wohl und sicher fühlen. Das kann in ganz normalen Alltagstätigkeiten geschehen: beim Essen, beim gemeinsamen Spielen, Lernen, Beten oder Vorlesen.
  • Getrennt lebende Familien werden in vielen Bereichen als nicht ideal angesehen. Wenn Kinder Probleme in Schule oder Kindergarten haben, wird das zumeist auf die Scheidung der Eltern geschoben. Dabei wird nicht beachtet, dass Kinder unter der Spannungen der Eltern leiden, egal, ob diese geschieden sind oder im Streit zusammenleben. Für viele Kinder ist es besser, nach der Scheidung der Eltern nicht mehr in einer Atmosphäre des Streits zu leben.

 

Ich wünsche mir von der Familiensynode ...

 

... dass die Kirche getrennt lebende/geschiedene Familien als Familien betrachtet und wertschätzt.

  • Die Kirche schätzt an den getrennt lebenden Familien, dass diese sich mit ihren Problemen auseinandersetzen, statt sie unter den Teppich zu kehren. Getrennt lebende Familien sind mutig und versuchen, Familie aus zwei verschiedenen Wohnsitzen zu leben. Dadurch wird in vielen Fällen Entwicklung und eine neue Stabilität für die Kinder ermöglicht.
  • Die Kirche schafft günstige Erholungsangebote und Spielräume für Mütter, Väter und Kinder in allen Familienformen.

 

... dass die Kirche getrennt lebende Elternteile unterstützt.

  • Ehe- und Familienreferate sollen Veranstaltungen anbieten, in welchen die Ex-Partner Informationen erhalten, wie sie sich voneinander im Guten lösen und neu beginnen können. Eine wesentliche Aufgabe ist die Versöhnung mit dem zweiten Elternteil. Nur dadurch kann ein Kind in Frieden und Sicherheit leben.
  • Die Ehe-, Familien- und Lebensberatung soll von der Kirche maßgeblich gefördert werden. Hier sind Menschen am Werk, die Begleitung, Information und Orientierung anbieten und Raum für Versöhnung schaffen.
  • Familieneinrichtungen der Kirche sollen Rituale rund um Trennung und Scheidung schaffen. Rituale des Auseinandergehens und Rituale der Versöhnung nach der Trennung.
  • Die dunklen Seiten von Familie, Verletzungen, Trennung und Scheidung sollen normale Themen in der Liturgie werden.

... dass die Kirche sich bei PolitikerInnen für soziale Gerechtigkeit zugunsten von getrennt lebenden Familien einsetzt.

  • Die Kirche setzt sich für ein Grundeinkommen für jedes Kind ein, egal in welchem Familiensystem das Kind lebt.
  • Die Kirche setzt sich auch dafür ein, dass Elternteile die Zeit, die sie mit ihren Kindern zuhause verbracht haben, für die Pension angerechnet bekommen.

 

Mag.a Andrea Holzer-Breid

Dipl. Ehe-, Familien- und Lebensberaterin,
Erziehungs- und Jugendberaterin bei BEZIEHUNGLEBEN.AT

 

 

 

Lesen Sie dazu auch auf der Website der Kirchenzeitung: "Gemeinsame Zeit intensiv erleben": Aus dem Alltag einer alleinerziehenden Mutter

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