Friday 2. December 2022

Prof. Dr. Werner Thiede | Digitaler Turmbau zu Babel

Werner Thiede

Mittwoch, 11. Juli 2018, 14:20 Uhr |

Prof. Dr. Werner Thiede,

Professor für Systematische Theologie an Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
Pfarrer der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche in Bayern

ABSTRACT 
Beim Stichwort Digitalisierung, das mittlerweile oft die Rede von der „digitalen Revolution“ ersetzt, geht es um eine höchst weitgreifende, kulturverändernde Programmatik. Darum darf es hier nicht nur um Technologie, es muss auch um Theologie gehen. Wo der Welt, die den meisten Religionen als Gottes Schöpfung gilt, eine neue, virtuelle Welt zur Seite gestellt oder ihr aufgepfropft wird, drängt sich die Frage auf: Ist dieses Neue, von Menschen Gemachte am Ende eine Emergenz der Schöpfung, ein Implikat des Auftrags an den Menschen, die Schöpfung zu entwickeln und zu bewahren? Oder sind die neuen Dimensionen und Veränderungen, die das Digitale mit sich bringt, titanischer Ausdruck der Ambivalenz allzu menschlichen, nämlich immer auch sündigen Strebens? Der Vortrag gliedert sich in drei ausgewählte Hauptpunkte. Zuerst soll das Gesamtphänomen der Digitalisierung unter dem Aspekt der Vermehrung von Unfreiheit im Zeichen des Digitalen angegangen werden. Zweitens wird gefragt, was die Durchdigitalisierung aus der Menschenwürde macht. Drittens ist zu überlegen, ob der Anschluss von allem und jeden ans Internet mehr ist als ein gesellschaftspolitisches oder ideologisches Phänomen, ob es also womöglich auch um religiöse Dimensionen geht. Von daher bleibt die Frage nach der Rolle der christlichen Kirchen zu stellen: Sollen sie die digitale Revolution konstruktiv-kritisch und dankbar begleiten, oder sollten sie eher zur Avantgarde derer gehören, die angesichts einer höchst problematischen Entwicklung zu Besinnung und Umkehr aufrufen?

 

LEBENSLAUF
Prof. Dr. theol. habil. Werner Thiede ist Pfarrer der Evang.-Luth. Landeskirche in Bayern, apl. Professor für Systematische Theologie an der Universität Erlangen-Nürnberg und Publizist. Nach dem Studium der Evangelischen Theologie (dazu ein Semester Katholische Theologie und Parapsychologie) und dem Vikariat in Starnberg war er Pfarrer z.A. in Bodenmais. Dann arbeitete er als Akademischer Rat a.Z. an der Universität Regensburg und schloss 1990 mit der Promotion in München ab. Daraufhin wirkte er als wissenschaftlicher Referent an der „Evangelischen Zentralstelle für Weltanschauungsfragen“ (EZW) in Stuttgart. Im Zuge von deren Verlegung nach Berlin wechselte er 1996 als wissenschaftlicher Mitarbeiter ans neugegründete „Institut zur Erforschung der religiösen Gegenwartskultur“ der Universität Bayreuth. Dort nahm er die Habilitationsschrift über den Begriff des „kosmischen Christus“ in Angriff, mit der er im Sommer 2000 an der Theologischen Fakultät der Universität Erlangen-Nürnberg habilitiert wurde und die 2001 darauf als Buch erschien. 2004 wurde er Chefredakteur des „Evangelischen Sonntagsblatts aus Bayern“ (Rothenburg o.d.Tbr.). Von 2006 bis 2016 arbeitete er als Theologischer Referent beim Regionalbischof im Kirchenkreis Regensburg. Seit 2001 lehrt er Systematische Theologie (Dogmatik/Ethik) an der Theologischen/Philosophischen Fakultät der Universität Erlangen-Nürnberg. Er lebt mit seiner Familie in Baden-Württemberg. Nach zahlreichen Sach- und Fachbüchern hat er heuer einen Band mit „Glaubensgedichten“ veröffentlicht.

 

PUBLIKATIONEN (AUSWAHL)


BÜCHER

  • Die digitalisierte Freiheit. Morgenröte einer technokratischen Ersatzreligion, Berlin 2013, 2., aktualisierte Auflage 2014.
  • Mythos Mobilfunk. Kritik der strahlenden Vernunft, München 2012 
  • Digitaler Turmbau zu Babel. Der Technikwahn und seine Folgen, München 2015 

AUFSÄTZE

  • Die „Digitalisierung aller Dinge“ als totalitäre Gefahr. Wird die digitale Revolution zur weltanschaulichen Herausforderung? In: Materialdienst der EZW 4/2014, 125-135
  • Die digitale Religion, in: Sonntagsblatt Nr. 8/2014, 6-8
  • Die digitale Revolution frisst ihre Kinder. 25 Thesen zur technizistischen Ersatzreligion von morgen, in: Nachrichten der Evang.-Luth. Kirche in Bayern 5/2014, 145-147
  • Digitale Revolution und Menschenwürde. Ruiniert High Tech die Ethik?, in: Umwelt – Medizin – Gesellschaft 2/2015, 127-136
  • Die Beschleunigungsgesellschaft. Wie digitales Tempodiktat dem Posthumanismus zuarbeitet, in: Materialdienst der EZW 5/2015, 164-172
  • Autonome Autos ohne Technikfolgenabschätzung? Ethische Fragen zwischen Sicherheitsfanatismus und Horrorvision, in: Zeitschrift für Evangelische Ethik 60 (2016), 131-138
  • Übernimmt die Technik das Regiment? Warum die Digitalisierung des Lebens Christen nicht egal sein darf, in: Faktor C. Das christliche Wirtschaftsmagazin 2/2016, 18-21
  • Akzeptanzzwang zu funkbasierten Messsystemen? In: Umwelt – Medizin – Gesellschaft 2/2017, 33-41
  • Smartes Heim, in: Evangelische Arbeitsgemeinschaft Familie NRW (Hg.): leben – lieben – liken. Familie und Digitalisierung, Düsseldorf 2017, 72-77

Mag.a  Hermine Eder
Mag.a Hermine Eder
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