Dienstag 6. Oktober 2026

Erntedank 2026 – Solidarität in Zeiten der Dürre

Das Erntedankfest steht im Jahr 2026 im Zeichen des Klimawandels und der anhaltenden Trockenheit. Angesichts der zum Teil dramatischen Situation in der Landwirtschaft ruft Bischof Manfred Scheuer zu Solidarität auf.

Die katholische Kirche feiert beim Erntedankfest den Dank an Gott für die Gaben der Schöpfung, insbesondere für Nahrung, Natur und menschliche Arbeit. Angesichts des Klimawandels erhält es eine neue Aktualität. Die sommerliche Dürreperiode hat gezeigt, dass nichts selbstverständlich ist: Felder trockneten aus, Wiesen brachten zu wenig Futter hervor, Hausgärten verdorrten, Bäche und Flüsse führten kaum noch Wasser, in der Landwirtschaft kam es zum Teil zu dramatischen Ernteeinbußen. Damit stellt sich die Frage: Wofür danken wir heuer?

 

Bischof Scheuer: „Hinter den Zahlen stehen Menschen“

 

„Wenn wir heute Erntedank feiern, dann tun wir das heuer mit anderen Gefühlen als in vielen Jahren zuvor“, betont Bischof Manfred Scheuer. Hinter Zahlen und Berichten über die Dürre würden Menschen stehen: „Bäuerinnen und Bauern, die vor ganz schwierigen Situationen stehen“, sagt der Bischof. „Es sind nicht nur die ausgetrockneten Felder, es sind nicht nur die Ernteeinbußen. Es ist auch ein Ringen um die wirtschaftliche Zukunft, die Sorge, wie es in den nächsten Jahren weitergehen wird, welche Entwicklungen absehbar sind, welche nicht.“

 

Die Arbeit der Landwirtinnen und Landwirte gehöre zu den grundlegenden Diensten für das Gemeinwohl, so der Bischof. „Menschen, die täglich mit Boden, Pflanzen, Tieren und Wäldern arbeiten, entwickeln ein feines Gespür für die Schöpfung. Sie lernen zu beobachten, zu warten und die Zeichen der Natur ernst zu nehmen.“ Diese Erfahrung sei ein wertvoller Schatz, den unsere Gesellschaft braucht. „Bäuerinnen und Bauern sorgen für Nahrung, pflegen die Kulturlandschaft und tragen Verantwortung für einen Lebensraum, den viele Menschen als selbstverständlich erleben. Dafür verdienen sie Anerkennung und Wertschätzung.“

 

Für Bischof Manfred Scheuer reicht Dankbarkeit allein allerdings nicht aus. „Erntedank ruft auch zur Solidarität auf“, sagt er. „Dankbar zu sein heißt, die Arbeit der Menschen wertzuschätzen, die unsere Lebensmittel erzeugen. Dankbar zu sein heißt, Verantwortung für die Schöpfung zu übernehmen. Dankbar zu sein heißt auch, jene nicht allein zu lassen, die unter den Folgen von Trockenheit und Klimaveränderungen besonders leiden. Dankbar zu sein heißt, dem auch mit dem eigenen Konsumverhalten Rechnung zu tragen.“ Daher ruft der Bischof auch dazu auf, regionale Produkte zu kaufen, um solidarisch mit der heimischen Landwirtschaft zu handeln.

 

Mehr Bewusstsein für die Herausforderungen der Bauern entwickeln

 

Bauern und Bäuerinnen seien meist die ersten, die Veränderungen in der Natur direkt erleben und erfahren. Sie seien es auch, die wie kaum ein anderer Berufsstand zu Flexibilität und zu Innovation gezwungen seien, sagt der Bischof. Für diese Herausforderung brauche es ein verstärktes gesellschaftliches Bewusstsein und bestmögliche Unterstützung von der öffentlichen Hand.

„Bäuerinnen und Bauern können aber auch mit Selbstbewusstsein und Stolz auf das blicken, was angesichts der klimatischen Veränderungen im Bereich der Land- und Forstwirtschaft an Anpassung und Umstieg bereits gelungen ist, um ihren Aufgaben in der Lebensmittelproduktion und Kulturlanderhaltung nachzukommen“, so Bischof Manfred Scheuer abschließend.

 

Erntedank im Mariendom

 

Das traditionelle Erntedankfest der Linzer Pfarrgemeinde Mariendom, der Landwirtschaftskammer OÖ und der oberösterreichischen Bäuerinnen und Bauern findet am Sonntag, dem 20. September 2026, statt. Der Festgottesdienst mit Bischof Manfred Scheuer beginnt um 10.00 Uhr im Mariendom Linz. Musikalisch gestaltet wird die Messe vom Bäuerinnen-Chor des Bezirks Linz-Land sowie dem Bauernchor aus Micheldorf. Im Anschluss, zwischen 11.00 und 15.00 Uhr, werden auf dem Domplatz beim Schmankerl-Markt bäuerliche Produkte aus Oberösterreich angeboten.

 

Informationen zum Erntedank, dessen Geschichte und Symbolik unter www.dioezese-linz.at/erntedank

 

 

Schöpfungszeit – Schöpfungsverantwortung

 

Erntedank erinnert daran, dass der Mensch Teil der Schöpfung ist und sorgsam mit ihr umgehen muss. Das wird auch in der Schöpfungszeit verdeutlicht. Diese beginnt am 1. September, dem Tag der Schöpfung, und endet am 4. Oktober, dem Gedenktag des heiligen Franziskus. Während dieser Zeit finden österreichweit themenbezogene Veranstaltungen, Gottesdienste und Aktionen zum Thema Umwelt- und Klimaschutz statt.

 

Mehr Informationen zur Schöpfungszeit unter www.dioezese-linz.at/schoepfungszeit

 

Schöpfungszeit 2026 im Zeichen der Klimawandels und dessen Folgen

 

Die Schöpfungszeit erinnert uns daran, dass wir nicht allein auf dieser Welt leben“, sagt Lucia Göbesberger, Umweltreferentin der Diözese Linz und Leiterin des Fachbereichs Gesellschaft und Soziales, „dass unser Verhalten Auswirkungen auf uns und andere haben kann bzw. hat“. Das zeigt sich heuer ganz besonders an den Folgen des Klimawandels. „Trockenheit, Wassermangel und Ernteeinbußen zeigen den dringenden Handlungsbedarf für eine nachhaltige Zukunft“, mahnt sie: „Die außergewöhnlich trockenen Monate haben längst gezeigt, dass weit größere Herausforderungen auf unsere Gesellschaft zukommen als Diskussionen über Sommerferien“, so die Umweltreferentin. „Wassermangel, ausgetrocknete Bäche und spürbare Einschränkungen im Alltag machen die Folgen des Klimawandels auch in unserer Region unübersehbar“, sagt sie. Was lange als abstrakte Zukunftsfrage erschienen sei, sei im Alltag angekommen. Daher würden selbstverständliche Gewohnheiten hinterfragt und angepasst werden müssen.

 

Lucia Göbesberger: „Dankbarkeit zeigen, Zukunftsperspektiven schaffen“

 

Die Schöpfungszeit lade dazu ein, genau hinzusehen, Dankbarkeit für das Vorhandene zu zeigen und auf die Veränderungen zu reagieren, so Göbesberger. Doch das sei nur ein erster Schritt: Gefragt seien langfristige und nachhaltige Lösungen, die gutes Leben auch für kommende Generationen ermöglichen. „Die Erfahrungen dieses Jahres zeigen, dass wir nicht nur die Symptome bekämpfen dürfen. Es braucht Maßnahmen, die Ursachen angehen und Zukunftsperspektiven schaffen.“ Göbesberger sieht hier Politik, Wirtschaft und Gesellschaft gleichermaßen gefordert, Verantwortung zu übernehmen und tragfähige Wege für eine nachhaltige Entwicklung zu gestalten.

 

Notwendig seien Anstrengungen auf allen Ebenen – regional, national und international. Ebenso brauche es wirtschaftliche und gesellschaftliche Rahmenbedingungen, die den verantwortungsvollen Umgang mit natürlichen Ressourcen fördern. „Die Schöpfungszeit erinnert damit nicht nur an die Schönheit und Fülle der Schöpfung, sondern auch an die gemeinsame Verantwortung, sie zu bewahren. Ganz im Sinne von Papst Franziskus und seinem Aufruf zu einem nachhaltigen und solidarischen Lebensstil.“

 

Papst Leo XIV: „Wir sind dazu aufgerufen [...] für die Schöpfung zu sorgen”

 

Als katholische Mahner gilt nach Papst Franziskus auch Papst Leo XIV. Er hat in seiner Botschaft zum „Weltgebetstag für die Bewahrung der Schöpfung 2026“ die Zerstörung durch Kriege angeprangert und zum Frieden sowie zur Bewahrung der Schöpfung aufgerufen.

 

Vollständige Botschaft von Papst Leo XIV zum Nachlesen

 

Presseunterlagen zum Download

 

Pressemitteilung zum Download (doc/pdf)

 

Erntedank-Fotos zum Downloaden: siehe jeweiliger Fotograf (honorarfrei)

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