Dienstag 10. Februar 2026

Requiem für Altbischof Maximilian Aichern im Linzer Mariendom

Etwa 1.300 Menschen haben in Trauer und Dankbarkeit am 7. Februar 2026 beim Requiem im Linzer Mariendom von Altbischof Maximilian Aichern Abschied genommen. Einmal mehr wurde deutlich, wie wesentlich er die Kirche und die Menschen in OÖ geprägt hat.

Nach dem Ableben von Bischof em. Maximilian Aichern am 31. Jänner 2026 im 94. Lebensjahr begann eine Woche der Trauer, des dankbaren Gedenkens und des Abschiednehmens. Die zahlreichen Reaktionen auf Aicherns Tod zeigten, wie viel Wertschätzung er über die Grenzen Oberösterreichs hinaus erfährt. Zahlreiche Menschen strömten am Freitag in den Mariendom, um in der Turmkapelle am offenen Sarg von Bischof Maximilian Aichern persönlich Abschied zu nehmen. Die Betroffenheit und Trauer war vielen anzumerken. Auch am Samstagvormittag vor dem Requiem erwiesen viele Menschen dem Verstorbenen, der seit Freitagabend vor dem Altar aufgebahrt ist, die letzte Ehre.

 

Danke – dieses Wort ist in praktisch allen Erinnerungen und Gedenkworten zu finden, die in die Kondolenzbücher eingetragen wurden. Dankbarkeit für einen besonderen Menschen, Christen, Ordensmann, Abt und Bischof – das war die Grundstimmung beim feierlichen Requiem am 7. Februar 2026 im Linzer Mariendom. Bischof Manfred Scheuer, der 2003 von Bischof Maximilian zum Bischof von Innsbruck geweiht worden war, stand dem Requiem für den verstorbenen Altbischof vor, das 1.300 Menschen vor Ort mitfeierten. Danke – das war das Grundwort in Bischof Maximilian Aicherns Leben, wie auch Bischof Manfred Scheuer in seiner Predigt betonte: „Bischof Maximilian ist für mich eine Personifizierung von Wertschätzung und Dankbarkeit.“ Danke, dass Gott ihn uns geschenkt hat, dass wir ihn in Oberösterreich „haben“ durften – so lautete der Grundtenor aller Gedenkworte und Ansprachen beim Requiem.

 

Für die berührende musikalische Gestaltung verantwortlich zeichnete Domkapellmeister Andreas Peterl. Es musizierten der Linzer Domchor und das Orchester der Dommusik sowie als Solist:innen Carina Tybjerg Madsen (Sopran) und Reinhard Mayr (Bass). Die Rudigierorgel spielte Domorganist Gerhard Raab, die Chororgel der emeritierte Domorganist Wolfgang Kreuzhuber, Kantor war der emeritierte Domkapellmeister Josef Habringer. Es erklangen Teile des Requiems von Gabriel Fauré (1845 – 1924) in der Fassung von 1889 (op. 45), außerdem wurden Lieder und Gesänge aus dem Gesangbuch „Gotteslob“ gesungen.

 

Berührend auch, dass während des Requiems im Dom auch der Himmel ein Zeichen gab: Während der Ansprachen wurde es plötzlich heller im Dom, die Sonne kam durch die Wolken und schien bis zum Ende des Gottesdienstes.

 

„Wir danken Gott, dass er uns Bischof Maximilian geschenkt hat“

 

Der Sarg von Bischof Maximilian stand während des Gottesdienstes vor dem Altar. Auf dem Sarg lag ein besonderes Evangeliar – jenes vom Besuch von Papst Johannes Paul II. 1988 in Enns-Lorch, in dem sich der Papst auch mit seiner Unterschrift verewigt hat. Neben dem Sarg standen der Bischofsstab und ein Tischchen mit Mitra, Stola, Kelch und Schale, gemeinsam mit einem großen Bild des verstorbenen Altbischofs – dem gleichen charakteristischen Bild, das ihn auch im Andenkenbildchen zeigt.

 

Am Beginn des Requiems begrüßte Bischof Manfred Scheuer nach einer kurzen Stille alle Mitfeiernden und betonte, auch Papst Leo XIV. sei in dieser Stunde mit der Trauergemeinde verbunden. Der Bischof verlas den Text des Kondolenztelegramms von Kardinal Pietro Parolin, dem Staatssekretär von Papst Leo XIV.: „Papst Leo XIV. hat davon Kenntnis erhalten, dass Gott, der Herr, seinen Diener Bischof Maximilian Aichern in die Ewigkeit gerufen hat. Der Heilige Vater betet mit Ihnen und den Angehörigen sowie den Gläubigen der Diözese Linz für den heimgegangenen Hirten. Als Ordensmann, Priester, Abt und Bischof war er stets bestrebt, allen in Liebe zu dienen, wie er es sich in seinem bischöflichen Wahlspruch vorgenommen hatte. Möge die selige Jungfrau Maria ihn zum himmlischen Jerusalem geleiten. Seine Heiligkeit erteilt allen, die des verstorbenen Bischofs gedenken, von Herzen den Apostolischen Segen.

 

In aufrichtiger Anteilnahme
Pietro Kardinal Parolin, Staatssekretär Seiner Heiligkeit“

 

Bischof Manfred Scheuer stellte eingangs das „Danke“ in den Mittelpunkt der Feier: „‘Danke!‘ Das war ein Grundwort von Bischof Maximilian. Danksagung war in der Eucharistie seine Berufung. Heute danken wir Gott, dass er uns Bischof Maximilian in der Diözese Linz geschenkt hat. Vergelt’s Gott für sein Wirken als Bischof, für sein Zeugnis, für seine Arbeit und auch für sein Gebet. Danken möchte ich allen, die in diesen 44 Jahren mit ihm gearbeitet haben, die ihn begleitet, unterstützt, die mit ihm geglaubt und gebetet haben, die ihn unterstützt und gepflegt haben. Wir vertrauen Bischof Maximilian und uns der Güte Gottes an.“

 

Am Requiem nahmen neben der Schwester von Bischof Maximilian Aichern Edeltraud Frühschütz und ihrer Familie weitere Angehörige und Wegbegleiter:innen von Altbischof Maximilian, Äbte und Mitbrüder aus dem Stift St. Lambrecht, Persönlichkeiten aus Kirche, Politik und Gesellschaft, Mitglieder der Diözesanleitung, die Mitglieder des Linzer Domkapitels, diözesane Mitarbeiter:innen und viele andere Menschen teil, die mit dem Verstorbenen verbunden waren. Über neun Monitore konnte die Feier von allen Plätzen aus gut mitverfolgt werden. Für gehörlose Mitfeiernde wurde der Gottesdienst von Anna Huber und Antonia Brandner in die Österreichische Gebärdensprache gedolmetscht. Wer nicht in den Mariendom kommen konnte, konnte über das Fernsehen mitfeiern: Das Requiem wurde in ORF III live übertragen.

 

Konzelebranten waren Erzbischof und Metropolit Josef Grünwidl (Wien), Erzbischof em. Stanislav Hočevar (Belgrad), Bischof Alois Schwarz (St. Pölten) und Bischof Wilhelm Krautwaschl (Graz-Seckau), Bischof em. Klaus Küng (St. Pölten), Weihbischof Anton Leichtfried (St. Pölten), Weihbischof Franz Scharl (Wien), Weihbischof Hansjörg Hofer (Salzburg) und der Abtpräses der Österreichischen Benediktinerkongregation Johannes Perkmann sowie die Diakone Anton Birngruber und Peter Schwarzenbacher. Der Apostolische Nuntius Pedro López Quintana nahm ebenfalls an der Feier teil. Auch zahlreiche Priester, Diakone und Seelsorger:innen feierten mit liturgischem Gewand von den Bankreihen aus mit. Gekommen waren zahlreiche Äbte und Provinziale aus Oberösterreich und darüber hinaus, Obere und Vertreter:innen von Frauen- und Männerorden sowie von den Ritterorden, Vertreter:innen der Ökumene und des interreligiösen Dialogs.

 

Auch zahlreiche Ehrengäste aus Politik, Kultur, Wirtschaft und Gesellschaft nahmen am Requiem teil: Landeshauptmann Thomas Stelzer und sein Vorgänger Josef Pühringer, die Ehefrau des kürzlich verstorbenen Alt-Landeshauptmanns Anneliese Ratzenböck, Landesrätin Michaela Langer-Weninger, die Landesräte Markus Achleitner, Stefan Kaineder und Günther Steinkellner, die Landtagspräsidenten a. D. Friedrich Bernhofer und Viktor Sigl, der Linzer Bürgermeister Dietmar Prammer, Landesrat a. D. Franz Hiesl, der Präsident der WKO OÖ a. D. Christoph Leitl, der Präsident der Arbeiterkammer Andreas Stangl, AK-Direktor a. D. Franz Molterer, der ehemalige Bundeskanzler Alfred Gusenbauer und Bundesministerin a. D. Ursula Haubner. Auch Vertreter:innen der oö. Hochschuleinrichtungen und Blaulichtorganisationen waren unter den Mitfeiernden, ebenso wie Christine Huber, Landesobfrau der OÖ. Goldhauben-, Kopftuch- und Hutgruppen.

 

 

Wegbegleiter:innen als Mitgestalter:innen des Requiems

 

In die Gestaltung des Requiems waren Personen eingebunden, die mit Bischof Maximilian Aichern ein Stück seines Lebensweges gegangen sind. Die erste Lesung aus dem alttestamentlichen Buch Ezechiel (Ez 34,11-16) vom guten Hirten las Schwester Hanna Jurman, Priorin der Benediktinerinnen von Steinerkirchen und unter Bischof Maximilian Ordinariatskanzlerin der Diözese Linz. Die zweite Lesung aus dem Ersten neutestamentlichen Brief des Apostels Paulus an Timotheus (1 Tim 6, 11-16 – „ergreife das ewige Leben, zu dem du berufen worden bist und für das du vor vielen Zeugen das gute Bekenntnis abgelegt hast“) wurde von Andreas Reumayr gelesen, dem langjährigen Sekretär von Bischof Maximilian Aichern. Das Evangelium nach Matthäus (Mt 5,1-12a) von den Seligpreisungen wurde von Diakon Anton Birngruber (Diakon am Mariendom) gesungen.

 

Bischof Scheuer: „Bischof Maximilian steht für eine Allianz von Solidarität, Würde und Gerechtigkeit“

 

Bischof Manfred Scheuer erzählte in seiner Predigt, er habe in den letzten Tagen viele Zeichen der Bewunderung und Hochachtung für Bischof Maximilian, ja Liebeserklärungen an den Verstorbenen gehört. „Haben wir ihn gekannt? Diese Frage ist mir nachgegangen, gerade mit den Begegnungen in den letzten Tagen seines Lebens“, so Scheuer. Er selbst habe Aichern einmal anlässlich eines Weihejubiläums das Charisma der Unaufgeregtheit attestiert. „Aber sein Leben war nicht so unaufgeregt, nicht so geordnet und ruhig, wie es nach außen hin erschien. Wer kennt seine Ängste vor dem Alleinsein und Im-Stich-gelassen-Werden, seine Kindheitstraumata bei der Bombardierung seines Elternhauses, seine Verletzungen? Das Leben von Bischof Maximilian war auch von der Kirchenentwicklung her viel dramatischer, als es der Grundmelodie in der Regel des hl. Benedikt entspricht.“

 

In der Dramatik seines Lebens und der Kirche habe Maximilian Aichern Freude und Zuversicht ausgestrahlt. „Das Wort ‚Lasst euch die Freude am Leben und am Glauben, am Menschsein und Christsein nicht nehmen‘ war keine naive Schönfärberei oder Beschwörungsformel. Seine Freundlichkeit hat gutgetan.“ Dennoch hätten die Ablehnung und Gegnerschaft, die Denunziationen, die Querschüsse, die massiven Spannungen auch körperlichen Niederschlag gefunden. Trotz allem sei Danke sein Grundwort gewesen – „bis zuletzt und sehr deutlich in seinem Testament. In allem, trotz allem hat er das Gute nicht vergessen, das Gott an ihm getan hat“, so Bischof Scheuer. „Bischof Maximilian ist für mich eine Personifizierung von Wertschätzung und Dankbarkeit.“

 

Scheuer erinnert an die Bischofsweihe von Maximilian Aichern am 17. Jänner 1982 im – damals noch kälteren – Mariendom. „Bei seiner Ansprache hat er sich mit Abraham verglichen, der von Gott aufgefordert wird, in ein fremdes Land zu ziehen – das war für ihn Oberösterreich bzw. die Diözese Linz. Linz war für ihn alles andere als eine ‚gmahte Wiesn‘.“ Das Bischofsamt in Linz sei „eine harte Knochenarbeit“ gewesen, die Aichern manchmal an den Rand seiner physischen und psychischen Kräfte gebracht habe. Nach Oberösterreich gekommen sei er mit Grundvertrauen, unkompliziert, offen und herzlich, und bald habe er nicht mehr weggewollt. Heimat sei für Aichern immer ein Thema gewesen; noch zwei Tage vor seinem Sterben habe er um „um den Segen für unsere Heimat“ gebetet. Insofern sei es „eine gewisse Überraschung und auch eine Botschaft“ gewesen, als Bischof Maximilian vor zwei Jahren mit der Übergabe seines Testaments mitgeteilt habe, dass er „daheim“ in St. Lambrecht begraben werden wolle. „Bei aller Nähe gab es auch eine Distanz, bei aller Beheimatung in Linz ein Gefühl der Fremde, die Erfahrung einer letzten Einsamkeit, die mit dem benediktinischen monachus, dem Mönch zusammenhängt, aber auch auf eine existentielle Einsamkeit verweist“, so Scheuers Deutung.

 

Viele würden über Maximilian Aichern sagen, er sei auch im Bischofsamt ein Mensch geblieben, meinte Scheuer. „Bischof Maximilian stand für die Kirche und bekam positiv und auch negativ viel davon ab, was nicht ihm persönlich gehörte. Bischof Maximilian war auch die Projektionsfläche für Erwartungen und Idealisierungen von Kirche, was Menschlichkeit anlangt, auch für Enttäuschungen und Aggressionen. Bischof Maximilian ist die Ikone und auch der Sündenbock des ‚Linzer Weges‘“. Bischof Maximilian musste nach einem „Wir“ suchen, leben und Entscheidungen zu treffen in Zusammenhängen, wo Einzelne und Gruppen sich ausschließlich von Autonomie her bestimmt hätten, so Scheuer. Er habe das Bischofsamt in einer Konfliktgesellschaft, in vielfältigen Polarisierungen zu realisieren gehabt. „Bischof Maximilian steht für eine Allianz von Solidarität, Würde und Gerechtigkeit. Für die Sozialverträglichkeitsprüfung hat er sich ebenso eingesetzt wie für die Umweltverträglichkeit auf europäischer Ebene. Bischof Maximilian lebte Kontakte über sehr viele Grenzen hinweg, national und international, und das mit einer großen Nachhaltigkeit“, so Scheuer, der dem Verstorbenen „eine wache und aufmerksame Zeitgenossenschaft“ attestierte.

 

Manfred Scheuer betonte, Bischof Maximilian habe das Leben von ihm, Scheuer, und vieler Menschen mitgeprägt: durch Entscheidungen, Ermutigung, Förderung und Weichenstellungen. „Er konnte es nicht allen recht machen und seine Entscheidungen waren oft mit einer Wahl verbunden, die anderen weh getan hat. Wir bitten heute für Bischof Maximilian um Heilung von Verletzungen, die ihm in der Kirche von Oberösterreich zugefügt wurden. Sein Sterben ist mit der Bitte um eine Heilung der Erinnerung für die Kirche in den vergangenen 44 Jahren verbunden.“ Der Tod sei nicht schon die Vollendung, die Fülle des Lebens. „Im Gegenteil: Da wird uns noch einmal alles weggenommen, ja unser Leben zerbricht. Wir vertrauen Bischof Maximilian der Liebe Gottes an.“

 

Nach der Predigt sang die Feiergemeinde gemeinsam das Lied „Ubi caritas et amor, Deus ibi est“. „Wo Güte ist und Liebe, dort ist Gott“. Mit diesem Ruf wurde zum Ausdruck gebracht, was für Bischof Maximilian wesentlich war: ein Dienen in Liebe, wie er es auch in seinem bischöflichen Wahlspruch formuliert hat (In caritate servire – in Liebe dienen).

 

Herzensanliegen des Verstorbenen

 

Die Personen, die die Fürbitten vortrugen, brachten einige der vielen Bereiche und Themen zur Sprache, die Bischof Maximilian am Herzen lagen: die Verkündigung des Evangeliums und die Weitergabe des Glaubens, die Mitverantwortung aller Getauften für die Kirche – ob haupt- oder ehrenamtlich –, ein Miteinander in Einheit und die Verbundenheit mit den Ortskirchen weltweit, sonders in Ost- und Südosteuropa, der Einsatz für Arme und Benachteiligte, für faire Arbeitsbedingungen, den arbeitsfreien Sonntag, für gerechte Entlohnung und sozialen Ausgleich.

 

Bei der Gabenbereitung brachten ausgewählte Personen – u. a. Verwandte und Wegbegleiter:innen von Bischof Maximilian Aichern – die Gaben Brot und Wein zum Altar.

 

Die Spenden, die von den Mitfeiernden bei der Gabenbereitung gegeben wurden, kommen dem Fonds zur Finanzierung pastoraler Projekte in Mittel- und Osteuropa (Osthilfefonds) zugute. Der Osthilfefonds wurde von Bischof Maximilian Aichern 1996 gegründet und unterstützt in Weißrussland/Belarus (Erzdiözese Minsk-Mogiljew, Diözesen Grodno, Pinsk und Witebsk), Rumänien (Erzdiözese Alba Iulia), Bosnien-Herzegowina (Diözese Mostar-Duvno) sowie in anderen Regionen Ost- und Mitteleuropas Projekte, die das kirchliche Leben fördern und den Einsatz der Kirche in den Bereichen Bildung, Soziales und Menschenrechte stärken. Bischof Maximilian unternahm zahlreiche Solidaritätsbesuche und hielt bis zuletzt Kontakt zu den Partnerdiözesen. Die Spenden aus der Kollekte werden daher für die Unterstützung dieser Hilfsprojekte verwendet. (Infos: Osthilfefonds der Diözese Linz)

 

Berührende Gedenkworte aus Politik, Ökumene und Diözese

 

Die Gedenkworte sprachen Landeshauptmann Thomas Stelzer, Superintendent Gerold Lehner von der Evangelischen Kirche A. B. in Oberösterreich und Brigitte Gruber-Aichberger, Geschäftsführende Vorsitzende des Pastoralrats der Diözese Linz.

 

Landeshauptmann Stelzer: „Wichtiger und mahnender Gestalter für OÖ“

 

Landeshauptmann Thomas Stelzer betonte in seinen Gedenkworten, Bischof Maximilian Aichern habe auch nach seiner Emeritierung sein Leben in den Dienst der Sorge um die Menschen in Oberösterreich gestellt. „Er war zeitlebens ein sympathisches und gewinnendes Gesicht für unsere Kirche – ein offenes und öffnendes, das unserem Land, aber ganz besonders auch unserer Kirche gut tat“, so Stelzer. Bischof Maximilian habe stets vermittelt, dass er die Menschen mochte – „und die Menschen mochten und mögen ihn“. Aichern habe durch viele Jahrzehnte das kirchliche, aber auch das gesellschaftliche Leben in Oberösterreich entscheidend mitgestaltet und geprägt. „Sein Wahlspruch und Lebensprogramm ‚In Caritate servire‘, ‚In Liebe dienen‘, kann dafür als großer inhaltlicher Anspruch und als Klammer gelten“, betonte der Landeshauptmann.

 

Stelzer würdigte den Verstorbenen als Mann des Dialogs und des Brückenbaus „in unserer Kirche, zwischen den Kirchen, aber auch in Richtung Gesellschaft und ihrer vielen Gruppierungen und Gliederungen“. Aicherns Wort habe Gewicht gehabt, weil seine Worte mit Bedacht und Tiefgang gewählt waren und gleichzeitig für viele verständlich waren und Menschen anrührten. „Und damit bewegte er viel. Vor allem, weil in seinen Worten auch immer seine Überzeugung zum Ausdruck kam – und bei ihm Worte auch in konkreten Taten ihren Ausdruck fanden. Bischof Maximilian hörte man gerne zu; auf ihn hörte man“, unterstrich Stelzer. Für Oberösterreich sei „Sozialbischof“ Maximilian Aichern ein wichtiger, mahnender und mithelfender Gestalter gewesen. „Denn ein Land darf sich nur dann wirklich stark nennen, wenn es niemanden zurück- und niemanden alleinlässt. Bischof Maximilian stand dafür und wirkte dafür – und er war in Zeiten der Internationalisierung ein Botschafter der Globalisierung der Menschlichkeit“, so Stelzer.

 

Der Landeshauptmann verbindet auch ganz persönliche Erinnerungen mit dem Verstorbenen. „Ich hatte die große Ehre und Freude, als Sänger in der Dommusik viele Jahre hindurch viele schöne und bereichernde Gottesdienste hier im Dom erleben zu dürfen, vor allem aber ganz oft Bischof Maximilian und seine Worte und Predigten aus unmittelbarer Nähe miterleben zu dürfen. Damit war er auch für mich – wie für so viele – prägend, wofür ich unendlich dankbar bin.“ Stelzer an den Verstorbenen gewandt: „Du, lieber Bischof Maximilian, hast ein gesegnetes Alter erreicht. Unser Land und wir sind auch gesegnet, dass wir dich in unserer Mitte haben durften. So sage ich dir im Namen des Landes Oberösterreich, aber auch ganz persönlich, noch einmal ein großes Danke, ein herzliches Vergelt’s Gott für alles, was du für unser Land, unsere Landsleute, unseren Zusammenhalt und unser gutes Leben hier beigetragen hast.“

 

Superintendent Lehner: Ökumene auf Augenhöhe in geschwisterlichem Geist

 

Gerold Lehner, Superintendent der Evangelischen Kirche A. B. in Oberösterreich, sprach den Dank der Evangelischen Kirche in Oberösterreich und in Österreich gegenüber Bischof Aichern aus. Kennengelernt hatte er ihn erst nach dessen Emeritierung. „Aber es ist bezeichnend, wie oft ich ihn getroffen und auch mit ihm zusammen für die Sache des Evangeliums eintreten durfte“, so Lehner. Maximilian Aichern sei auch nach seiner Emeritierung seiner Diözese und ihren Menschen treu geblieben. „Er hat sich nobel zurückgehalten, mit Kommentaren aus der zweiten Reihe, aber er war immer da, wo man ihn gebraucht und gerufen hat“, betonte Lehner.

 

Lehner zeichnete anhand von vier Begegnungen und Erfahrungen mit Bischof Maximilian ein sehr persönliches, berührendes und charakteristisches Bild des Verstorbenen. Ein prägendes Erlebnis: die Feier eines gemeinsamen ökumenischen Gottesdienstes im Mariendom, als Aichern bereits emeritierter Bischof war. „Wir ziehen aus der Sakristei in den Dom ein, verbeugen uns vor dem Altar und gehen auf die Sitze zu, und Bischof Maximilian zeigt auf den Bischofssitz und sagt zu mir: Das ist dein Platz. Du bist aktiv und ich bin Emeritus, deshalb leitest du den Gottesdienst. Und ich war ein klein wenig fassungslos und habe gesagt: Bischof Maximilian, das geht nicht, du bist der Bischof. Und er hat gesagt: Nein, wir machen das so.“ Diese Geste habe sich bei ihm, Lehner tief eingeprägt und sei zeichenhaft dafür gewesen, wie Aichern Ökumene gelebt habe: als Anerkennung der Schwesterkirche und ihrer Amtsträger auf Augenhöhe und als geschwisterliches Miteinander. Alles, was er mit Maximilian Aichern erlebt habe, sei getragen gewesen von diesem geschwisterlichen Geist. „Ich habe landauf, landab die Früchte jenes ökumenischen Frühlings gesehen, die in seiner Amtszeit gewachsen sind und die er bewusst gefördert hat“, so der Superintendent.

 

Lehner würdigte den Verstorbenen als Menschen, der bis ins hohe Alter bereit war, Dienste zu übernehmen. „Ein Bischof, immer noch unterwegs zu den Menschen, bereit, in Liebe zu dienen.“ Besonders beeindruckt habe ihn immer Aichern unglaubliches Gedächtnis, seine Gabe, sich an Menschen zu erinnern und sich ihnen zuzuwenden. „Da war er im besten Sinne des Wortes ein Bischof, ein Hirte, der seine Schäflein kannte und mochte“, so Lehner. Bis zuletzt sei er mit Aichern auch in brieflichem Kontakt gestanden, sie hätten Weihnachts-, Geburtstags- und Osterkarten gewechselt. „In den letzten Jahren habe ich immer mit sehr viel Liebe auf diese Karten geschaut, denn man hat gemerkt, dass ihm das Schreiben immer schwerer fiel und die Schrift ungelenker wurde, und die Worte weniger. Aber immer, bis zum Schluss, habe ich die Karte mit seiner Unterschrift bekommen. Und ich kann mir vorstellen, welche Mühe es ihm am Ende bereitet hat, zu schreiben. Aber er hat es getan. Und seine Unterschrift, der man die Spuren dieser Mühe so deutlich angesehen hat, ist mir zu einem ganz besonders wertvollen Gruß geworden und zum Zeichen einer unverbrüchlichen Treue und Verbundenheit in Christus.“

 

Der Superintendent abschließend: „Wir als evangelische Kirche und als Ökumene danken Gott, dass er uns Bischof Maximilian als Bruder und Bischof geschenkt hat. Und ich weiß, dass ihn unser Herr Jesus Christus in seinem Reich empfangen und zu ihm sagen wird: ‚Du guter und getreuer Knecht, geh hinein zu deines Herrn Freude!‘“

 

Pastoralratsvorsitzende Gruber-Aichberger: Ermöglicher, Ermutiger, Förderer von Laien und Frauen

 

Brigitte Gruber-Aichberger war bis zu ihrer Pensionierung langjährige Leiterin der Abteilung Pastorale Berufe und ist nun Geschäftsführende Vorsitzende des Pastoralrates der Diözese Linz. Sie erinnerte in ihrer Ansprache an ein Wort von Bischof Maximilian Aichern aus seiner Ansprache am Tag seiner Bischofsweihe am 17. Jänner 1982: „Ich will ein Mann des Friedens, der Gesprächsbereitschaft und des Verstehens sein. Ich will beitragen, dass Brücken zwischen den verschiedenen Meinungen gebaut werden. Ich will euch allen ein Bruder im Glauben sein.“ Dieses Versprechen habe Bischof Maximilian eingelöst. „Er hat viele Brücken gebaut hin zu Menschen aller Schichten, zu und zwischen zivilgesellschaftlichen Initiativen, zur Politik, Interessensvertretungen, Wirtschaft. Er hat Brücken für Menschen gebaut. Er sah Kirche klar in der Mitverantwortung für das Gemeinwohl und verstand es, das christliche Menschenbild, die Option für die Armen einzuweben in das Sozialgefüge des Landes“, betonte Gruber-Aichberger.

 

Die Pastoralrats-Vorsitzende würdigte Aichern als auf Verständigung bedachten, aber starken Gesprächspartner. „Er war ein Mann mit klaren Optionen für ein würdevolles, gutes Leben für alle, für die Gleichstellung von Frauen, für die Berufung aller Getauften, das Evangelium zu verkünden, für gute Arbeitsbedingungen und für ein gutes Miteinander von Priestern und Laien in der Kirche. Menschlichkeit war sein Maßstab.“ So habe er etwa den ersten diözesanen Kollektivvertrag befürwortet, eine diözesane Frauenkommission eingesetzt, deren Vorsitzende in Entscheidungsgremien geholt und Frauen wesentliche Leitungspositionen übertragen. Aichern sei Ermöglicher und Ermutiger gewesen, habe aber Ideen nie im Alleingang umgesetzt. „In den Gremien wie Pastoralrat oder Dechantenkonferenz war er ein aufmerksam Hörender. Es war seine Haltung des Vertrauens und der Einladung zur Mitverantwortung, die offen und ehrlich diskutieren ließ. Man hatte das Gefühl gehört und ernstgenommen zu werden. Die leitende Frage war: Wie finden wir verantwortbare Wege für eine gute Seelsorge in der Zukunft, damit Gemeinden leben und Kirche einladend bleibt und den Menschen dient?“

 

Gruber-Aichberger erinnerte daran, dass Bischof Aichern der Einsatz von Ehrenamtlichen und von theologisch qualifizierten Frauen und Männern als Pastoral- und Pfarrassistent:innen ein Anliegen war, was ihm Kritik eingebracht habe. „Mit deren Beauftragung zur Leitung von Begräbnissen und Wortgottesfeiern, mit der außerordentlichen Taufbeauftragung oder Gemeindeleitung sollte Seelsorge gesichert werden, wurde aber Widerstand wachgerufen.“ Leitung sei so zum Balanceakt im Kräftefeld von Notwendigkeiten für die Seelsorge, kirchenrechtlichen Möglichkeiten, Erwartungshaltungen von progressiven und konservativen Kräften und den Beanstandungen aus Rom geworden. Der Umgang von Aichern mit dieser Situation: „Bischof Maximilian suchte den Dialog, stellte sich der Kritik und nahm vieles auf sich, um zu deeskalieren und gleichzeitig nicht zu entmutigen. Er stand mit prophetischem Mut ein für eine weltoffene, von allen Getauften getragene Kirche im Dienst der Menschen. Er sagte einmal dazu: ‚Man muss manche Sachen ertragen können. Ich vertraue darauf, dass unrechte Saat nicht aufgeht.‘"

 

Gruber-Aichberger bezeichnete Bischof Maximilian Aichern als „Herzensöffner“ in der Begegnung mit Menschen. „Seine Menschlichkeit, Offenherzigkeit und seine Gabe, so viele mit Namen zu kennen, schenkten Wertschätzung und Zugehörigkeit. Er war ein Meister darin, Menschen Ansehen zu geben, sie zu würdigen und Danke zu sagen“, fand Gruber-Aichberger sehr persönliche Worte für den Verstorbenen. Maximilian Aichern sei zutiefst bescheiden gewesen, kein Machtmensch und alles andere als klerikal. „Er war glaubwürdig als Mensch und Christ, in seinem mutigen Eintreten für eine menschenfreundliche Welt und Kirche. So war er ein guter Hirte und Bruder im Glauben, wie er es versprochen hatte.“ An den Verstorbenen gewandt sagte Gruber-Aichberger: „Du warst ein Segen für die Diözese Linz, insbesondere für uns Laien und für uns Frauen. Die Verbundenheit mit dir wird uns weiter die Richtung weisen, aber du wirst fehlen.“

 

Verabschiedung des Verstorbenen und Übergabe an seine Mitbrüder

 

Am Ende des Gottesdienstes nahmen Bischof Manfred Scheuer, der Abt von St. Lambrecht Alfred Eichmann, Mitbrüder aus dem Konvent und Mitglieder des Domkapitels Aufstellung vor dem Sarg. Nach einem stillen Gedenken und Gebeten spendete Bischof Manfred Scheuer den bischöflichen Segen. Danach kündigte er an: „Wir übergeben jetzt den Sarg von Bischof Maximilian an den Abt und die Mitbrüder von St. Lambrecht, die ihn am Montag zu Grabe tragen werden in der Hoffnung auf die Auferstehung.“ Bischof em. Maximilian Aichern wird auf eigenen Wunsch am Montag, 9. Februar in der Äbtegruft der Stiftskirche von St. Lambrecht beigesetzt.

 

Bischof Manfred Scheuer besprengte den Sarg mit Weihwasser und inzensierte ihn mit Weihrauch. Danach wurde der Sarg des verstorbenen Bischofs Maximilian Aichern in einer Prozession, die von Bischof Scheuer und Abt Eichmann angeführt wurde, durch das Hauptschiff des Mariendoms zum Hauptportal geleitet. Begleitet wurde die Prozession vom Geläut der Domglocken und mit dem Gesang „In paradisum – zum Paradies mögen Engel dich geleiten“. Das Requiem endete mit einem gemeinsam gesungenen Gruß an die Gottesmutter Maria, mit dem „Salve Regina“.

 

Presseunterlagen zum Download

 

Pressemitteilung zum Download (doc/pdf)

 

Fotos zum Download

© Diözese Linz / Johannes Kienberger und © Diözese Linz / Hermann Wakolbinger

(Credit siehe jeweiliges Foto)

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