Kampf gegen Menschenhandel: Kunst als Sprache für das Unsagbare
Der Menschenhandel ist die zweithäufigste illegale Wirtschaft der Welt. Er steht häufig im Zusammenhang mit anderen Straftaten wie Drogenhandel, Schleuserkriminalität, Eigentumskriminalität, Geldwäsche und Dokumentenbetrug. Nach Zahlen der EU-Kommission vom Jänner 2025 ist die häufigste Form der Menschenhandel zum Zwecke der sexuellen Ausbeutung und betrifft 49 Prozent aller Opfer – 92 Prozent davon sind Frauen. An zweiter Stelle steht die Ausbeutung der Arbeitskraft (37 Prozent aller Opfer, 70 Prozent davon Männer). 10 Prozent aller Opfer in der EU sind Opfer von Kinderhandel. Zwei von drei Opfern sind Frauen und Mädchen.
Die Initiative „Aktiv gegen Menschenhandel – aktiv für Menschenwürde in OÖ“ (SOLWODI Linz) rund um Schwester Maria Schlackl engagiert sich seit über 10 Jahren für Bewusstseinsbildung zu diesem Thema. Jährliche Veranstaltungen rund um den Europäischen Tag gegen Menschenhandel (18. Oktober) führen das Ausmaß dieses gesellschaftlichen Missstandes vor Augen.
Heuer konnte die Sparkasse OÖ als Kooperationspartnerin gewonnen werden. Mit der Sprache der Kunst wird zum Ausdruck gebracht, wofür es oft keine Worte gibt. Die Ausstellung „Phönix – Auferstehen aus dem Schweigen“ in der Kunstrampe der Sparkasse OÖ in der Linzer Tabakfabrik zeigt Werke der Wiener Künstlerin Vivien Kabar. Sie setzt sich in ihren Bildern mit Identitätsverlust, innerem Überleben und dem seelischen Nachbeben von Gewalt auseinander. Die Ausstellung wurde am 17. Oktober eröffnet und ist noch bis 26. November zu sehen.
In Bildern sichtbar machen, was übersehen wird
Bei der Vernissage am 17. Oktober 2025 in der Tabakfabrik konnte Martin Punzenberger, Vorstandsdirektor CFO der Sparkasse OÖ, etwa 60 Gäste begrüßen. „Vivien Kabars Bilder haben die Kraft, Menschen zu bewegen, sie zusammenzubringen und ihnen neue Perspektiven aufzuzeigen. Als Sparkasse OÖ fördern wir Kunst und Kultur in der Region – auch und gerade dann, wenn sie uns als Gesellschaft herausfordert“, betonte Punzenberger.
Maximiliane Buchner, Kunsthistorikerin, Verantwortliche der Kunstrampe der Sparkasse OÖ und Kuratorin der Ausstellung, führte als Moderatorin durch den Abend. In ihren einführenden Worten meinte sie: „Die eigentliche Wirkmacht von Kunst liegt in ihrer Fähigkeit, sichtbar zu machen, was unsichtbar ist, hinzuweisen auf das, was unerkannt ist, und das auszusprechen, was ansonsten im Schweigen verborgen bliebe.“ Kunst sei insofern Seismograf einer Gesellschaft, als sie Verschiebungen und Bruchkanten aufzeige, und die Bewegung hin zu neuen Kontinenten ebenso kennzeichne wie zu Tiefen und Abgründen. Kunst sprecht unmittelbarer zu den Menschen als Statistiken und Worte, so Buchner. „Sie vermag es eher, unser Gefühl anzusprechen, kann uns motivieren, uns für etwas einzusetzen, uns gegen etwas zu empören und aufzustehen und unsere Stimme zu erheben. Wir in der Sparkasse OÖ verstehen Kunst genau in dieser Funktion. Wir setzen sie ein, um unsere Anliegen zu formulieren, aber auch, um die Anliegen anderer damit zu unterstützen.“
Schwester Maria Schlackl, die Gründerin von SOLWODI Linz, betonte, die Ausstellung verbinde Kunst mit tief empfundener Lebensrealität. „Einer Realität, die sich nicht aufdrängt und doch mitten unter uns allgegenwärtig ist. Bilder, die Geschichten erzählen, wollen uns berühren und eine Sprache finden lassen für das Unfassbare.“ Schlackl zum Titel der Ausstellung: „Im Wort Schweigen ist das Wort ‚eigen‘ integriert. Es ist unsere Aufgabe, den zahllosen im Dunkel Lebenden zum Auferstehen zu verhelfen, damit sie ihr eigenes Leben führen können.“
„Schweigen ist das, was Menschen verschwinden lässt, während sie noch leben.“ Mit diesem Satz bringt Künstlerin Vivien Kabar ins Wort, was nicht nur sie wahrnimmt: das Schweigen darüber, dass Frauen und Kinder auch heute noch versklavt, verkauft, misshandelt oder getötet werden. Sie malt, um sichtbar zu machen, was übersehen wird. „Diese Ausstellung widmet sich dem, was verschwindet, ohne dass jemand es bemerkt: dem gestohlenen Körper, dem gebrochenen Willen, der ausgelöschten Würde. Menschenhandel ist die organisierte Auslöschung von Menschsein – und meine Arbeit ist es, das Unsagbare in einer Sprache aus Licht, Struktur und Schmerz zurückzuholen.“ Gewalterfahrungen in jungen Jahren seien prägend für das weitere Leben, für den Blick auf die Welt, so Kabar. „Gewalt hört nicht dort auf, wo die Tat endet – sie wirkt weiter: leise, strukturell, zersetzend. Sie lebt in den Reaktionen, im Rückzug, im Misstrauen, in der Ohnmacht.“ Die Ausstellung konfrontiere die Besucher:innen mit Werken, die „daran erinnern, was sich hinter den Schleiern des Schweigens abspielt – der stille Kampf um die eigene Wiederauferstehung. Die Geburt des Phönix“, erklärt die Künstlerin.
„Menschenhandel ist ein Verbrechen, das mitten unter uns geschieht“
Grußworte bei der Vernissage sprachen Caritas-Direktor Stefan Pimmingstorfer, Landtagsabgeordneter Michael Nell und die designierte Vizebürgermeisterin Karin Leitner.
Caritas-OÖ-Direktor Stefan Pimmingstorfer überbrachte Grüße von Bischof Manfred Scheuer, der terminlich verhindert war. „Er wäre gern persönlich hier gewesen, aber er ist gedanklich bei uns und unterstützt das Anliegen dieser Ausstellung mit voller Überzeugung. Sein Dank gilt allen, die sich mit Mut und Ausdauer gegen Menschenhandel einsetzen.“ Stefan Pimmingstorfer in seinem Grußwort: „Die Ausstellung ‚PHÖNIX‘ bringt das Unsichtbare ans Licht, gibt Betroffenen eine Stimme und uns allen einen Auftrag. Als Caritas ist es Teil unserer Grundhaltung, dass jeder Mensch einzigartig und unantastbar ist. Alle, die von Menschenhandel betroffen sind, brauchen Schutz, Solidarität und Sichtbarkeit. Die Ausstellung leistet dazu einen wichtigen Beitrag. Sie hilft, das Schweigen zu durchbrechen, schafft Bewusstsein und erinnert uns alle daran, dass Wegschauen keine Option ist.“
Landtagsabgeordneter Michael Nell betonte: „Menschenhandel ist kein fernes Problem, sondern leider Realität mitten unter uns. Weltweit werden jedes Jahr Millionen Menschen – hauptsächlich Frauen – durch Täuschung, Zwang oder Gewalt ausgebeutet und zur Arbeit oder Prostitution gezwungen. Deshalb braucht es Aufklärung, Schutz der Betroffenen und entschlossenes Handeln gegen Täter. Die Wienerin Vivien Kabar setzt sich in ihrer Kunst seit Jahren mit diesem Thema auseinander. Ihre fotorealistischen Ölbilder lassen uns mitfühlen, wo oft Worte versagen. Ich danke dem Verein SOLWODI Österreich, der sich seit Jahren gegen Frauenhandel engagiert, und der Sparkasse Oberösterreich, die diese Ausstellung ermöglicht haben.“
„Menschenhandel ist ein hochprofitables, kriminelles Geschäftsfeld, dessen Opfer vor allem Frauen und Mädchen sind. Um ihn wirksam entgegenzutreten, braucht es mutige Organisationen, aber auch entschlossenen politischen Willen. Als Stadt Linz setzen wir uns seit Jahren konsequent für den Schutz von Frauen und Mädchen ein. Doch der Kampf gegen Ausbeutung ist nicht allein eine politische Aufgabe, auch Kunst kann dabei ein wichtiges Werkzeug sein“, unterstrich die designierte Vizebürgermeisterin Karin Leitner.
Ausstellung „Phönix – Auferstehen aus dem Schweigen“
Werke der Wiener Künstlerin Vivien Kabar
Initiative „Aktiv gegen Menschenhandel – aktiv für Menschenwürde in OÖ“ (SOLWODI Linz) in Kooperation mit der Sparkasse OÖ
Kunstrampe der Sparkasse OÖ | Tabakfabrik Linz
Haus Falk, 5. Stock und 3. Stock ARTwalk
17. Oktober – 26. November 2025
Öffnungszeiten: Mo. – Fr. | 9.00 – 18.00 Uhr
Künstlerin Vivien Kabar
Vivien Kabar wurde 1981 in Debrecen, Ungarn, geboren. Sie lebte in unterschiedlichen Ländern und Städten, seit 2013 ist Wien ihre Wahlheimat. Obwohl sie auf dem Gebiet der Malerei keine klassische akademische Ausbildung genossen hat, zeugen Viviens Arbeiten von einem natürlichen Talent und großem technischem Können. Stilistisch bewegt sie sich im Bereich des zeitgenössischen Realismus und der Pop-Art. Manchmal kombiniert sie auch beide Stilrichtungen miteinander. Neben ihrer Tätigkeit als bildende Künstlerin verfasst Vivien Kompositionen für Klavier und veröffentlicht unter anderem Poesiebände in ihrer ungarischen Muttersprache. In zahlreichen Ausstellungen im In- und Ausland machte die Künstlerin bereits auf ihre Themen aufmerksam.
www.vivienkabar.at/
Kunstrampe by Sparkasse OÖ in der Tabakfabrik | Haus Falk
Seit ihrer Gründung 1849 versteht sich die Sparkasse OÖ als Förderin von Kunst und Kultur. Dieser Auftrag ist neben zahlreichen humanitären Aufgaben auch im Gründungsgedanken der Sparkasse OÖ verankert und in den Statuten vermerkt. Mit Bezug ihres Stammhauses an der Promenade 11-13 im Jahr 1892 begann die Sparkasse OÖ, gezielt Kunst zu sammeln vornehmlich von oberösterreichischen Künstler:innen. Der Schwerpunkt dieser Corporate Collection, die heute rund 1700 Werke umfasst, liegt in Werken des 20. und 21. Jahrhunderts.
Mit dem gerade laufenden Umbau des Stammhauses an der Promenade musste auch ein Teil der Kunstsammlung ausgelagert werden. Die Sparkasse OÖ hat diese Gelegenheit genutzt und ist in die Tabakfabrik ins Haus Falk gezogen, wo sie Mitglied im Verein Art Magazin ist. Dort ist sie Tür an Tür mit zahlreichen Künstler:innenateliers sowie dem Depot der Museen der Stadt Linz.
In der Kunstrampe by Sparkasse OÖ wird nicht nur die Kunstsammlung betreut, sondern auch Ausstellungs- und Vermittlungsprojekte vorbereitet und gezielte Forschung zur Unternehmensgeschichte betrieben.
www.sparkasse.at/oberoesterreich/kunstrampe
Initiative „Aktiv gegen Menschenhandel – aktiv für Menschenwürde in OÖ“
Die Initiative „Aktiv gegen Menschenhandel – aktiv für Menschenwürde in OÖ“ (SOLWODI Linz) wurde 2014 von der Salvatorianerin Maria Schlackl gegründet. Im Vordergrund steht der Einsatz gegen Gewalt gegenüber Frauen, Zwangsprostitution und Menschenhandel. Mit Schwester Maria Schlackl engagieren sich auch P. Hans Eidenberger SM (Bildungshaus Greisinghof), Lore Beck (Evangelische Kirche A.B.), Michael Reisinger (Behindertenbetreuung) sowie Helga Prühlinger und Gaspard Nyungura (beide Missio OÖ).
In Zusammenarbeit mit Ordensfrauen aus unterschiedlichen Gemeinschaften stehen sie im Verein SOLWODI (Solidarity with women in distress – Solidarität mit Frauen in Not) für Sensibilisierung, Bewusstseinsbildung und Vernetzung. SOLWODI wurde 1985 in Kenia gegründet und ist inzwischen auch in Deutschland, Rumänien und Österreich aktiv ist. SOLWODI setzt sich für eine Verbesserung der Stellung von Frauen ein, die in ihren Heimatländern oder in Europa in eine extreme Notlage geraten sind – bis hin zur Zwangsprostitution. Seit 2012 gibt es den Verein SOLWODI Österreich, der betroffene Frauen durch Beratung, Begleitung und Schutz – etwa durch eine anonyme Schutzwohnung – unterstützt und durch öffentliche Veranstaltungen die Bewusstseinsbildung, und damit den öffentlichen Diskurs vorantreibt. Die Arbeit des Vereins wird ausschließlich durch Spenden finanziert.
www.solwodi.at/solwodi-linz/
Presseunterlagen zum Download
Pressemitteilung zum Download (doc/pdf)
Fotos von der Vernissage zum Download: © Martin Eder (honorarfrei)


