P. Adam Bergmann OFM von Bischof Manfred Scheuer zum Priester geweiht
Zum Festgottesdienst gekommen waren hunderte Mitfeiernde aus der Familie des Weihekandidaten, aus dem Orden, einem weiten Freundeskreis und aus der Pfarre, um den Weihegottesdienst und tags darauf die Primizmesse mitzufeiern. Am Ende der zwei Festtage dankte Pfarrvikar Niko Tomic den vielen Mitwirkenden und auch dem Neugeweihten, „dafür, dass Du uns ausgesucht hast, dieses Fest hier zu feiern“. Er könne sich gar nicht daran erinnern, wann Wels – und ob überhaupt jemals – eine Priesterweihe in der Stadtpfarrkirche erlebt habe.

Weihe durch Handauflegung und Gebet. © OFM Austria / Christoph Bergmann
Studium in Graz, Arbeit in Hall in Tirol
Adam Bergmann stammt aus Marchtrenk, wurde am 24. Dezember 1991 geboren und auf den Namen Raphael getauft. Er hat am Welser Gymnasium Dr.-Schauerstraße maturiert und anschließend in Graz Theologie studiert. Im Jahr 2018 entschloss er sich, in den Franziskanerorden einzutreten. Bei seiner Einkleidung am 14. September 2019 in Brixen nahm er den Ordensnamen Adam an. Nach dem Noviziat studierte er in Graz und Rom Archäologie. Am 1. Dezember 2025 weihte ihn der Grazer Diözesanbischof Wilhelm Krautwaschl in der Ordenskirche in Graz zum Diakon. Derzeit wirkt P. Adam Bergmann in der Seelsorge Schöneck-Hall und wird auch am Franziskanergymnasium Hall tätig sein.
Den Blick auf die Notleidenden hin öffnen
„Beim Priesterberuf geht es ganz radikal um die Gottesfrage. Gott allein ist die Erfüllung menschlicher Sehnsucht. Und er ist der Grund menschlicher Freiheit. Von Gott her wird der Mensch erst frei von allen Abhängigkeiten, Süchten und Fixierungen. Mitte des Priesterberufs ist die Liebe zu Christus und die daraus folgende Nachfolge Jesu“, sagte Bischof Scheuer in seiner Predigt zur Weihe. Franz von Assisi – dessen Todestag sich 2026 zum 800. Mal jährt – sei der Auffassung gewesen, dass Habgier und Geiz die eigene Beziehung zu Gott störten und dass Ehrgeiz und Konkurrenzdenken den Sinn für die Geschwisterlichkeit unter den Menschen zunichtemachen würden.
Hinwendung zu Gott bedeute nach dem Vorbild der heiligen Franziskus, in dessen Ordenstradition Adam Bergmann verwurzelt ist, immer auch das Wahrnehmen von Armutserfahrungen, die jeder aus dem Alltag kenne: Entbehrung, Enttäuschung, Verzicht, Mangel an Angenommen- und Geliebtsein, jedes Zu-kurz-Kommen, Vergessen- und Übersehen-Werden. Er erwähnte weiters Erfahrungen von behinderten, leiblich und psychisch kranken und alten Menschen sowie Notleidenden.Der Linzer Bischof sieht in diesen Menschen die Adressaten eines Priesters: „Es geht um eine Öffnung des Blicks: Selbst der elendste Mensch muss in die Verheißung und Suche nach Heil und Glück einbezogen bleiben. Und gerade ein solcher Mensch hat vor allen Anderen Anspruch darauf, dass seine Würde und seine Interessen und Rechte respektiert und wenn nötig erkämpft und verteidigt werden“.
Predigt von Bischof Manfred Scheuer zum Nachlesen
© OFM Austria / Christoph Bergmann
An Bruchstellen den Himmel offen halten
Für die Franziskaner in Österreich und Südtirol ist die Weihe von P. Adam Bergmann OFM nicht nur ein freudiges Ereignis, sondern ein Auftrag: „Überall, wo Menschen ‚anstehen‘ oder durch das System fallen, braucht es Priester, die den Himmel offen halten“, stellte P. Fritz Wenigwieser OFM, der Provinzialminister der Franziskaner, fest. P. Adam Bergmann sei vom Wesen her ein pragmatischer Mensch. Das werde ihm dabei helfen, in Krankenseelsorge, Schule oder sonstwo die Menschen lebensnah an den Bruchstellen dieser Welt zu begleiten. Vom Ordensgründer Franziskus könne die Gesellschaft heute neu lernen, dass Leben und Tod, Leid und Freude untrennbar zusammengehören. Das habe der Neugeweihte in den vergangenen Wochen selbst erlebt, durchlebt und vorgelebt. Bischof Scheuer fasste den Dienst des Priesters so zusammen: „Wir haben Gottes Segen empfangen in Glück und im Leiden. Wer aber selbst gesegnet wurde, der kann nicht mehr anders als diesen Segen weitergeben, ja er muss dort, wo er ist, ein Segen sein.“








