Voll im Trend: Pfarrbibliotheken bei der „Langen Nacht“
Seit September 1884 gibt es die Öffentliche Bibliothek (anfänglich noch Volksbücherei) in der Pfarrgemeinde Mauthausen. Seit 62 Jahren steht Johann Aichinger hinter dem Tresen. Der heute 81-Jährige hat nicht nur Generationen von Mauthausenern das Lesen schmackhaft gemacht, sondern die Bibliothek auch vom analogen ins digitale Zeitalter geführt, also von der „Zettelwirtschaft“ mit Buchkarte und den Karteien bis zur Erfassung und Verarbeitung am Computer ab den 1990er-Jahren.

Bücher sind sein Leben: Johann Aichinger arbeitet bereis seit 62 Jahren ehrenamtlich in der Bibliothek Mauthausen. © Diözese Linz / Renate Enöckl
„Ohne Bücher kann ich einfach nicht sein“, sagt Aichinger, der schon als Kind die Schulbibliothek „ausgelesen“ hat und heute nicht müde wird, seine Leidenschaft weiterzugeben. 1964 begann er, ehrenamtlich in der Pfarrbibliothek mitzuhelfen. Anfangs jeden Sonntag gemeinsam mit dem langjährigen Leiter Oskar Spatzek, 1979 übernahm er schließlich selbst die Leitung – und behielt sie bis zum Juli 2025. „Als ich angefangen habe, hatten wir 2100 Bücher“, erzählt Aichinger, „heute sind es 10.000 Medien“: Bücher natürlich – vom Erstlesebuch über Romane bis zu Biografien, historischen Werken oder Sachbüchern. Aber auch um die 400 Brettspiele und rund 600 Hörfiguren für Kinder sind auf den 76 Quadratmetern im Pfarrheim untergebracht.“ Letztere seien besonders beliebt und oftmals mit ein Grund, dass Eltern die Pfarrbücherei auch für sich „entdecken“.
„Nahversorger“ für die gesamte Region
Die Leserschar in Mauthausen ist bunt gemischt, vom Kindergartenkind bis zum Pensionisten/zur Pensionistin; auch aus den umliegenden Gemeinden – aus Langenstein, Luftenberg, St. Georgen/Gusen und selbst aus dem benachbarten Niederösterreich – kommen die Leser:innen. Hauptsächlich sind es aber Familien mit Kindern, die das Angebot voll ausnutzen. 50 Cent kostet eine Entleihung für Erwachsene, 40 Cent für Kinder. „Immer beliebter wird unsere Familienkarte mit einem Jahresfixpreis“, sagt Aichinger. Und auch die Besuche ganzer Schulklassen, bei denen kostenlos entliehen werden kann. Diese seien ihm besonders wichtig, damit Kinder Freude am Lesen entwickeln und so in andere Welten eintauchen können, sagt der 81-Jährige, der nach wie vor viele Stunden in „seiner“ Bibliothek verbringt – nicht nur zu den Öffnungszeiten an vier Tagen die Woche.
Um die 500 Leseratten zählt die Bibliothek aktuell, 24.000-mal haben die 15 Mitarbeiter:innen – alle sind ehrenamtlich im Einsatz – im Vorjahr Bücher & Co. ausgegeben. Dass immer aktuelle Titel in den Regalen stehen, auch darauf schaut Aichinger ganz besonders – dank Förderungen, Spenden und den Entlehngebühren kann jedes Jahr eine stattliche Zahl neuer Titel angeschafft werden. Die Auswahl fällt dem pensionierten Bankangestellten leicht, schließlich kennt er den Geschmack seiner Kundschaft ganz genau und trifft auch mit seinen Empfehlungen meist ins Schwarze. Wird ein Buch drei Jahre lang nicht entlehnt, wird es aussortiert und beim Pfarrflohmarkt verkauft.
In Ternberg wurde gemeinschaftlich eine „Leselücke“ aufgefüllt
Erst am Anfang ihrer Geschichte steht die Bibliothek in Ternberg im Bezirk Steyr-Land. „Ternberg war einer von zwei Orten im Bezirk ohne Bibliothek“, verrät Bibliotheks-Leiterin Katharina Pree, die sich seit 2017 für das Projekt stark gemacht und es gemeinsam mit Stefan Losko umgesetzt hat. „Ich glaube, dass Menschen Orte wie Bibliotheken brauchen, sagt die ausgebildete Bibliothekarin und Grüne Gemeinderätin: Eine Einrichtung, die regelmäßig geöffnet sei, wo sich Menschen treffen, sich ohne Konsumzwang inspirieren lassen und auch etwas mit nach Hause nehmen können. „Die niederschwellige und kostengünstige Nahversorgung mit Lesestoff ist gerade für Familien, in denen das haptische Erlebnis Buch sehr präsent ist, etwas ganz Wertvolles“, sagt die 43-Jährige, die die Bibliothek auch als kulturelles, gemeinschaftliches, innovatives und lebendiges Zentrum mit viel Platz für Ideen sieht. „So wollen wir auch aktiv zur Belebung des Ortsplatzes beitragen“, so die zweifache Mutter.

In der Bibliothek Ternberg ist immer was los. © Bibliothek Ternberg
Großes ehrenamtliches Team mit großem Engagement
Die Bibliothek wurde als Gemeinschaftsprojekt von Interessierten entwickelt. Trägerinnen sind die Marktgemeinde und die Pfarrgemeinde Ternberg in der Pfarre Ennstal. Im Juni 2025 wurden die Räumlichkeiten am Kirchenplatz eröffnet. Der Bestand beläuft sich aktuell auf 4500 Medien: Bücher, Hörfiguren für Kinder, Spiele, Zeitschriften und E-Medien(Media2go) werden angeboten. Die Bibliothek wird von der unermüdlichen und unentgeltlichen Arbeit der 34 Mitarbeiter:innen getragen: Die jüngste ist gerade einmal elf Jahre alt, die älteste 75.
Die Ehrenamtlichen sorgen dafür, dass sich alle Besucher:innen willkommen fühlen und sie das für sie richtige Lese- oder Hörexemplar finden. Das neue Angebot kommt in der Gemeinde richtig gut an: In den ersten neuen Monaten konnten 600 Leser:innen gewonnen werden. Neuigkeiten über ihre Bibliothek erfahren sie ganz zeitgemäß auch via Social Media: Der Instagram-Account @bibliothekternberg wird regelmäßig mit Content befüllt.
Von Klein auf fördern: Spezielle Programme für Kinder
Nicht nur in Mauthausen, sondern auch in Ternberg wird großer Wert auf die Nachwuchsarbeit gelegt. Daher gibt es Kooperationen mit dem örtlichen Kindergarten und den Schulen. Die Jüngsten durften im Herbst zum Stöbern kommen und bekamen Infomaterial für daheim. „Dadurch wollen wir auch Kinder von Familien zu Büchern bringen, bei denen Lesen nicht selbstverständlich ist“, sagt Pree. Die Kinder der 1. Klasse Volksschule machen in der Bücherei ihren Bibliotheksführerschein und die älteren besuchen die Bibliothek mit ihren Klassen einmal im Monat, um sich ein Buch auszuleihen. Zudem haben Mittelschulkinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf jeden Montagnachmittag die Möglichkeit, mit Spielen, Erstlesebüchern und Tonies Zeit in der (geschlossenen) Bibliothek verbringen.
„Lesen muss von Klein auf gefördert werden und das kann nur funktionieren, wenn es dafür auch ausreichend Angebot im näheren Umkreis gibt“, betont Losko, der die stellvertretende Leitung innehat. Die verschiedenen Veranstaltungen, Lesungen und Workshops sollen als Motivation dienen, sich aufs Lesen einzulassen.
190 Bibliotheken in kirchlicher Hand
Die öffentlichen Bibliotheken in OÖ sind längst mehr als Orte zum Ausleihen von Büchern. Sie sind kulturelle Nahversorger, Treffpunkte und lebendige Bildungsräume mitten im Ort. Insgesamt stehen rund 2 Millionen Medien zur Verfügung – von Büchern und Zeitschriften über Brettspiele, Filme, Hörbücher und Tonies bis hin zu E-Books.
190 der insgesamt 285 Bibliotheken befinden sich in kirchlicher Trägerschaft – 99 sind rein pfarrlich, 90 weitere in einer Trägerschaft von Pfarre und Gemeinde und eine in der Kinder- und Frauenklinik am Med Campus IV in Linz. 93 haben ein Qualitätsbestätigung und 23 tragen das Qualitätssiegel für Bibliotheken. „Die kirchlichen Bibliotheken entwickeln sich sehr gut, auch 2025 sind die Zahlen merklich gestiegen“, zeigt sich Christian Dandl, der Leiter der Bibliotheksfachstelle der Diözese Linz, erfreut. Fast 3.000 ehrenamtliche Mitarbeiter sicherten im Vorjahr den Betrieb, davon 479 mit abgeschlossener Ausbildung zum:r Bibliothekar:in. Fast 5.000 Arbeitsstunden haben sie wöchentlich geleistet.
Mehr als eine Million Medien zum Ausleihen
In den Regalen der 190 Pfarrbibliotheken befanden sich 2025 insgesamt 1.098.230 Bücher, Spiele, DVDs, Hörbücher und Zeitschriften etc. 2.081.876 Entlehnungen wurden verzeichnet. Dazu kommen noch 44.187 E-Books, die über das Portal media2go entlehnt werden können. Zudem wurden 5.448 Veranstaltungen mit 158.694 Teilnehmer:innen abgehalten. Insgesamt besuchten fast 64.000 Menschen die Pfarrbibliotheken mehr als 900.000-mal.
Teilnehmerrekord 2026: 149 Bibliotheken sind mit dabei!
Seit dem Jahr 2022 veranstaltet der Landesverband oö. Bibliotheken mit Unterstützung des Landes OÖ am letzten Freitag im April die „Lange Nacht der BibliOÖtheken“. Sie zeigt die Vielfalt, welche die Bibliotheken zu bieten haben. Begonnen wurde mit 91 Veranstaltungen bzw. teilnehmenden Büchereien, 2024 waren es bereits 130 (mit 9000 Besucher:innen). Heuer haben sich 149 Bibliotheken im ganzen Land – 105 davon sind Pfarrbibliotheken - angemeldet.
Am 24. April 2026 heißt es unter dem Motto „Sternstunden“ wieder Spielen, Schmökern und entdeckten. Auf die Besucher:innen wartet ein buntes Programm: Laternenwanderungen, Pyjamalesungen, Schattenspiele, Brettspielabende, Autor:innenlesungen, Lesenächte, Bilderbuchkinos und viele weitere kreative Veranstaltungen machen diese Nacht zu einem besonderen Erlebnis für Familien, Kinder, Jugendliche und Erwachsene.
Alle Veranstaltungen „Lange Nacht der BibliOÖtheken“
Bibliotheksfachstelle Katholisches Bildungswerk OÖ







