Thursday 23. May 2019

Früherer oberösterreichischer Superintendent Hansjörg Eichmeyer verstorben

Der frühere Superintendent der Evangelischen Kirche A. B. in Oberösterreich Hansjörg Eichmeyer ist nach langer Krankheit am 12. Mai 2019 im 80. Lebensjahr verstorben.

Eichmeyer wurde 1990 zum Superintendenten der Diözese Oberösterreich gewählt, das Leitungsamt übte er 15 Jahre bis zu seiner Pensionierung im Jahr 2005 aus. Vor seiner Zeit als Superintendent wirkte Hansjörg Eichmeyer als Pfarrer ab 1968 in Attersee, ab 1974 bis zu seiner Wahl als Superintendent dann in Vöcklabruck.

Die Verabschiedung von Hansjörg Eichmeyer findet am Freitag, 24. Mai 2019 um 15.00 Uhr in der Evangelischen Friedenskirche in Vöcklabruck statt.

 

 

„Mann des Wortes“ und „herausragender Prediger“


In einem Nachruf der Evangelischen Kirche A. B., der am Montag, 13. Mai 2019 veröffentlicht wurde, wird Eichmeyer als „Mann des Wortes“ und „herausragender Prediger“ beschrieben, er war „mit Leib und Seele Pfarrer“. Erinnert wird auch an Eichmeyers umfangreiches Wirken in Hörfunk und Fernsehen, über 20 Jahre lang habe er in hunderten Sendungen „Menschen mit der Botschaft des Evangeliums erreicht“. Neben dem Religionsunterricht und der Kinder- und Jugendarbeit seien ihm pastorale Hausbesuche bei Gemeindegliedern ein „besonderes Anliegen“ gewesen. Erinnert wird auch an Eichmeyers umfangreiches Wirken in Hörfunk und Fernsehen, über 20 Jahre lang habe er in Hunderten Sendungen „Menschen mit der Botschaft des Evangeliums erreicht“. Neben dem Religionsunterricht und der Kinder- und Jugendarbeit seien ihm pastorale Hausbesuche bei Gemeindegliedern ein „besonderes Anliegen“ gewesen.

 

Gewürdigt wird in dem Nachruf, der von Eichmeyers Nachfolger als Superintendent, Gerold Lehner, von Superintendentialkurator Johannes Paul Eichinger, von Bischof Michael Bünker und Synodenpräsident Peter Krömer unterzeichnet wurde, ausführlich auch Eichmeyers Wirken als Superintendent, das von tragfähigen und freundschaftlichen Beziehungen zum Land Oberösterreich und zur Ökumene, besonders zu Bischof em. Maximilian Aichern, geprägt gewesen sei. Besondere Schwerpunkte habe Eichmeyer in der Bildungsarbeit gesetzt, etwa mit der Initiative des Theologischen Grundkurses und der Förderung des Evangelischen Bildungswerkes. „Sichtbarste Ergebnisse“ seiner beharrlichen Arbeit seien das Evangelische Studentenheim „Dietrich Bonhoeffer“ in Linz und das Evangelische Museum OÖ in Rutzenmoos, beide Häuser seien „aus der evangelischen Landschaft nicht mehr wegzudenken“.

 

Für seine vielfältigen Verdienste hat Hansjörg Eichmeyer mehrfach Auszeichnungen erhalten, etwa die Ehrenringe der Städte Linz und Vöcklabruck, das Goldene Ehrenzeichen des Landes Oberösterreich sowie das Große Goldene Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich.

„Wir danken ihm von Herzen für sein vielfältiges Wirken, die Präsenz im öffentlichen Leben, den großen Einsatz in unserer Kirche, den er auch in seinem Ruhestand noch geleistet hat“, heißt es in dem Nachruf.

 

Der frühere Superintendent der Evangelischen Kirche A. B. in Oberösterreich Hansjörg Eichmeyer

Hansjörg Eichmeyer war bis 2005 Superintendent in Oberösterreich (Archivbild 2012). © epd / Uschmann

 

 

Bischof em. Aichern: Dank für intensive ökumenische Zusammenarbeit und persönliche Verbundenheit

 

Auch der emeritierte Linzer Bischof Maximilian Aichern würdigte den am Sonntag, 12. Mai 2019 verstorbenen Superintendenten Hansjörg Eichmeyer mit herzlichen Worten.

 

Aichern blickt in Dankbarkeit auf die gemeinsame Zeit zurück: „Zwischen mir als Bischof und Superintendent Hansjörg Eichmeyer hat es eine intensive ökumenische Zusammenarbeit gegeben, weil wir eine sehr, sehr positive Gesprächsbasis hatten. Im christlichen Sinn hatten wir gemeinsame Anliegen für unsere Seelsorgsaufgaben für die Menschen. Ihm und mir ist Ökumene wirklich DAS christliche Anliegen gewesen im Geiste Jesu: ‚Dass sie alle eins seien‘.“ Anliegen und Meinungsaustausch seien weniger im Briefverkehr als vielmehr bei persönlichen Gesprächen – „oder wenn es rasch sein musste, auch am Telefon“ – besprochen worden. Öfters habe es auch Gespräche unter vier Augen, „speziell bei theologischen Fragen“, gegeben, erinnert sich Aichern.

Wichtig waren beiden die jährlichen ökumenischen Gespräche der christlichen Kirchen Oberösterreichs, und auch der persönliche Kontakt war sehr gut, wie Aichern schildert: „Immer wieder gab es unsere Zusammenkünfte, besonders am Ende eines Arbeitsjahres – entweder im Haus und Garten der Superintendentur oder im Bischofshof und im Bischofsgarten –, und selbstverständlich auch bei einer einfachen, aber frohen Tischrunde.“ Ebenfalls ein wichtiges Anliegen: das gemeinsame Gebet in der Gebetswoche um die Einheit der Christen, das jedes Jahr in einer anderen christlichen Kirche stattfand – eine Tradition, die bis heute besteht.

Unter Eichmeyers Ägide wurde das Evangelische Museum in Rutzenmoos errichtet, was Aichern damals schon begrüßte: „Die Errichtung eines Evangelischen Museums mit der Geschichte des Glaubenslebens der Evangelischen fand ich sehr wichtig als Information auch für die KatholikInnen. In meiner Eröffnungsansprache damals habe ich mich entschuldigt über die Verfolgung und, damit verbunden, auch für viel menschliches Leid bei den Evangelischen. Seither finden in Rutzenmoos immer wieder auch Veranstaltungen der Evangelischen Kirche statt, die viel Geist der Versöhnung und ökumenischen Entwicklung bieten – und so auch Information für viele teilnehmende KatholikInnen. Auch ich selbst habe an gar nicht wenigen Veranstaltungen teilgenommen.“

Gern erinnert sich Bischof em. Aichern auch an gemeinsame Segnungen mit Superintendent Eichmeyer, zu denen die beiden häufig gemeinsam anreisten: „Oft sind wir gemeinsam im Auto hingefahren und konnten am Weg dorthin noch so manches besprechen. Deswegen waren solche Fahrten, wie es Eichmeyer öfters sagte, ‚ökumenisch, ökonomisch und ökologisch in Ordnung‘.“

Aichern betonte, allen christlichen Kirchen sei auch die „Allianz für den freien Sonntag“ ein großes Anliegen gewesen, die am 28. November 1997 im Linzer Bischofshof gemeinsam mit den politischen Parteien sowie den Sport- und Hilfsorganisationen geschlossen wurde. Aichern: „Dies war uns sehr wichtig, weil es dabei doch um das dritte Gebot Gottes geht – das wohl älteste Sozialgesetz der Welt, das nicht nur den Leitenden, sondern auch den Arbeitenden einen Ruhetag in der Woche garantiert.“ Superintendent Eichmeyer und ihm sei auch das 2003 erschienene Ökumenische Sozialwort ein großes Anliegen gewesen, bei dem beide an der Basisarbeit ihrer Kirchen in ganz Österreich mitgewirkt und öfter bei Diskussionen gemeinsam referiert hätten, so Aichern.

 

Verbundenheit über das Amt hinaus

Der emeritierte Linzer Bischof bezeichnet Eichmeyer als „gläubigen, menschenfreundlichen und weltoffenen Menschen, der als Pfarrer und dann als Superintendent auch sehr basisorientiert war, im Gespräch auf die Menschen in Augenhöhe zuging, was wir christlichen Kirchen Oberösterreichs auch in der Ökumene so praktizierten.“

Die Verbundenheit zwischen beiden „Oberhirten“ blieb auch nach deren Emeritierung erhalten, wie Aichern erzählt: „Auch als sogenannte ‚Pensionisten‘ haben wir uns öfter getroffen – auch bei so manchen Veranstaltungen der Öffentlichkeit und in den letzten Zeiten auch bei Gottesdiensten in unseren Kirchen. Dort haben wir immer wieder Gedanken ausgetauscht – jeder über die Seelsorgsarbeiten, die wir nach wie vor für das Volk Gottes tun konnten. Als einstiger Diözesanbischof war ich immer dankbar für unsere Gespräche und gemeinsamen Tagungen und Diskussionen mit den christlichen Kirchen, besonders auch immer für die gemeinsamen Veranstaltungen von Evangelisch und Katholisch.“

In der letzten Zeit sei Eichmeyer sehr leidend gewesen und er, Aichern, habe oft gebetet, dass Gott ihn stärke und „ihn uns noch länger schenke“. An einem Sonntag, dem Gedenktag der Auferstehung Christi, habe Gott ihn nun heimgeholt. Aichern: „So danke ich und danken wir alle Gott, dass wir ihn gehabt haben – wir danken ihm, dass er für uns alle als Mensch und in christlicher Ökumene da war.“

 

Landeshauptmann Stelzer: „Oberösterreich hat mit Hans Jörg Eichmeyer eine tatkräftige Persönlichkeit seiner Kirche und eine tragende Säule der Ökumene verloren“

 

„Oberösterreich hat der Evangelischen Kirche viel zu verdanken. Vieles von dem, was die Evangelische Kirche für dieses Land und seine Menschen geleistet hat, ist eng mit dem Namen Mag. Hans Jörg Eichmeyer verbunden. Das gilt vor allem für seine Ära als Superintendent 1990 bis 2005. Unser Land hat daher mit ihm eine tatkräftige Persönlichkeit seiner Kirche und eine tragende Säule der Ökumene verloren“, würdigt Landeshauptmann Mag. Thomas Stelzer den verstorbenen ehemaligen Superintendanten Hans Jörg Eichmeyer.

 

Sein Name stehe für ein umfangreiches sozial- und bildungspolitisches Engagement in kirchlichen und öffentlichen Institutionen, so der Landeshauptmann und ergänzt: „Ich erinnere aber auch an sein Eintreten für das Europäische Friedens- und Einigungswerk. Wir haben erst in jüngster Zeit wieder erlebt, dass der Weg zu einem vereinten Europa nicht immer ein einfacher ist. Gerade bei den großen Einigungsschritten hat die evangelische Kirche eigene Akzente gesetzt. Sie hat damit die Politik wirkungsvoll dabei unterstützt, die Notwendigkeit eines vereinten Europas als Friedensgarant den Menschen zu vermitteln.“

 

„Wir danken ihm aber auch für den Halt, den er den Menschen in unserem Land gegeben hat, wenn wir um die Opfer von Katastrophen trauern mussten. Ich erinnere hier an die Seilbahnkatastrophe in Kaprun im November 2000 oder an die oberösterreichischen Opfer der Flutkatastrophe in Süd-Ost-Asien. Hansjörg Eichmeyer hat sich dabei gemeinsam mit Bischof Maximilian immer wieder besonders der bitteren Frage nach dem Warum von furchtbaren Katastrophen gestellt“, sagt Landeshauptmann Thomas Stelzer.

 

Besonders beeindruckend sei dabei sein Hinweis beim Trauergottesdienst für die Opfer von Kaprun gewesen: „Unser Erkennen, Planen und Tun ist und bleibt Stückwerk. Es bleiben aber Glaube, Hoffnung und Liebe. Wenn das bleibt, vielleicht sogar neu und spürbar unter den Menschen anzutreffen ist, dann gibt es Trost und Hilfe, dann ist tragisches Sterben nicht sinnlos.“

 

„Als Landeshauptmann danke ich ihm aber auch für seinen Beitrag zum guten Miteinander der christlichen Kirchen in Oberösterreich. Oberösterreich kann für sich in Anspruch nehmen, dass bei uns Ökumene tatsächlich gelebt wird. Das wird in vielen Bereichen und bei vielen Anlässen spürbar und erlebbar“, betont Stelzer.

 

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