Innviertel als Ausgangspunkt für zukünftige Orgelbaulösungen
Intensive Diskussionen fanden im Rahmen des 19. Internationalen Orgelsymposiums (2. bis 5. Oktober 2014) des Österreichischen Orgelforums in Stift Reichersberg statt – durchaus auch kontroversiell, handelt es sich bei „unmodernen Orgeln” schließlich um ein heißes Eisen der Orgelforschung: Was tun mit diesen vierzig bis fünfzig Jahre alten Orgeln? Welche Optionen gibt’s für diese „unmodernen Orgeln”? Erhalten? Umbauen? Erneuern?
Vor allem deutsche Fallbeispiele haben im Rahmen des Symposiums durchaus Wege gezeigt, die für die österreichische Orgellandschaft möglich sein könnten – jedoch gilt es da dennoch, die spezifisch österreichischen Gegebenheiten in der Kirchenmusik zu berücksichtigen.

Im Rahmen der Exkursionen wurde auch so manche Orgel der an Qualität und Reichtum so besonderen Orgellandschaft Innviertel besichtigt, besprochen und natürlich bespielt. Ein wesentlicher Diskussionspunkt stellte dabei die aktuelle Situation der Orgel der Stadtpfarrkirche Schärding dar – ein heißes Eisen im Innviertel. Dass für das Fallbeispiel der Stadtpfarrkirche Schärding durch den Meinungsaustausch während des Symposiums jedoch viel Positives zu einer Lösungstrategie beigetragen werden konnte, freut Tagungsleiter Wolfgang Kreuzhuber umso mehr.
Ergänzt wurde das Symposium schließlich durch Fachvorträge renommierter Referenten. Peter Planyavsky stellte beispielsweise Konzertprogramme und Literatur aus der Neobarockzeit vor, Orgel- und Glockenreferent Siegfried Adlberger bot einen Einblick in die Orgellandschaft Innviertel, Gustav Auzinger verwies auf die Dokumentation der historischen Orgeln Oberösterreichs durch die CD-Reihe „Orgellandschaft Oberösterreich”, die ganz nebenbei auch vermittelt, welche Literatur auf welchen Instrumenten überhaupt spielbar ist. Und Günter Lade widmete sich schließlich dem spannenden Thema der Orgelaufnahmen und rechnete vor, was eine Orgelaufnahme als Download kosten müsste, damit sie qualitativ an CD oder Vinyl heranreichen könne. So viel sei gesagt: sie wäre um einiges teurer als eine gewöhnliche CD. Darum darf man auf die Entwicklung der Tonaufnahmen dieses tönenden Kosmos an Orgelklängen gespannt sein.
Die über sechzig Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus nahezu allen österreichischen Bundesländern, aus dem Süden wie dem Norden Deutschlands bildeten einen guten Querschnitt aus Orgelbauern, Orgelreferenten, Organisten und Orgelliebhabern, sodass Kreuzhuber sichtlich zufrieden resümiert: „Es ist ein schönes Kompliment, dass das Symposium für die Teilnehmenden inspirierend und impulsgebend für ihr Denken und Tun war. Und selbst freue ich mich auch, dass in offener Weise ganz intensiv diskutiert wurde und gute Lösungsvorschläge bei diversen Orgelbauproblemen erarbeitet worden sind.”

Doch das Thema Orgel ohne auch Orgeln zu hören? Undenkbar. Darum wurde das Tagungsprogramm schließlich durch drei sehr gut besuchte Orgelkonzerte mit Brett Leighton und Petra Samhaber-Eckardt, Peter Waldner und Roman Summereder abgerundet, die wie die gesamte Tagung an Themen auch ein ganz breites Spektrum der Orgelliteratur darboten.
(sp)



