Saturday 19. October 2019

So vielfältig waren die „72 Stunden ohne Kompromiss“ 2016

Bei den 72 Stunden ohne Kompromiss sind viele neue Freundschaften entstanden.

72 Stunden lang haben sie alles gegeben: rund 600 Jugendliche, die sich in ganz Oberösterreich in 55 Sozialprojekten engagiert haben. TeilnehmerInnen und OrganisatorInnen von „72 Stunden ohne Kompromiss“ ziehen eine äußerst positive Bilanz.

„72 Stunden ohne Kompromiss“ ist ein Projekt der Katholischen Jugend in Zusammenarbeit mit youngCaritas und Hitradio Ö3. Zum achten Mal in der Geschichte der größten Jugendsozialaktion Österreichs haben sich von 19. bis 22. Oktober 2016 etwa 600 oberösterreichische Jugendliche ins Zeug gelegt, um die Welt zu „fairändern“. Sie haben u. a. Möbel aus Paletten gebaut, Gärten verschönert, Räumlichkeiten für Jugendliche einen neuen Anstrich verpasst, Unterkünfte von Flüchtlingen gemütlich gestaltet, Menschen mit Beeinträchtigung bekocht, in sozialen Lebensmittelmärkten mitgeholfen, eine Straßenaktion zugunsten von Kindern im Kongo initiiert, eine alte Kapelle restauriert, die Landesgartenschau 2017 in Kremsmünster bereichert, multikulturelle Begegnungen ermöglicht, in einem Einkaufszentrum über nachhaltigen Konsum informiert und alten Menschen Zeit geschenkt. Bei alldem haben sie die Erfahrung gemacht, dass soziales Engagement doppelt bereichert: Die Unterstützten freuen sich über die Hilfe, die Jugendlichen profitieren von einzigartigen Begegnungen und Erfahrungen.


Judith Zeitlhofer MSc, Projektkoordinatorin für die Katholische Jugend OÖ und Gesamtverantwortliche, ist müde, aber überglücklich: „Trotz der Anstrengung würde ich keine Minute von ‚72 Stunden ohne Kompromiss“ missen wollen. Ich habe in den letzten Tagen wieder so viele wunderbare Begegnungen gehabt, viel Neues kennen gelernt und gesehen, wie schön soziales Engagement sein kann. Die Motivation und der Einsatz der Jugendlichen und die Dankbarkeit in den Projekten war so deutlich spürbar. Gelebte Vielfalt, wie sie schöner nicht sein könnte!“.


Auch Mag.a Petra Köppl, Projektverantwortliche für die youngCaritas in Oberösterreich, zieht eine höchst positive Bilanz: „Es waren gefühlte zwei mal 72 Stunden, denn es ist so vieles geschehen! Die Jugendlichen können stolz auf sich sein – so vieles ist ihnen gelungen. Wir als youngCaritas waren vor Ort und haben gestaunt, wie kreativ und handwerklich geschickt alle Beteiligten waren. Sie haben so viel erreicht! Vor allem haben sie die Menschen in den Caritas-Einrichtungen mit ihrer Herzlichkeit und mit ihrer Tatkraft bewegt. Es ist eine wichtige Erfahrung, wenn Jugendliche erleben, dass man in kurzer Zeit so viel bewirken kann.“

 

 

„Vielfalt des Lebens“ hautnah miterlebt


Das „Hundertwasser-Mosaik“, das Schülerinnen der BAKIP der Kreuzschwestern an die Wand der Wohngemeinschaft „Ohana“ des Vereins SOS Menschenrechte in Linz gezaubert haben, symbolisiert die Buntheit und Vielfalt, die bei allen 72-Stunden-Projekten erlebbar wurde. Mirjam, die mit anderen in Kremsmünster jugendliche Impulse zur Landesgartenschau 2017 gesetzt hat, zu ihrer Vorstellung von Vielfalt: „Vielfalt ist für mich wie ein großes, buntes Bild mit ganz vielen Komponenten, wo jede/r Einzelne voll wichtig ist!“


Die Jugendlichen sind in Lebenswelten eingetaucht, die sie vorher nicht kannten. So hat eine Gruppe, die in Linz eine Straßenaktion zugunsten von Kindern im Kongo vorbereitete, erlebt, welche Hürden Menschen mit Beeinträchtigungen bei einem ganz normalen Einkauf zu meistern haben. Deborah und Jonathan erlebten die (Einkaufs-)Welt blind: „Das war eine große Herausforderung – man findet sich allein unmöglich zurecht und hat immer das Gefühl, irgendwo dagegenzulaufen.“


Miteinander wurde auch getanzt und gefeiert, etwa beim „Tanz der Kulturen“ im Caritas-Flüchtlingshaus in der Wienerstraße in Linz, bei einem Schlagerabend im Stil der 1950er im Caritas Seniorenwohnhaus Schloss Hall in Bad Hall, bei den Oktoberfesten von Caritas-Invita in Engelhartszell, im Caritas Wohnverbund in Andorf und in St. Pius in Steegen/Peuerbach, bei einem Fest für die Kinder im Caritas-Haus St. Isidor oder beim Zamkema-Ball in Aigen-Schlägl. Gesamtkoordinatorin Judith Zeitlhofer von der Katholischen Jugend OÖ zum Zamkema-Ball: „Ich glaube, nirgendwo sonst war die Vielfalt der 72 Stunden ohne Kompromiss so sehr spürbar wie an diesem Abend. Beeinträchtige Menschen, SeniorInnen, Kindergartenkinder, Jugendliche, Eltern, FreundInnen, Flüchtlinge etc. haben miteinander gefeiert, getanzt, und gegessen. Einfach berührend!“

 

 

Gemeinsame Power, tolle Ergebnisse


Viele haben sich als ganze Schulklasse angemeldet, andere als Kleingruppe, einige besonders Mutige auch als Einzelpersonen. Helena und Hanna aus dem BORG Schärding, die sogenannte „Nesteldecken“ für die BewohnerInnen des Caritas-Seniorenwohnhauses Karl Borromäus in Linz genäht haben: „Das Projekt hat unsere Klassengemeinschaft gestärkt! Wir haben alle gemeinsam in einem Raum geschlafen – auch da hat das Zusammenleben prima funktioniert. Und es ist schön zu sehen, dass wir mit kleinen Sachen so viel bewirken und so viel Freude machen konnten!“


Jonas hat mit seinen Kollegen von der Freiwilligen Feuerwehr Badstuben in Frankenburg am Hausruck einen Wandersteig wieder begehbar gemacht und verschönt. Ihm hat am meisten Spaß gemacht, „dass man gemeinsam an einer Sache arbeitet und nachhaltig Gutes tut. Ich wäre jederzeit wieder bei den ‚72 Stunden‘ dabei!“


Auch Jugendliche aus dem Bischöflichen Gymnasium Petrinum waren erstaunt, wie viel man in kurzer Zeit bewegen kann. Tanja und Paul haben mit ihren KlassenkollegInnen im Caritas-Flüchtlingshaus in Wels die Unterkunft von unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen neu ausgemalt. Ihr Resümee: „Es macht großen Spaß zu sehen, dass man in so kurzer Zeit so viel schaffen kann, wenn jeder anpackt – wir mit den Flüchtlingen gemeinsam. Und vor allem hat es uns selber Freude gemacht zu helfen!“ Das kann auch Dominik aus dem Werkschulheim Salzburg bestätigen, der in Scharten in einem Flüchtlingshaus gewerkt hat: „Es ist echt cool, das eigene Know-how weiterzugeben und Herausforderungen mit Teamwork und Geschwindigkeit zu meistern. Am meisten Spaß macht es aber, die Freude der Leute zu sehen.“


Manche Projekte zeigen deutlich sichtbare Ergebnisse – etwa dort, wo Räume saniert oder verschönert wurden. Was nicht auf einem Foto festgehalten werden kann: die Beziehungen, die zwischen den Jugendlichen und Flüchtlingen oder alten Menschen bzw. Menschen mit Beeinträchtigung entstanden sind. Auch sie haben vieles verändert und klingen in den Herzen noch nach.


Viele Jugendliche sind über sich hinausgewachsen und haben bei den Projekten neue Talente an sich entdeckt – handwerkliche Begabungen genauso wie soziale Kompetenzen im Umgang mit alten, dementen oder beeinträchtigen Menschen. Erkenntnisse, die ihr Selbstbewusstsein stärken und die vielleicht spätere berufliche Wege eröffnet haben.


Das Fazit eines Jugendlichen: „72 Stunden ohne Kompromiss ist toll und besser als Schule. Außerdem lernt man die LehrerInnen von einer ganz anderen Seite kennen!“ Manche Jugendliche hätten sich noch mehr Zeit gewünscht, denn, wie es eine Gruppe aus Ebensee ausdrückte: „Wir würden am liebsten noch viel mehr machen!“

 

 

Viel Unterstützung, Rückhalt und Dankbarkeit


Die Jugendlichen haben sehr viele positive Reaktionen und sehr viel praktische Unterstützung erfahren. Lokale Firmen und Privatpersonen haben Materialien und Lebensmittel gespendet und damit wesentlich zum Gelingen vieler Projekte beigetragen. Manche Jugendliche waren sehr kreativ im Spendensammeln – so haben sie etwa mit Straßenmusik das Budget für ihr Projekt aufgebessert. Umgekehrt waren die Einrichtungen, in denen sich die Jugendlichen engagiert haben, dankbar für die tolle Unterstützung. So meinte etwa Marcel Thurnhofer, Leiter des Caritas-Flüchtlingshauses in Wels, wo Jugendliche unter anderem die Räume neu ausmalten: „Normalerweise hätten wir für solche Arbeiten Wochen gebraucht! Dass wir von den Jugendlichen so unterstützt werden, ist eine große Hilfe!“ Im SOMA (Sozialmarkt) in der Wienerstaße in Linz wurden die Jugendlichen sofort ins Team integriert. Die SOMA-MitarbeiterInnen waren vom Projekt so begeistert, dass die die „Arbeitskleidung“ der Jugendlichen übernahmen und ins grüne 72-Stunden-T-Shirt schlüpften.

 

 

Begegnungen bauten Berührungsängste ab


Bei den Projekten haben die Jugendlichen Berührungsängste abgebaut, etwa im Umgang mit haftentlassenen Menschen („Ihnen begegnet man ja sonst nicht“) oder mit Menschen, die eine psychische Beeinträchtigung haben. Jugendliche in Linz, die sich beim Help-Mobil der Caritas engagierten, lernten auch die Welt obdachloser Menschen kennen. Lena und Eva auf die Frage, warum sie bei den „72 Stunden ohne Kompromiss“ mitgemacht haben: „Die Aktion verbindet die Arbeit für den guten Zweck mit jeder Menge gemeinsamer Gaudi. Besonders taugt uns, dass wir einen konkreten Einblick in die Welt wohnungsloser Menschen bekommen haben, den wir im Alltag nicht haben.“


Auch Flüchtlinge haben viele bisher nur aus den Medien gekannt. Die Begegnung mit konkreten Menschen bei den ‚72 Stunden‘ war für viele ein Aha-Erlebnis. So erzählt Marlene, die im Flüchtingshaus in der Linzer Waldeggstraße mit anderen den Garten verschönert hat: „Es ist erschreckend, wenn ein junger Bursch, der vielleicht zwei oder drei Jahre älter ist als man selbst, erzählt, dass er zwei Monate lang nur im Keller leben konnte, weil draußen die Bomben fielen. Und dann, als er endlich raus konnte, waren praktisch keine Häuser mehr da … Aber es ist wichtig, das mal selber hautnah mitzubekommen von den Betroffenen, denn in den Medien wird oft anderes vermittelt. Außerdem ist es eine coole Erfahrung, wenn man jeden Tag eine andere Kultur erlebt und Speisen aus anderen Ländern verkosten kann!“


In Steyr wurden bei einem Projekt im Integrationszentrum Paraplü der Caritas von einer interkulturellen Mädelsrunde ein Videos zu ihren Lieblingsorten in Steyr gedreht, das am 5. November im Rahmen des Integrationsfestes präsentiert wird. Eva-Maria war begeistert von der bunt gemischten Gruppe: „Wir waren zehn Mädchen aus Österreich, dem Irak, aus Afghanistan, Syrien, Ungarn, der Ukraine, Irland und Rumänien. Unglaublich, wie gut die Mädels mit Mitgrationshintergrund Deutsch sprechen!“

 

 

Kultur- und länderübergreifendes Miteinander


Bei einem Projekt im Dekanat Molln waren fünf Flüchtlinge aus Molln, fünf Flüchtlinge aus Grünburg und fünf österreichische Jugendliche beteiligt. Verstärkt wurden sie von einer fünfköpfigen Gruppe aus Tschechien. Gemeinsam wurde gekocht, auf die Grünburghütte gewandert, gesungen … Bei diesem intensiven Miteinander wurden einige Vorurteile abgebaut, wie Judith Zeitlhofer, Gesamtkoordinatorin (Kath. Jugend OÖ) berichtet: „Vor den ‚72 Stunden‘ hat mir die Gruppe noch geschrieben, dass sie ein bisschen Angst vor den Flüchtlingen haben, weil sie das in Tschechien nicht kennen. Am Ende des Projekts hat mir die Gruppenleiterin erzählt, dass es einen sehr emotionalen Abschied gab. Die tschechischen Jugendlichen haben gemeint, dass ihre Vorurteile überhaupt nicht bestätigt wurden und sie mit einer wunderbaren neuen Erfahrung nach Hause fahren.“

 


Alle Projekte in einer Online-Zeitung

 

Ein Besprechungsraum im Linzer Diözesanhaus verwandelte sich für 72 Stunden in die Redaktion der 72-Stunden-Online-Zeitung. Sechs Jugendliche arbeiteten auf Hochtouren, um pünktlich zum Projektende eine umfangreiche Online-Zeitung mit Berichten und Bildern von allen Oberösterreich-Projekten herauszubringen. Das Ergebnis kann sich sehen lassen – und findet sich unter http://bit.ly/72h-ooe-zeitung-2016

 

Infos zu allen Projekten in OÖ finden Sie unter www.dioezese-linz.at/72h

 

 

Presseunterlagen zum Download

 

Pressemitteilung zum Download (doc / PDF)


Pressefotos zum Download (honorarfrei  / Fotonachweis siehe Bildbezeichnung)

 

Foto 1: Die Linzer Wohngemeinschaft „Ohana“ für AsylwerberInnen des Vereins SOS Menschenrechte wurde mit einem Mosaik à la Hundertwasser verschönert. © Kath. Jugend OÖ

 

Foto 2: Mädels aus unterschiedlichen Nationen drehten in Steyr ein Video zu ihren Lieblingsplätzen. © youngCaritas

 

Foto 3: Ein Baum mit Bibelsprüchen zum Pflücken wird die Landesgartenschau 2017 in Kremsmünster zieren. © Haijes

 

Foto 4: In der Linzer PlusCity informierten Jugendliche über nachhaltiges Einkaufen und sammelten für schwangere Frauen in Not. © Kath. Jugend OÖ

 

Foto 5: In Grünburg lernten junge Flüchtlinge, österreichische und tschechische Jugendliche beim Spielen, Wandern, Kochen und Musizieren einander kennen und besser verstehen. © Kath. Jugend OÖ

 

Foto 6: In der Linzer Wienerstraße halfen Jugendliche im SOMA. © Kath. Jugend OÖ

 

Foto 7: Beim Zamkema-Ball in Aigen-Schlägl wurde Vielfalt erlebbar. © Kath. Jugend OÖ

 

Foto 8: In Braunau wurde die Unterkunft für Asylwerber im Kapuzinerkloster mit Palettenmöbeln von Jugendlichen und Flüchtlingen gemeinsam verschönert. © Kath. Jugend OÖ

 

Foto 9: Im Heim für minderjährige unbegleitete Flüchtlinge in Schärding ist ein wunderschönes Mosaik entstanden. © youngCaritas

 

Foto 10: Auf der Burg Altpernstein in Micheldorf setzte man auf kulinarisches Miteinander und lernte beim Kochen und Essen Menschen aus anderen Ländern und ihre Kultur kennen. © Kath. Jugend OÖ

 

Foto 11: Auch der Papst (oder vielmehr sein Papp-Double) unterstützte die 72-Stunden-Projekte in Oberösterreich. ©  Haijes

 

Foto 12: Viele neue Freundschaften sind bei den „72 Stunden“ entstanden. © youngCaritas

 Michael Kraml
Michael Kraml
Leiter
T.: 0732/772676-1171
M.: 0676/8776-1171

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