Saturday 13. April 2024

Herzschlag der Zeit: Kirchenglocken in Oberösterreich

Glocken prägen die Klangsilhouette in Oberösterreichs Regionen. Sie struk­tu­rieren den Tag und sind ein hörbares Zeichen für den christlichen Glauben. Dabei gibt es in Oberösterreichs Glockenlandschaft wahre Schätze.

Der Klang von Kirchenglocken ist vielen Menschen vertraut und wird als Einladung verstanden – als Einladung zum Gebet, zum Innehalten, zum Gedenken, zur Stille. Glocken gelten als Symbol für die Verkündigung der christlichen Botschaft und haben aber auch eine praktische Bedeutung. Glocken strukturieren den Tagesablauf, den Jahreskreis und läuten zu bestimmten Anlässen im Lebenslauf, etwa bei einer Hochzeit oder bei einem Begräbnis. Das Läuten der Kirchturmglocken hält das Leben vieler Menschen intakt, gibt eine zeitliche Orientierung und gehört im Alltag einfach dazu – umso mehr wird es vermisst, wenn es ausbleibt. Groß ist die akustische Lücke, wenn die Glocken am Abend des Gründonnerstags verstummen – dem Volksglauben nach fliegen sie nach Rom – und groß ist die Freude aller, wenn sie in der Osternacht wieder zurückkehren. 


Dass in der Diözese Linz klangvolle Kostbarkeiten zu finden sind, zeigt ein Blick auf Oberösterreichs Glockenlandschaft. Rund 3.000 Kirchenglocken schlagen in Oberösterreich zur vollen Stunde. 


In der Römerkirche Aurachkirchen in der Pfarre Ohlsdorf hängt die im Jahr 1280 gegossene Merowinger-Glocke. Mit ihren rund 800 Jahren ist sie somit die älteste Kirchenglocke Oberösterreichs. 


Die größte und schwerste Glocke in Oberösterreich – und auch die größte erhaltene historische Glocke Österreichs – befindet sich im Augustiner Chorherrenstift St. Florian. Die Prälatenglocke oder sogenannte „Angstglocke“ wiegt 8.845 Kilogramm (und damit 700 mehr als die Linzer Immaculata) und hat einen Durchmesser von 2,45 Metern. Ihr Geläut erinnert an die Todesangst Jesu am Ölberg. 

 

Größte und schwerste Glocke Oberösterreichs im Stift St. Florian

Größte und schwerste Glocke Oberösterreichs im Stift St. Florian © Constantin Beyer  


Auch eine bedeutende ehemalige Glockengießerei befindet sich in St. Florian: In der vor mehr als hundert Jahren gegründeten Gießerei wurde am 11. Mai 1952 die Pummerin für den Wiener Stephansdom gegossen. Die Pummerin ist die größte Glocke Österreichs und hat ein Gewicht von 21.338 Kilo, einen Durchmesser von 3,14 Meter und eine Höhe von 2,94 Meter. 


Bemerkenswert ist auch die Glockenanlage des Mariendoms Linz, welcher heuer sein 100-jähriges Domweihe-Jubiläum feiert: Die sieben Glocken mit einem Gesamtgewicht von 17.700 Kilogramm wurden 1901 von Anton Gugg in Linz gegossen. Das Septimgeläute im Mariendom Linz zählt zu den wenig vollständig erhaltenen Glockenanlagen aus der Zeit um 1900 im deutschen Sprachraum. Nach der feierlichen Glockenweihe am 30. April 1902 wurden die sieben Mariendomglocken – die Immaculata-Glocke (8120 Kilogramm), Josefiglocke (3930 Kilogramm), Petrusglocke (2370 Kilogramm), Pilgerglocke (1640 Kilogramm), Agnesglocke (940 Kilogramm), Maximilianglocke (480 Kilogramm) und Michaeliglocke (290 Kilogramm) – in den bereits ein Jahr zuvor fertiggestellten Turm transportiert, von wo aus sie seither erklingen. Bereits 1903 wurde eine elektrische Läutemaschine eingebaut. 

 

Immaculata im Mariendom Linz

Immaculata im Mariendom Linz © Diözese Linz / Appenzeller 


Dass die Linzer Domglocken beide Weltkriege des vergangenen Jahrhunderts überstanden haben, ist Glück, denn 90 Prozent des Glockenbestandes wurden damals eingeschmolzen – die im Linzer Dom entgingen diesem Schicksal. Die sechs kleineren Glocken wurden zwar abgenommen, auf einen Eisenbahnwaggon geladen und nach Hamburg auf den sogenannten „Glockenfriedhof“ gebracht. Die Immaculata sollte aus Kostengründen im Turm zerschlagen werden. Doch aufgrund einer glücklichen Fügung kam es auch dazu nicht. 1947 sind die Mariendomglocken wieder zurückgekommen.

 

Ein Teil der Glocken im Mariendom Linz

Ein Teil der Glocken im Mariendom Linz © Mariendom Linz / Noll

 

Glockenklang als Zeichen des Friedens


Anders war dies bei der 1936 in St. Florian gegossenen Friedensglocke der Pfarre Linz-Heilige Familie. Diese war die erste Glocke in Linz, die 1942 während des NS-Regimes für Kriegszwecke eingeschmolzen wurde. Dank einer privaten Spende erhielt die Pfarrkirche, als Höhepunkt zu dem 2012 gefeierten 100-jährigen Kirchenjubiläum, eine neue Friedensglocke. Die Friedensglocke ist 2000 Kilo schwer und ihrer historischen Vorgängerin nachempfunden. Die Glocke ist dem seliggesprochenen Kriegsdienstverweigerer Franz Jägerstätter und seiner Frau Franziska gewidmet. Wie die alte Glocke trägt auch die neue Friedensglocke die Inschrift „Gib Frieden, Herr, in unseren Tagen“ und ist mit Friedenstaube und Christusmonogramm verziert. Als fünfte Glocke komplettiert sie das Geläute der Familienkirche. 

 

Glockenagenden in der Diözese Linz


Unterstützt werden Oberösterreichs Pfarren in allen Glockenfragen von Glockenreferent Siegfried Adlberger. Der gelernte Orgelbauer ließ sich an der Hochschule in Heidelberg zum Glockensachverständigen ausbilden. Seine Funktion als Orgelreferent übt Adlberger seit knapp 30 Jahren aus. Bereits seit der Gründung der Diözese Linz gab es einen eigenen Glockenfachmann.

 

Bischof Scheuer: „Glocken machen auf das Geheimnis der Zeit für das Leben der Menschen aufmerksam“


Zur Bedeutung von Glocken betont Bischof Scheuer: „Die Glocken markieren wichtige Einschnitte und Unterbrechungen in unserem Alltagsleben: Sie läuten den Sonntag ein, um die Sonn- und Feiertage von den Arbeits- und Werktagen zu unterscheiden und hervorzuheben. Sie läuten am Morgen, oft auch am Mittag und am Abend. Damit wird unsere Zeiterfahrung markiert. Es ist nicht alles in unserer Zeit ,gleich-gültig‘. Es gibt hervorgehobene Zeitsituationen. Die Glocken erinnern uns an das persönliche Gebet. Daran knüpft auch der alte Brauch an, zu diesen Zeiten den ,Angelus‘ (,Engel des Herrn‘) zu verrichten. Und sie rufen die Gemeinschaft der Kirche zusammen und zeigen den Beginn des Gottesdienstes an. Damit werden wir auch an unsere Zugehörigkeit zu einer Gemeinschaft, vor allem zur Gemeinschaft des Glaubens, auch auf unsere Gemeinschaftsverpflichtung und auf unsere Solidarität hin erinnert“, so Bischof Scheuer im Rahmen einer Festpredigt zur Glockenweihe in der Pfarre Rainbach im Mühlkreis. 

 

Glocken würden dazu beitragen, die Zeit des Lebens, einzeln und gemeinschaftlich nicht einfach einzuebnen. „Die Glocken helfen uns, unser Leben, nicht zuletzt unsere Jahre, Monate und Tage in ihrem Gefüge und in ihrer Ordnung zu verstehen. So machen uns die Glocken auf das Geheimnis der Zeit für das Leben der Menschen aufmerksam. Es ist nicht alles ,gleich-gültig.‘ Die Glocken helfen uns, unser Leben besser zu erkennen und zu sichten, vielleicht es auch dann wieder zu ordnen“, ist Scheuer überzeugt. 


Über 20.000 Glocken läuten zu Ostern in Österreich – weitere Informationen finden Sie hier.

 

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