Saturday 3. June 2023

Bischof Manfred Scheuer weihte zehn Männer zu Diakonen

Diakonenweihe 2022 Mariendom Linz

Sie tun ihren seelsorglichen und sozialen Dienst in ihrem unmittelbaren Lebensumfeld: jene zehn Oberösterreicher, die am Pfingstmontag, 6. Juni 2022 um 15 Uhr von Bischof Manfred Scheuer im Linzer Mariendom zu Diakonen geweiht wurden.

In einem Festgottesdienst am Pfingstmontag, 6. Juni 2022 weihte Bischof Manfred Scheuer im Linzer Mariendom zehn Kandidaten zu Diakonen. Dabei wurden acht verheiratete Männer zu Ständigen Diakonen geweiht, zwei Männer zu Diakonen auf dem Weg zum Priesteramt. Die gemeinsame Weihe in der Bischofskirche – lange Zeit wurden die Diakone in ihren jeweiligen Pfarren einzeln geweiht – bringt zum Ausdruck, dass der Einsatz der Diakone nicht auf die Pfarren bzw. andere Seelsorgestellen beschränkt, sondern mit der gesamten Diözese verwoben ist. Ebenso wichtig ist die Einbindung der neugeweihten Diakone in die Pfarre, in der sie tätig sind und in der sie meist auch wohnen. Deshalb wird es in den Wochen nach der Weihe in den Pfarren Einführungsfeste geben.

 

Diözesanbischof Dr. Manfred Scheuer feierte mit etwa 900 Gläubigen im Linzer Mariendom den Festgottesdienst zur Diakonenweihe. Mit ihm feierten Bischof em. Maximilian Aichern OSB, Generalvikar DDr. Severin Lederhilger OPraem, der Bischofsvikar für Orden, Säkularinstitute und geistliche Gemeinschaften Dr. Adi Trawöger, der Leiter der Abteilung Priester und Diakone der Diözese Linz Dr. Martin Füreder, der Regens des Linzer Priesterseminars Mag. Michael Münzner, Abt Mag. Nikolaus Thiel OCist vom Stift Schlierbach, Abt Mag. Reinhold Dessl OCist vom Stift Wilhering, Propst Johann Holzinger CanReg vom Stift St. Florian, Mitglieder des Linzer Domkapitels, der Referent für Diakone Peter Schwarzenbacher MSc., der Sprecher der Diakone Herbert Mitterlehner, Diakon Mag. Anton Birngruber, MA sowie Priester, Diakone, Pfarr- und Pastoralassistent:innen sowie Wortgottesfeier-Leiter:innen aus den Heimatgemeinden und Dekanaten der Weihekandidaten. Auch Angehörige, Wegbegleiter:innen und Pfarrmitglieder aus den Heimatorten der neuen Diakone waren gekommen, um mitzufeiern. Damit auch die Angehörigen eines Weihekandidaten in Vietnam das Fest miterleben konnten, wurde der Weihegottesdienst via Livestream übertragen.

 

Musikalisch gestaltet wurde der festliche Gottesdienst im Linzer Mariendom von Domkapellmeister Mag. Josef Habringer als Kantor, Domorganist Wolfgang Kreuzhuber an der Orgel und von einem Instrumental-Ensemble unter der Leitung von Christian Wirth. Vor und nach dem Gottesdienst sorgte auf dem Domplatz der Musikverein Hirschbach im Mühlkreis für Festtagsstimmung.

 

 

Die acht neugeweihten Ständigen Diakone:

  • Christian Aigelsreiter: Geboren 1963, verheiratet | Beruf: Kaufmännischer Angestellter | Künftiger Einsatzort: Pfarre Wels-Herz Jesu
  • Markus Altenhuber: Geboren 1963, verheiratet | Beruf: Religionslehrer | Künftiger Einsatzort: Pfarre Linz-Christkönig
  • Armin Bumberger: Geboren 1963, verheiratet | Beruf: Wirtschaftsingenieur | Künftiger Einsatzort: Stadtpfarre Linz-Urfahr
  • Julian Gillesberger: Geboren 1972, verheiratet | Beruf: Kulturschaffender | Künftiger Einsatzort: Augustiner Chorherrenstift St. Florian & Pfarre Ried in der Riedmark
  • Christian Hörleinsberger: Geboren 1981, verheiratet | Beruf: Tischlermeister | Künftiger Einsatzort: Pfarre Pierbach
  • Norbert Maier: Geboren 1957, verheiratet | Beruf: Pensionist | Künftiger Einsatzort: Pfarre Hirschbach im Mühlkreis
  • Andreas Neubauer: Geboren 1961, verheiratet | Beruf: a. o. Universitätsprofessor | Künftiger Einsatzort: Pfarre Leonding-St. Michael
  • Joachim Podechtl: Geboren 1964, verheiratet | Beruf: Kaufmann | Künftiger Einsatzort: Zisterzienserstift Wilhering

 

 

Die beiden neugeweihten Diakone auf dem Weg zum Priesteramt

  • Klemens Langeder: Geboren 1986 | Heimatpfarre: Münzbach | Theologiestudium in Innsbruck und Linz | Pastoraljahr in der Pfarre St. Georgen im Attergau | Diakonatspfarre: St. Georgen im Attergau
  • P. Samuel Cao Tuyen Lai OCist: Geboren 1993 | Heimatpfarre: Stift Schlierbach | Theologiestudium in Innsbruck | Pastoraljahr in der Stiftspfarre Schlierbach (ab September 2022)

 

Die neugeweihten Diakone mit Bischof Scheuer und den Konzelebranten
Die neugeweihten Diakone mit ihren Ehefrauen, Bischof Scheuer und den Ausbildungsleiter:innen
Die beiden neugeweihten Diakone auf dem Weg zum Priesteramt mit Bischof Scheuer und Ausbildungsleiter:innen.

© HERMANN WAKOLBINGER

 

 

„Dienen ist die Grundform aller kirchlichen Ämter und Aufgaben“

 

Am Beginn des Gottesdienstes wurde jeder Kandidat einzeln aufgerufen und bekräftigte seine Bereitschaft zum Dienst als Diakon mit den Worten: „Hier bin ich“. Mag.a Margarethe Birngruber-Wimmer und Mag. Anton Birngruber als Verantwortliche für die Ausbildung der Ständigen Diakone, Mag. Michael Münzner als Regens des Priesterseminars und Mag. Nikolaus Thiel als Abt von Stift Schlierbach bezeugten, dass die Weihekandidaten gut vorbereitet sind, das Volk Gottes deren Weihe unterstützt und dass sie würdig sind, die Diakonenweihe zu empfangen. Hierauf wurden die zehn Kandidaten von Bischof Scheuer zu Diakonen erwählt.

 

In seiner Predigt betonte Bischof Manfred Scheuer, der Dienst als Diakon stehe nicht neben der Familie, neben Frau und Kindern und neben dem Beruf, sondern „mittendrin“. Unter Bezugnahme auf Ignatius von Loyola und Teresa von Avila betonte Scheuer, es gehe darum, Gott in allen Dingen zu finden. Den Jesuiten Alfred Delp zitierend, meinte der Bischof, der Dienst des Diakons meine ein „Sich-Gesellen zum Menschen in allen Situationen“, ein „Nachgehen und Nachwandern auch in die äußersten Verlorenheiten und Verstiegenheiten des Menschen, um bei ihm zu sein“. Ein Diakon solle dort gegenwärtig sein, wo es nur wenige hintreibe, und Räume schaffen, in denen Menschen aufatmen und ihre Angst überwinden könnten, damit etwas geheilt werde, so Scheuer.

 

Bei einer Gnadengabe, bei einem Talent oder Charisma gehe es im Alltagsverständnis um das individuelle, besondere Wissen, Können und Handeln-Wollen jedes Einzelnen; rasch denke man dabei an Künstler:innen, Sportler:innen oder auch Wissenschafter:innen. Paulus hingegen spreche im Römerbrief von „unterschiedlichen Gaben, je nach der uns verliehenen Gnade. Hat einer die Gabe prophetischer Rede, dann rede er in Übereinstimmung mit dem Glauben; hat einer die Gabe des Dienens, dann diene er.“ (Röm 12,6–8). Bischof Scheuer: „In dieser Perspektive braucht der Einzelne seinen Weg nicht mit einem ständigen – überheblichen oder neidischen – Vergleich mit anderen oder aus der Negation der anderen heraus zu gehen. Wer das eigene Charisma annimmt, braucht auch nicht ständig Projektionen, Sündenböcke, die er beurteilen und verurteilen muss.“ Ungleichheiten müssten freilich so beschaffen sein, dass sie nicht zum Vorteil der Starken ausschlagen, sondern den Schwachen und dem Aufbau des Reiches Gottes dienen würden, betonte der Bischof.

 

Bei der Verwirklichung eines Charismas gehe es nicht (nur) um die eigene Autonomie bzw. Selbstverwirklichung; dies werde gerade durch das Charisma des Dienens deutlich. ‘Charismatische‘ Menschen sind schöpferische, ‚generative‘ Menschen, also Menschen, die selbst auf festem Grund stehen, Vertrauen vermitteln und Freude am Werden, Wachsen und Blühen anderer haben. Generativen Menschen geht es nicht nur um die eigene Selbstbehauptung. Ihre Energien, ihre Zeit sind nicht durch die eigenen Interessen besetzt. Ohne generative, schöpferische Fürsorge und Verantwortung für andere, verarmt das Leben, es stagniert. Grundlegend für das Verständnis von Gnadengaben ist es, dass die Gabe, die einer von Gott empfangen hat, dem anderen nützt. Alle Ämter und Gnadengaben sind auf die Ehre Gottes und den Nutzen, das Heil und die Auferbauung der anderen bzw. der Kirche hin geordnet“, stellte Scheuer klar.

 

So verstanden sei der Diakonat „keine Übergangsstufe zu höheren Weihen, auch nicht für Priesteramtskandidaten“, sondern ein „Schritt, dem Endgültigkeit eignet“. Der Bischof abschließend: „Das Dienen ist nicht nur ein Charisma neben und schon gar nicht ‚unter‘ anderen, sondern die Grundform aller kirchlichen Aufgaben und Ämter.“

 

Predigt von Bischof Manfred Scheuer zum Nachlesen

 

Bischof Scheuer bei seiner Festpredigt

Bischof Manfred Scheuer bei seiner Festpredigt. © HERMANN WAKOLBINGER

 

 

Bereitschaft zum Dienst an den Menschen

 

Nach der Predigt von Bischof Manfred Scheuer erfolgte die Weihezeremonie. Nach der Anrufung des Heiligen Geistes in einem gemeinsamen Lied fragte Bischof Scheuer die Weihekandidaten nach ihrer Bereitschaft, den Glauben in Wort und Tat zu verkünden, das Stundengebet der Kirche zu pflegen, sich für Arme und Kranke einzusetzen, Heimatlosen und Notleidenden zu helfen und so ihr Leben nach dem Beispiel Christi zu gestalten. Die persönliche Antwort der Kandidaten: „Ich bin bereit“.

 

Die Ehefrauen der verheirateten Weihekandidaten wurden im Vorfeld nach ihrer Bereitschaft gefragt, ihre Männer im Dienst als Diakone zu unterstützen. Die Weihekandidaten auf dem Weg zum Priesteramt bekräftigten ihre Bereitschaft, um des Himmelreiches willen ehelos zu leben. Danach legten die zehn Männer ihr Gehorsamsversprechen gegenüber dem Bischof und seinen Nachfolgern ab.

 

Während der Heiligenlitanei, in der die Heiligen von der Gottesdienstgemeinde als Fürsprecher und Helfer angerufen wurden, lagen die Weihekandidaten ausgestreckt auf dem Boden der Altarinsel – als Zeichen der Hingabe, Bereitschaft und Demut vor Gott.

 

Danach empfingen die Kandidaten einzeln und kniend die Weihe durch Handauflegung und Gebet von Bischof Manfred Scheuer. Im Weihegebet heißt es: „Sende auf sie herab, o Herr, den Heiligen Geist. Seine siebenfältige Gnade möge sie stärken, ihren Dienst getreu zu erfüllen. Das Evangelium Christi durchdringe ihr Leben. Selbstlose Liebe sei ihnen eigen, unermüdliche Sorge für die Kranken und Armen. Mit Würde und Bescheidenheit sollen sie allen begegnen, lauter im Wesen und treu im geistlichen Dienste. In ihrem Wirken sollen deine Weisungen aufleuchten; das Beispiel ihres Lebens soll die Gemeinde auf den Weg der Nachfolge führen. So bezeugen sie wahrhaft den Glauben und bleiben bis ans Ende fest in Christus verwurzelt.“

 

Anschließend halfen die Diakone Peter Schwarzenbacher und Herbert Mitterlehner, Regens Michael Münzner und Abt Nikolaus Thiel ihren neugeweihten Mitbrüdern beim Anlegen der Stola, die von Diakonen quer über der Brust getragen wird. Danach überreichte Bischof Manfred Scheuer jedem neugeweihten Diakon einzeln das Evangeliar mit den Worten: „Empfange das Evangelium Christi: Zu seiner Verkündigung bist du bestellt. Was du liest, ergreife im Glauben, was du glaubst, das verkünde, und was du verkündest, erfülle im Leben.“ Der Bischof sprach den neugeweihten Diakonen den Frieden zu und besiegelte damit ihre Aufnahme in das neue Amt. Auch die anderen Diakone begrüßten die Neugeweihten mit dem Friedensgruß als Zeichen der Brüderlichkeit und Verbundenheit im gemeinsamen Dienst.

 

 

Ständiger Diakonat

 

Seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil (1962–1965) ist das Diakonenamt nicht mehr vorwiegend eine Station auf dem Weg zum Priesteramt, sondern steht auch (verheirateten) Männern offen, die „ständig“ Diakone bleiben wollen – daher die Bezeichnung „Ständige Diakone“. Die Aufgaben sind die gleichen: Diakone assistieren dem Priester in der Messe, verkünden das Evangelium und dürfen predigen. Sie können die Taufe spenden, Trauungen und Begräbnisfeiern leiten, Wortgottesdienste feiern und Segnungen spenden. In der Liturgie sind Diakone an der quer über der Brust getragenen Stola zu erkennen.

 

Zum spezifischen Profil eines Diakons gehört der Dienst an den Armen und Benachteiligten. Die soziale Dimension von Kirche ist somit stark mit dem Dienen und Helfen – dem diakonalen Amt – verbunden. In diesem Dienst liegt auch der Ursprung des Diakonats: In der Apostelgeschichte der Bibel ist nachzulesen, dass sieben Diakone, unter ihnen Stephanus, ausgewählt wurden, um für die benachteiligten Witwen der Gemeinde zu sorgen.

 

Bei verheirateten Bewerbern zum Diakonat ist die Zustimmung der Ehefrau Voraussetzung für die Weihe. Häufig sind die Ehefrauen wie ihre Männer kirchlich sehr engagiert.

Immer wieder wird auch das Diakonat für Frauen diskutiert bzw. gefordert – und diese Forderung ist historisch begründet: Es gab in der Kirche immer wieder Diakoninnen. Papst Franziskus hat eine Studienkommission für das Frauendiakonat eingesetzt.

 

Mit den Neugeweihten gibt es in der Diözese Linz 152 aktive Ständige Diakone. Sie sind vielfach unterstützt und begleitet von ihren Frauen. Mehrmals im Jahr kommen die Diakone und ihre Ehefrauen bei Vernetzungstreffen zum Austausch und zur inhaltlichen Auseinandersetzung zusammen. Der Sprecher der Diakone aus jeder Diözese vertritt die Anliegen der Diakone bei der „ARGE Diakone Österreichs“.

 

Grundvoraussetzung für die Zulassung zur Ausbildung zum Diakonat sind eine bereits bewährte diakonale Lebenspraxis in Beruf und Familie sowie die mehrjährige Verwurzelung in einer Pfarrgemeinde bzw. kirchlichen Gemeinschaft. Als theologische Grundqualifikation ist der „Berufsbegleitende Theologische Lehrgang“ an der Katholischen Privat-Universität Linz bzw. der „Theologische Fernkurs“ erforderlich. Der berufsbegleitende diözesane Ausbildungsweg dauert mindestens dreieinhalb Jahre.

 

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Diakonat auf dem Weg zur Priesterweihe

 

Wer Priester werden will, geht einen längeren Weg: Er absolviert als Seminarist zunächst das sogenannte Propädeutikum, das Einführungsjahr für Priesterkandidaten oder als Ordensmann das Noviziat. Danach studiert er katholische Theologie. In dieser Zeit lebt er mit anderen Priesteramtskandidaten im Priesterseminar bzw. als angehender Ordenspriester in der eigenen Ordensgemeinschaft. Es folgt das pastorale Einführungsjahr in einer Pfarre, wo der Kandidat erste seelsorgliche Erfahrungen sammelt. Begleitend besucht er den Pastorallehrgang. Die Weihe zum Diakon kann während oder nach diesem Jahr erfolgen. Danach ist der Diakon mindestens ein halbes Jahr in einer Pfarre tätig, bevor er zum Priester geweiht werden kann.

 

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