Mittwoch 20. Februar 2019

Papst beginnt offizielles Programm in Abu Dhabi

Papst Franziskus besucht als erstes katholisches Kirchenoberhaupt von 3. bis 5. Februar 2019 die Arabische Halbinsel. Franziskus' 27. Auslandsreise steht im Zeichen des interreligiösen Dialogs.

Papst Franziskus ist am Vormittag des 4. Februar 2019 (Ortszeit) offiziell von Kronprinz Muhammad bin Zayed Al Nahyan im Präsidentenpalast von Abu Dhabi begrüßt worden. Nach dem Empfang mit militärischen Ehren folgte ein privates Gespräch, Eintrag ins Gästebuch und der übliche Geschenkenaustausch. Eine ansonsten übliche Ansprache des Papstes an die Autoritäten des Landes gab es nicht. Der Wagen des Papstes wurde auch von einer Pferdestaffel zum erst 2017 vollendeten eindrucksvollen Präsidentenpalast begleitet. Der riesige weiße Gebäudekomplex ist mit 70 Kuppeln überspannt. Franziskus begrüßte zunächst persönlich Vertreter verschiedener Regionen und Regierungsmitglieder.

 

Laut Vatikan schenkte der Papst dem Kronprinzen eine Medaille, die an die Begegnung des heiligen Franz von Assisi mit dem ägyptischen Sultan Malik al-Kamil vor genau 800 Jahren erinnert. Er wollte damit die interreligiöse Ausrichtung seiner Arabienreise betonen.

 

Am Nachmittag (Ortszeit) ist ein privater Austausch des Papstes mit einem Rat islamischer Ältester und Gelehrter in der Scheich-Zayed-Moschee geplant. Seine zentrale Rede hält der Papst am Abend (Ortszeit) bei einer interreligiösen Konferenz im Founder's Memorial. Es wird mit Spannung erwartet, ob Franziskus sich dabei auch politisch äußert. Zu der am Sonntag begonnenen Konferenz wurden rund 700 Teilnehmer erwartet.

 

Scheich-Zayed-Moschee in Abu Dhabi

Scheich-Zayed-Moschee in Abu Dhabi. © charlemagne / www.pixabay.com CC0.10

 

 

Positives Echo in arabischen Medien 

 

Der Besuch von Papst Franziskus in Abu Dhabi ist das Topthema in den Medien am Golf. Die führenden Zeitungen der Emirate wie auch überregionaler Zeitungen berichteten am Montagmorgen über den ersten Besuch eines Papstes auf der Arabischen Halbinsel. "Ich bin hier als ein Bruder", zitiert die englischsprachige Khaleej Times Franziskus in ihrem Aufmacher. Die arabische Ausgabe "Al Khaleej" sieht "Papst und Groß-Imam am Leuchtturm der Toleranz". Sie bezieht sich damit auf die interreligiöse Konferenz "Human Fraternity" am Montag.

 

Tenor fast sämtlicher Artikel sind das durchgängige Lob für den Papst sowie die in der arabischen Welt erstmalige interreligiöse Konferenz, verbunden mit Ergebenheitsadressen an die Herrscher der Emirate, die sich damit als die weltoffene Seite Arabiens präsentieren.

 

"The National", eine private Zeitung in den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE), heißt den Papst "Willkommene in den VAE" und zeigt ihn mit Kronprinz Muhammad bin Zayed, der ihn am Flughafen begrüßt. Die panarabische "Arab News", die vor allem in Saudi Arabien gelesen wird, titelt "Der erste katholische Papst in Arabien".

 

Der staatliche Fernsehsender zeigt immer wieder Bilder des Papstes in der Begegnung mit anderen arabischen Staatsoberhäuptern wie König Abdullah von Jordanien; aber auch sein Besuch an der Tempelmauer in Jerusalem fehlt nicht.

 

Die staatliche "Khaleej Times" bietet ihren Lesern zudem eine 16-seitige Beilage mit zahlreichen ganzseitigen Grußadressen an das katholische Kirchenoberhaupt. Das Editorial schildert Franziskus, den Papst vom anderen Ende der Welt, als unkonventionellen, demütigen und offen sprechenden Hirten.

 

Verschiedene Beiträge stellen örtliche Kirchengemeinden vor, Gebäude und Menschen, die den meisten Bewohnern der Emirate exotisch anmuten. Ein Beitrag schildert die Erlebnisse zweier indischstämmiger Katholikinnen  die sich 1986 beim Besuch Johannes Pauls II. in Indien getroffen haben und sich beim Papstbesuch in Abu Dhabi wiedersehen. Besonderes Schmankerl: Diverse Gruß-Überschriften lauten "Viva la Papa" ("Es lebe 'die' Papst").

 

Skyline von Abu Dhabi

Skyline von Abu Dhabi. © Explore / www.pixabay.com CC0.10

 

Papst Franziskus auf den Spuren des Heiligen Franz von Assisi

 

Der erste Papstbesuch auf der Arabischen Halbinsel fällt in das 800-Jahr-Jubiläum der Begegnung zwischen dem Heiligen Franz von Assisi und Sultan Al-Malik Al-Kamil. 1219, während des fünften Kreuzzugs, reiste Franziskus in den Nahen Osten und schloss sich dort dem Kreuzfahrerheer an, das auf dem Weg nach Ägypten war. Unweit von Damietta predigte er im Lager des muslimischen Heeres vor dem Sultan Al-Kamil. Diese Begebenheit ist auch in außerfranziskanischen Quellen belegt, beispielsweise bei dem Kreuzzugs-Chronisten Oliver von Paderborn, wie die Stiftung "Pro Oriente" am Montag erinnerte.

 

Franz von Assisi habe drei Ziele verfolgt, heißt es: Er wollte den Sultan zur Abkehr von der islamischen Theologie führen, damit er die Dreifaltigkeit Gottes und die Menschwerdung des Wortes Gottes bekenne, zweitens, wenn nötig, als Märtyrer sterben und drittens Frieden schaffen. Der Sultan war beeindruckt und beschenkte Franziskus reichlich, doch die bevorstehende Schlacht konnte nicht verhindert werden und der Kreuzzug insgesamt wurde fortgeführt.

 

Für die Franziskaner ist das Ereignis von Damietta heuer Anlass für ein Gedenken in vielen Etappen an Orten, die für die franziskanische Präsenz "und für eine heutige Geopolitik des Friedens" bedeutend sind. Damietta sei Inspiration für eine Dialog-Tradition, deren Bedeutung heute "in immer dramatischerer Weise" greifbar werde, so "Pro Oriente". Daher sind bei den verschiedenen Etappen des Gedenkens immer sowohl christliche als auch muslimische Expertinnen und Experten beteiligt.

 

Franziskus sei das Ideal einer "humanen, sozialen, politischen, ethischen und ästhetischen Reform, die alle konfessionellen Grenzen überschreitet", heißt es in einer Erklärung des Franziskanerordens zum 800-Jahr-Gedenken der Begegnung zwischen dem Heiligen Franziskus und Sultan Al-Kamil. "Pro Oriente" erinnerte, dass dessen Interesse für die westliche Christenheit so groß gewesen sei, dass ihm sogar unterstellt wurde, er habe an der Pariser Universität studiert - denn "er war zur Rückgabe aller Gebiete des christlichen Königreichs Jerusalem und zur Finanzierung des Wiederaufbaus der Stadtmauern von Jerusalem bereit".

 

Die erste Etappe des Gedenkens betrifft von 4. bis 7. März das spanische Murcia, wo auch die Gestalt des Heiligen Ramon Llull behandelt wird, der in den nordafrikanischen Städten das Evangelium predigte. Am 14. März geht es in Venedig um die historische Wahrheit im Hinblick auf die Begegnung zwischen Franziskus und dem Sultan und die Konsequenzen für heute. Am 9. April steht in Rom die historisch-theologische Bedeutung der Gastfreundschaft zwischen dem Sultan und dem Heiligen Franziskus - samt einem Ausblick auf die heutige Migrationsdiskussion - im Mittelpunkt. Am 15. Mai geht es in Jerusalem um Quellen von beiden Seiten zum Fünften Kreuzzug. Am 19. Oktober wird in Istanbul die heutige Bedeutung des christlich-islamischen Dialogs behandelt. Von 28. Oktober bis 1. November steht eine Wallfahrt nach Damietta, an den Ort des Geschehens, auf dem Programm. Am 25./26. November wird schließlich in Paris der Reichtum der franziskanischen Dialog-Tradition für heute behandelt.

 

Bereits im Mai des Vorjahrs hatte im "Auditorium Seraphicum" in Rom am 9. Mai die Dokumentation "The Sultan and the Saint" Premiere. P. Emanuele Rimoldi verwies damals darauf, dass es bei der Begegnung zwischen Franziskus und dem Sultan um einen Dialog zwischen zwei gläubigen Menschen gegangen sei, die sich ohne Vorurteile dem Gespräch mit dem "Anderen" stellen wollten und zugleich lernwillig waren.

 

Papst Franziskus

Papst Franziskus ist der interreligiöse Dialog ein Anliegen. © Osservatore Romano

 

"Können mit ähnlichen Worten beten"

 

Zwischen Franziskus und dem Sultan gebe es eine "Öffnung zur Menschlichkeit des anderen", bis hin zur Entdeckung, dass man mit ähnlichen Worten beten könne. Die Franziskaner wollten mit der Premiere der Dokumentation "Brücken des Aufeinanderhörens, des Dialogs und des Friedens" schaffen, so Rimoldi.

 

In diesem Zeichen erhielten die Besucherinnen und Besucher ein Pergament, das auf der einen Seite einen Teil der "Lodi all'Altissimo" des Heiligen Franziskus wiedergab, auf der anderen einen Teil der im Islam üblichen "99 schönen Namen Gottes".

 

Das Gedenken an die Begegnung zwischen dem Heiligen Franziskus und dem Sultan Al-Kamil hat auch in anderen Weltgegenden Wirkung gezeigt, zum Beispiel am Indus. Die katholische Kirche in Pakistan möchte im Zeichen des 800-Jahr-Gedenkens an das historische Treffen des Heiligen Franziskus mit Sultan Al-Kamil die "universelle Botschaft der Toleranz, der Freundschaft, des Dialogs und Friedens" verbreiten.

 

Erzbischof Sebastian Shaw von Lahore, der die bischöfliche Kommission für den ökumenischen und den interreligiösen Dialog leitet, zelebrierte im Jänner den Eröffnungsgottesdienst zusammen mit Pater Francis Nadeem, Kustos der Franziskaner in Pakistan und Sekretär der Kommission. Zahlreiche christliche und muslimische Geistliche nahmen teil. Die beiden großen Religionsvertreter, Franziskus und Al-Kamil, "standen für Frieden und Toleranz in einer Zeit der Kriege und Konflikte am Rande der Kreuzzüge. Sie waren Vorbild für interreligiösen Dialog und gegenseitiges Verständnis", so P. Francis Nadeem.

 

Zu Beginn der Feier wurde ein Gemälde enthüllt, das die Begegnung zwischen dem Heiligen Franziskus und Sultan Al-Kamil darstellt; Tauben wurden freigelassen, die die Hoffnung symbolisieren sollten, dass die Friedensbotschaft in Pakistan auch dort verbreitet wird, wo es religiöse und politische Konflikte gibt.

 

"Ich bewundere die Leidenschaft und den Mut des Heiligen Franziskus von Assisi, der mitten im Krieg zum Sultan gehen wollte", sagte Erzbischof Shaw: "Dieses Ereignis drängt uns alle dazu, in Frieden, Harmonie, Toleranz und Solidarität zu leben". Der angesehene Mawlana (islamische Religionsgelehrte) Muhammad Asim stimmte dem zu: "Wir werden gemeinsam die Mission des Heiligen Franziskus und des Sultans fortführen und andere Menschen davon überzeugen, sich dieser Bewegung anzuschließen, die den interreligiösen Dialog, den Frieden und die soziale Harmonie fördert, während wir die 800 Jahre dieses historischen Treffens feiern."

 

Kathpress

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