Mittwoch 29. März 2017

Yoga – Verhältnis zum Christentum

Steine

Hinsichtlich der aufgeflammten Diskussion rund um Yoga verweist die Diözese Linz auf die Broschüre „Yoga. Geschichte und Verhältnis zum Christentum“ (Wien, 2009).

Diese wurde von der, der Österreichischen Bischofskonferenz zugeordneten, Arbeitsgemeinschaft der Referate für Weltanschauungsfragen in Österreich herausgegeben, in Zusammenarbeit mit Arbeitsstellen der deutschen und schweizerischen  Bischofskonferenzen. Verfasst wurde die Publikation von Univ.-Prof. Karl Baier, außerordentlicher Professor für Religionswissenschaft am Institut für Religionswissenschaft der Universität Wien.

 

Darin heißt es unter anderem: „Die pauschale Ablehnung der Möglichkeit einer christlich verantwortbaren Yoga-Praxis ist heute veraltet (...)“. Und weiter: „Die in Geschichte und Gegenwart vertretenen Arten von Yoga sind zu unterschiedlich, als dass sie sich theologisch über einen Kamm scheren ließen. (…) Der moderne Yoga wird immer noch zumeist als ein Phänomen behandelt, das quasi von außen an die christlichen Kirchen herantritt. Es gibt jedoch mittlerweile seit Jahrzehnten theologisch versierte Christinnen und Christen, die nicht nur Yoga praktizieren, sondern auch als Yoga-Lehrende tätig sind.“


Gerade der körperzentrierte Yoga, wie er üblicherweise in den Yoga-Verbänden angeboten wird und sich grundlegend von manchen neo-hinduistischen Formen sogenannter „Neuer religiöser Bewegungen“ unterscheidet, "stellt praktizierende Christen vor keine religiösen Probleme, da auf die Vermittlung expliziter religiöser Inhalte fast vollständig verzichtet wird. (...) Insofern die Praxis der Haltungs- und Atemübungen zu innerer Ruhe und Sammlung hinführt, werden durch sie Bibelstudium, Gebet und Meditation, der achtsame Vollzug liturgischer Handlungen wie auch das Handeln coram Deo [vor Gott, Anm.] im Alltag gefördert. (...) Moderne christliche Theoretiker der Sammlung wiesen des Weiteren darauf hin, dass die Sammlung als Befreiung zur Gegenwart den Raum für die Erfahrung der Anwesenheit Gottes öffnet."


Im genannten Dokument heißt es zudem im Blick auf die Weltreligionen: In der Erklärung "Nostra Aetate - Über das Verhältnis der Kirche zu den nicht-christlichen Religionen" des Zweiten Vatikanischen Konzils werde hervorgehoben, dass im Hinduismus "das göttliche Geheimnis" in reichen Mythen und philosophischen Versuchen zum Ausdruck gebracht wird. Hindus – so die Bischöfe im Konzil - "suchen durch aszetische Lebensformen oder tiefe Meditation oder liebend-vertrauende Zuflucht zu Gott Befreiung von der Enge und Beschränktheit unserer Lage" (NA 2). Daran anschließend führt der katholische Religionswissenschafter aus: "Gemäß dem Konzilstext gehören damit zentrale Praktiken des Yoga zu dem, was im Hinduismus wahr und heilig ist, und dem deshalb von christlicher Seite Anerkennung und Respekt gebührt. Das [Konzils-]Dekret Ad Gentes geht in Punkt 18 noch einen Schritt weiter und regt dazu an, von den östlichen Traditionen des aszetischen und kontemplativen Lebens zu lernen."


Prof. Karl Baier kommt in der sorgfältig differenzierenden Handreichung, zum Schluss:


„Yoga gehört zu den Formen moderner Spiritualität, die außerhalb und schon längst auch innerhalb der christlichen Gemeinden weit verbreitet sind. Um auf diesem Feld bei den Menschen von heute zu sein, ist es wünschenswert, dass die bisherigen Ansätze einer christlichen Yogarezeption kreativ, kritisch und mit vermehrter theologischer Unterstützung weiterentwickelt werden. ‚Prüft alles. Das Gute behaltet‘ (1 Thess.5,21)“


 

Yoga in katholischen Bildungshäusern


Es wurde auch die Frage aufgeworfen, ob generell Yoga in katholischen Bildungshäusern angeboten werden soll. Dazu eine Stellungnahme von Univ.-Prof. Dr. Franz Gruber, Vorsitzender des Kuratoriums des Bildungshauses Schloss Puchberg:

 

Der Apostel Paulus rät Christinnen und Christen, alles zu prüfen und das Gute zu behalten (1 Thess 5,21), ja er hält die Freiheit des Glaubens für so weltoffen und furchtlos, dass er sagen kann: „Alles ist euch erlaubt, aber nicht alles baut auf“ (1 Kor 10,23b). Im Pfarrbrief von Windischgarsten unter der inhaltlichen Verantwortung von Pfarrer Wagner wird „jedes Yoga im Grunde (als) satanisch“ beurteilt. Ich halte diese Bewertung für ungeheuerlich, spirituell ignorant und theologisch falsch. Als eine Methode unter vielen, sich zu sammeln, Körper und Geist in eine Einheit zu bringen, resonanzfähig zu werden für eine achtsame Wahrnehmung der Welt und der Wirklichkeit des Göttlichen sind auch fernöstliche Meditationsformen wie Yoga oder Zen wertvolle und legitime Praktiken. Deshalb werden sie seit Jahrzehnten auch in kirchlichen Bildungshäusern angeboten. Denn Yoga ist selbstverständlich ohne Übernahme des hinduistischen Religionskontextes praktizierbar.


Dass Yoga derzeit ein Modetrend ist, möchte ich gar nicht in Abrede stellen, der „Yoga-Markt“ ist gewiss vielfältig, auch in qualitativer Hinsicht. Yoga ist gegenüber Auswüchsen und Fehlentwicklungen nicht immun. Aber der aktuelle Yoga-Hype ist deshalb kein Symptom wachsender Dämonie, sondern ein Signal dafür, dass Menschen nach Formen suchen, destruktive Aspekte unserer rastlosen Lebenswelt zu überwinden. Authentisches Yoga ist sicher kein Hindernis zum Beten, im Gegenteil: Ein Mensch, der bei sich ist, der in seinem Leib gegenwärtig ist, kann ganz offen werden für den Anderen und auch für Gott. Ob Yoga erbaut oder nicht, das müssen schon die Praktizierenden selbst erkennen und entscheiden. Ich kenne jedenfalls viele Menschen, die durch Yoga zu einer neuen Lebensqualität gefunden haben. Das steht im glatten Widerspruch zu Wagners Schluss, Yoga sei Betrug, weil darin die Liebe Gottes nicht zum Vorschein komme. Überall dort, wo Menschen aufleben und heil werden, ist in christlicher Sicht die Liebe Gottes am Werk.


Univ.-Prof. Dr. Franz Gruber, Vorsitzender des Kuratoriums des Bildungshauses Schloss Puchberg

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