Dienstag 25. September 2018

Genug für alle, zu wenig für die Gier

Tagung: Der globale Kampf um knappe Ressourcen

Zur Tagung "Der globale Kampf um knappe Ressourcen" luden Pax Christi OÖ und das Sozialreferat sowie andere Mitveranstaltende am 17. April 2015. Es referierten der Journalist Andreas Zumach und die Sozialwissenschafterin Marianne Gronemeyer.

"Wir leben in einer völligen Ausnahmesituation", meint Andreas Zumach: Im Zuge der Industrialisierung würden seit Beginn des 19. Jahrhunderts die fossilen Energien geplündert, was zu einem historisch noch nie da gewesenem Wohlstandswachstum geführt habe. Weil der Großteil von Öl und Gas im Nahen Osten liege, sei es für die mächtigen Staaten dieser Erde immer wichtig gewesen, einen sicheren Zugang zu diesen Quellen zu haben. Dass sie dabei fast ausschließlich Diktaturen unterstützten, sei den demokratischen Staaten egal gewesen. Nun bahne sich aber eine historische Wende an: Denn die Ausnahmesituation wird in absehbarer Zeit zu Ende gehen; die Vorräte von Öl und Gas werden bald aufgebraucht sein. Es wird die zentrale Aufgabe dieser Generation sein, den Wandel konstruktiv zu gestalten.

 

Journalist Andreas Zumach sieht die Menschheit und ihren Umgang mit Ressourcen vor einer historischen Wende. © Williams Lösch

Marianne Gronemeyer lenke ihren Fokus weg von der globalen zur individuellen Sichtweise: Sie kritisiert an unserer Zivilisation, dass sie uns zu "belieferungsbedürftigen Mängelwesen" macht, "die ihre Daseinsmächtigkeit" aufgegeben hätten. Dem vergötzten Wachstum von Wohlstand und Reichtum sei alles unterzuordnen. In diesem Sinne müssten sich die Menschen als Arbeitssklaven verhalten und in einer totalen Konsum-Haltung verharren. Gronemeyer wurde sehr deutlich: "Der Konsumismus hat die Weltherrschaft angetreten." Die Logik der Verwertung und des Immer-Mehr führe zwangsläufig dazu, dass eine endliche Erde einmal knapp werden müsse. Dieser Logik stellt Gronemeyer die Philosophie der Grenze entgegen: Wir sollten Grenzen ziehen, um uns selbst und die anderen wahrzunehmen. In einer Welt der Maßlosigkeit gehe das "rechte Maß" verloren.

 

Sozialwissenschafterin Marianne Gronemeyer lenke den Fokus weg von der globalen zur individuellen Sichtweise. © Williams Lösch

In den Diskussionen zeigte sich das Gemeinsame und das Verschiedene der Weltsicht der beiden ReferentInnen: Beide sind sich einig, dass unser Entwicklungsmodell zu Ende geht und dieser Wandel mit großen Gefahren verbunden ist. Während Zumach darauf beharrt, dass es eine Frage der persönlichen Verantwortung sei, in die Geschicke der Welt einzugreifen und zum Beispiel für einen humanitären Umgang mit Flüchtlingen zu kämpfen, stellte Gronemeyer vor allem die innere Haltung, wie wir an die Herausforderung herangehen, in Frage: Sie wolle nicht in die Arena der Mächtigen einsteigen, weil dort die Konkurrenzlogik gelte. Ihr Konzept von Verantwortung sei es, dort wirksam zu werden, wo etwas in der Reichweite ihrer Hände sei. Wie schnell wir die Logik der Mächtigen übernehmen würden, zeige sich alleine schon in der Sprache: Sie wolle nicht von "Ressourcen", sondern von "Gütern der Erde" sprechen; und auch nicht von "Knappheit", sondern von der Fülle, mit der wir alle ausgestattet seien. Wir seien nur nicht mehr fähig, die Fülle wahrzunehmen.

Pühringer, Markus (ma)

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