Tuesday 19. November 2019

Verhüllen als „Fasten der Augen“

Das Verhüllen von Kreuzen und Bildern in den Kirchen während der Fastenzeit lenkt die Aufmerksamkeit auf das Wesentliche des Glaubens.

Bereits am 5. Sonntag der Fastenzeit („Passionssonntag“) werden die Kruzifixe und Kreuze in den Kirchen verhüllt. Bei der Kreuzverhüllung in den Kirchen geht es um ein neues Einüben der Wahrnehmung, um ein Hinlenken und Fokussieren der Aufmerksamkeit auf das Kreuz. Mit der Verehrung des enthüllten Kreuzes am Karfreitag gelangt das Verhüllen zu seinem Ende.

 

Sind Triptychen und Flügelaltäre in einer Kirche vorhanden, sind diese häufig zugeklappt und zeigen die einfacher gestaltete Rückseite der Flügel.

 

 

Kreuzverhüllung in der Pfarre Linz-St. Leopold

 

Die Linzer Künstlerin Andrea Edler-Mihlan wurde beauftragt, am Aschermittwoch das große Kreuz in der Kirche Linz-St. Leopold zu verhüllen. Die Kreuzverhüllung greift das Logo der Pfarre auf, indem die Stofffläche eine Kreuzform bildet. Die Verhüllung wird also selbst zum Kreuz.

 

Die Verwendung eines semitransparenten Leinenstoffes lässt das bestehende Holzkreuz durchscheinen, es bleibt immer leicht sichtbar. Während der Gottesdienste beleuchtet eine von hinten angebrachte Lichtquelle die Kreuzverhüllung. Das Holzkreuz wirft seinen Schatten auf die Kreuzverhüllung, wodurch diese zur Projektionsfläche des bestehenden
Kreuzes wird. Der projizierte Schatten wirkt etwas unscharf, eine tiefenräumliche,  sphärische Wirkung entsteht durch die Verwendung von zwei Stofflagen, die zusammengenäht und verstürzt wurden.

 

Der Stoff ist ganz bewusst in Leinenbindung und der Farbe Weiß gewählt. Die Leinenbindung kreuzt sich gleichmäßig. Das Kreuz findet sich in der Webe wieder. Weiß ist die Farbe des Lichts, sie beinhaltet alle Farben und ist die Farbe der Reinheit, die Farbe des Taufkleides, die Farbe des Kleides Christi sowie die Farbe der Auferstehung. Der weiße Stoff bietet zudem die Möglichkeit für eine farbige Beleuchtung. So kann die jeweilige liturgische Farbe (Grün, Violett, Rot, Weiß) gezielt eingesetzt werden.

 

"Ich freue mich, wenn die Art und Weise der Kreuzverhüllung Menschen dabei unterstützt, ihren persönlichen inneren Raum zu erweitern und diesen für das Gebet zu öffnen. Denn das Kreuz, ein sehr starkes und zentrales Symbol der Kirche, braucht seinen Platz nicht nur sichtbar im Kirchenraum sondern auch gefühlt in unseren Herzen", ist Künstlerin Andrea Edler Mihlan überzeugt.

 

(Pfarre Linz-St. Leopold)

 

Kreuzverhüllung                       

 

Kreuzverhüllung                              

 © Pfarre Linz-St. Leopold

 

 

Fastentücher

 

Fastentücher entstanden etwa um das Jahr 1000 im Gebiet nördlich der Alpen und dienten im Mittelalter zur Verhüllung des gesamten Altarraumes. Auf den Bildern waren in unzähligen Feldern Szenen aus dem Alten und Neuen Testament zu sehen (es handelte sich um sogenannte Bilderbibeln). Erst ab dem 16. Jahrhundert wurden die Fastentücher in ihren Dimensionen kleiner und dienten nur mehr zum Verhüllen des Altarbildes. Zu dieser Zeit entwickelten sich einzelne Szenen aus der Passion als Darstellung (Andachtsbilder), am häufigsten die Kreuzigung, heraus.

 

Fastentücher sind in der Diözese Linz in Schiedlberg (das barocke Fastentuch in der Pfarrkirche Schiedlberg von Johann G. Morzer aus dem Jahr 1742 ist eines der ältesten in Gebrauch befindlichen Fastentücher in Oberösterreich), Garsten, Weißenkirchen im Attergau, Vorderstoder, in der Stadtpfarrkirche Steyr und in vielen anderen Pfarren zu finden.

 

(Kunstreferat Diözese Linz)

 

 

Fastentuch in Aschach an der Donau

Fastentuch 2015 der Pfarre Aschach an der Donau. © Pfarre Aschach an der Donau

 

 

 

Misereor-Hungertücher erstmals gesammelt in Österreich zu sehen

 

Erstmals sind in Österreich in den Wochen um Ostern die Hungertücher der seit 1976 durchgeführten Fastenaktion des deutschen kirchlichen Hilfswerks "Misereor" in Aachen ausgestellt. Alle zwei Jahre gestaltet ein Künstler aus dem Süden das aktuelle wandfüllende Hungertuch, das die mittelalterliche Tradition der Betrachtung des Leidens Christi aufgreift und mit aktuellen Nöten wie Hunger, Armut, Ausbeutung und Zerstörung von Lebensraum verbindet.

Alle bisherigen "Misereor-Hungertücher" können noch bis 10. Mai im Bildungshaus St. Hippolyt in St. Pölten besichtigt werden.

Mit Hungertüchern werden während der Fastenzeit in katholischen Kirchen Altarraum oder dort befindliche Kreuze, Bilder und Statuen verhängt. Die Stoffe sollen während der 40-tägigen Bußzeit vor Ostern zum "Fasten der Augen" anregen. Seit 1976 lässt das deutsche Hilfswerk "Misereor" alle zwei Jahre ein Hungertuch gestalten, dessen Motiv in vielen Gemeinden verwendet wird.

Künstler aus Indien, Haiti, Peru, Argentinien, Äthiopien, Südafrika, Togo, Indonesien und sogar China haben sich der Völker verbindend und ein Zeichen der Hoffnung setzenden Aufgaben gestellt. Aus Europa ist der kürzlich verstorbene "malende Priester" Sieger Köder vertreten, der das Hungertuch 1996 gestaltet und so in ganz Deutschland bekannt wurde.

 

(Kathpress)

 

MISEREOR-Hungertuch 2015: 'Gott und Gold - wieviel ist genug?'

 

Das neue MISEREOR-Hungertuch „Gott und Gold – wieviel ist genug?“ stellt die Frage nach dem rechten Maß für unser Leben. Es stammt vom chinesischen Künstler Prof. Dao Zi und wurde für die MISEREOR-Fastenaktion angefertigt.

 

Prof. Dao Zi hat dieses Bild aus der Meditation über die Verse Mt 6,19-24 heraus entwickelt. Er beschränkt sich auf die Grundformen Kreuz, Kreis, Dreieck, Viereck – religiöse Sujets, die tief im Bewusstsein verankert sind – und auf die Farben Gold, Schwarz, Rot und ein helles Grau als Ausprägung von Schwarz.


Diese Formen fügen sich zu einem Kreuz, das hoch und quer das Bild umspannt. Seine schwarzen, leicht bewegten Arme markieren den Horizont, sie trennen das helle Grau des Himmels von Erde und Wasser im unteren Drittel. Ein mächtiger goldener Stein hat sich im Herabstürzen scharfkantig im Holz des Kreuzes verkeilt und durchbricht dessen Linie nach oben und unten. An seinen Rändern schimmert Schwarz durch das Gold.

 

Mehr zum Misereor-Hungertuch 2015

 

(Misereor)

 

 

(be)

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