Friday 15. November 2019

Papst fordert mehr Offenheit der Kirche für Fernstehende

Papst Franziskus

Papst Franziskus hat das Kardinalskollegium zu einem barmherzigeren Umgang mit Menschen aufgefordert, die gesellschaftlich ausgegrenzt sind oder gegen kirchliche Vorschriften verstoßen haben.

Die Kirche müsse den "Weg der Barmherzigkeit und der Eingliederung" gehen, sagte er am Sonntag, 15. Februar 2015 in einem Gottesdienst im Petersdom. Hierbei gelte es, "niemanden auf ewig zu verurteilen", so Franziskus, der dabei für mehr Offenheit der Kirche gegenüber Fernstehenden plädierte. Sie dürfe nicht nur jene aufnehmen und eingliedern, die an ihre Tür klopften. Sie müsse sich aufmachen und ohne Vorurteile und Angst die Fernstehenden suchen und ihnen "unentgeltlich das offenbaren, was wir selber ohne Gegenleistung empfangen haben".

 

Wie Jesus dürfe die Kirche nicht zuerst an jene denken, "die an jeglicher Öffnung Anstoß" nähmen, die nicht in ihr "geistiges und geistliches Schema" passe und ihrer "ritualistischen Reinheit" widerspreche, so Franziskus weiter. Es gehe nicht nur darum, die Gesunden zu retten und die Gerechten zu schützen. "Ausgegrenzte" dürften nicht aus Angst vor dem "Risiko einer Ansteckung" erbarmungslos behandelt werden. Die Kirche müsse vielmehr "die Barmherzigkeit Gottes über alle Menschen ausgießen, die sie mit ehrlichen Herzen erbitten".

Die feierliche Messe im Petersdom bildete den Abschluss der Vollversammlung des Kardinalskollegiums, des Konsistoriums. Am Samstag hatte Franziskus 20 neue Kardinäle in das Kollegium aufgenommen, von denen 19 persönlich anwesend waren. Auch Kardinal Christoph Schönborn nahm seit Donnerstag am Konsistorium teil.      

Zugleich hob Franziskus hervor, dass Barmherzigkeit nicht zu einer Aufweichung der kirchliche Lehre führen dürfe. Das Risiko einer "Ansteckung" dürfe nicht unterschätzt werden. Es müsse verhindert werden, "die Wölfe in die Herde eindringen zu lassen", sagte der Papst.

Man könne nicht bei Jesus sein und gleichzeitig mit den Ausgegrenzten nichts zu tun haben wollen, erklärte der Papst in seiner Predigt weiter. Dies hieße sich, sich in einer "Kaste" abzukapseln, "die nichts mit wirklicher Kirchlichkeit" zu tun habe.

Jesus habe jene Mentalität, "die sich in Angst verschließt und in ihren Vorurteilen selbst beschränkt", umgestürzt. Er habe jedoch damit das Gesetz des Mose, die Grundlage des Alten Testaments, nicht aufgehoben, sondern erfülle es. Jesus habe auf die flehentliche Bitte des Aussätzigen unverzüglich geantwortet und "ohne die üblichen Verzögerungen, um die Situation zu untersuchen und alle eventuellen Folgen abzuwägen".

Weiter erklärte der Papst, es gebe zwei "Arten von Logik des Denkens und des Glaubens". Die Logik des Gesetzeslehrers und die Logik Gottes. Der Gesetzeslehrer habe Angst, die Geretteten zu verlieren, die Logik Gottes hingegen sei von dem Wunsch bestimmt, die Verlorenen zu retten.

Auch heute befinde sich die Kirche bisweilen am Kreuzungspunkt zwischen "ausgrenzen" und "wiedereingliedern". Die beiden Logiken durchzögen die gesamte Kirchengeschichte.

 

Kathpress

 

Teaserfoto: Papst Franziskus. © Osservatore Romano

 

(be)

 

 

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