Der Weg der Firmkarte
Wenn sich junge Menschen für die Firmung entscheiden, begeben sie sich auf einen Weg, der vieles beinhaltet: Sie lernen sich selbst besser kennen, werden sprachfähiger und auskunftsfähiger in ihrem Glauben, erfahren sich als vollwertiger Teil einer Gemeinschaft und erleben ein Sakrament, das viele auch Jahre später noch als stärkend und bedeutsam beschreiben. Sichtbarer Ausdruck dieses Weges ist die Firmkarte, welche nach Abschluss der Firmvorbereitung dazu berechtigt, an einer der Pfarrfirmungen oder der ca. 40 öffentlichen Firmungen in der Diözese Linz teilzunehmen. Danach findet sie Eingang in die kirchlichen Matriken, in welchen seit der frühen Neuzeit Taufen, Trauungen, Begräbnisse, Firmungen sowie Kirchenein- und -austritte erfasst werden. Jahrhundertelang waren die Kirchenbücher die einzige verlässliche Datenquelle und dienen als solche sowohl Historiker:innen als auch Hobby-Ahnenforscher:innen als unverzichtbare Grundlage. Am Beispiel der Pfarre Freistadt zeichnen wir den Weg der Firmkarte nach.
Erster Schritt: Anmeldung
Zu Beginn organisiert Christine Schulz gemeinsam mit einem
ehrenamtlichen Team einen Informationsabend für Firmlinge und ihre Eltern. Sie ist Beauftragte für Jugendpastoral in der Pfarre Freistadt und bereitet heuer Jugendliche in unterschiedlichen Pfarrgemeinden auf dieses Sakrament vor. Die Anmeldung zur Firmung erfolgt üblicherweise in der Pfarrgemeinde, alternativ werden auch Anmeldeformulare von Religionslehrer:innen in Schulen verteilt. Die Jugendlichen melden sich für 3-6 Aktivitäten an, wobei Christine Schulz eine Anbindung an die Pfarrgemeinden wichtig ist: „Heuer haben wir zusammen mit dem Energiebezirk Bäume gepflanzt, das ist sichtbar und wirksam – pure Selbstwirksamkeit!“ In der Pfarrgemeinde Stadt Freistadt übernimmt die Pfarrsekretärin Kerstin Klopf alle Daten aus dem Anmeldeformular und bereitet sie auf, damit sie später zentral in der Diözese Linz verarbeitet werden können. Die ca. 70 Firmkarten werden rechtzeitig von der Pfarrsekretärin ausgedruckt und zur Überreichung an die Jugendlichen vorbereitet: „Morgen findet der letzte Teil der Firmvorbereitung in unserer Pfarrgemeinde statt“, erzählt Kerstin Klopf. „Die Firmkarten bringe ich in die Sakristei, damit sie den Jugendlichen ausgefolgt werden können.“
Zweiter Schritt: Firmvorbereitung
Für Christine Schulz ist die Natur ein Türöffner: „Wenn wir draußen sind, sind die Mauern weg, auch die gedanklichen und zwischenmenschlichen“, schildert sie. „Jugendliche brauchen Freiräume, dann können sie sich entfalten.“ Wenn man beim Übernachten im Wald sinnlich und unmittelbar Wärme und Kälte spürt, Licht und Dunkelheit erlebt, dringt man schneller zu den wesentlichen Dingen vor. „Ein Mädchen hat beim Sonnenaufgang einmal andächtig gesagt: ‚Das ist jetzt wie Auferstehung!‘“, erinnert sich Christine Schulz. „Von diesen Firmwochenenden nehmen sich die jungen Leute viel mit.“ Andere Elemente der Firmvorbereitung sind Sozialaktionen und konkretes Anpacken vor Ort. Mitunter steht auch ein persönliches Kennenlernen des Firmspenders auf dem Plan: Klaus Sonnleitner leitet seit Februar 2025 das Augustiner-Chorherren-Stift St. Florian und wird ab und zu von Firmgruppen besucht: „Ich führe sie durchs Stift und wir kommen ins Gespräch. Dann kennen sie mich schon, wenn ich als Firmspender vor ihnen stehe, und sind weniger angespannt.“
Dritter Schritt: Übergabe der Firmkarte
„Viele Jugendliche sind zwar täglich auf Social Media, machen Fotos und erstellen Videoclips, aber zum ersten Mal vor einer vollen Kirche laut vorzulesen, ist etwas Anderes“, meint Christine Schulz schmunzelnd. Um die Aufregung in Schach zu halten, gibt es eine Generalprobe: Die Firmlinge machen sich mit dem Ablauf der Feier vertraut, mit dem Kirchenraum, mit dem Mikrofon am Ambo. Zum Abschluss wird ihnen die Firmkarte übergeben (und eingeschärft, sie bei der Firmung unbedingt mitzunehmen!).
Vierter Schritt: Firmung
„Bei mir hat zum Glück noch niemand die Firmkarte vergessen“, beruhigt Klaus Sonnleitner. Dass er als Propst des Stiftes St. Florian dazu berechtigt ist, das Firmsakrament zu spenden, geht auf die pastoralen Entwicklungen seit dem II. Vaticanum zurück, als man damit begann, in den meisten Pfarren eigene Feiern zu organisieren. „Davor gab es Firmungen nur im Dom und in größeren Pfarr- und Stiftskirchen – und sie waren vor allem dem Bischof sowie den Domherren vorbehalten“, führt er aus. „In St. Florian gab es zum Beispiel drei Feiern hintereinander mit über tausend Firmlingen. Heute ist das zum Glück persönlicher.“ In diesem persönlichen Rahmen konnte Klaus Sonnleitner bei seiner ersten Firmung 2025 den Jugendlichen vorm Einzug in die Freistädter Pfarrkirche gestehen: „Ich bin heute mindestens so nervös wie ihr!“ Somit war das Eis gebrochen – und alles lief wunderbar. „Ich bin immer wieder beeindruckt und berührt, mit wie viel Liebe und Engagement die Firmungen vorbereitet werden“, unterstreicht er. „Was die Haupt- und Ehrenamtlichen da leisten, ist enorm!“ Im Vorfeld stimmt er sich mit den Seelsorger:innen oder Ehrenamtlichen ab. Seine liebste Bibelstelle für die Firmung ist das Pfingstereignis in Apg 2: „Auch heute erleben wir oft, dass wir wie in verschiedenen Sprachen miteinander reden und uns dank der Heiligen Geistkraft trotzdem verstehen“, erläutert er. „Ich will den jungen Menschen vermitteln, dass das auch für sie gilt: ‚Du bist keine Nummer, Gott kennt DICH beim Namen. Gott ist für DICH da.‘“ In der Zeremonie überreichen die Firmlinge ihm die Firmkarte und nennen ihren Namen, danach spricht Klaus Sonnleitner die Spendeformel und salbt sie mit Chrisamöl. Abschließend gratuliert er ihnen oder wechselt noch ein paar Sätze. „Heuer bin ich zwischen April und Juli 18x Firmspender“, berichtet er. „Mir ist es ein Anliegen, dass alle jungen Leute gerne an ihren besonderen Tag zurückdenken.“
Fünfter Schritt: Matrikenreferat
Nach dem Fest werden die gesammelten Firmkarten gezählt und sicher in der pröpstlichen Aktentasche verwahrt: Sie gehen gebündelt an das Bischöfliche Ordinariat in Linz. Dort werden die Karten in der zentralen Firmstatistik eingetragen und danach an das diözesane Matrikenreferat weitergeleitet, wo seit 2008 das Firmbuch zentral und elektronisch geführt wird. Aus Pfarren kann ebenfalls darauf zugegriffen und nachgesehen werden, ob jemand gefirmt ist und somit selbst das Amt des Paten bzw. der Patin übernehmen darf. Jonas Rameder ist als Fachsekretär für Matriken für die Datenkontrolle und Erfassung verantwortlich: Im Jahr 2025 hat er alle 7.822 Firmkarten bearbeitet. Diese Zahl hält sich über die vergangenen Jahre konstant. Am Schluss verständigt Jonas Rameder die Taufpfarre und die Wohnsitzpfarre. In der Taufpfarre wird die Firmung dann auch beim Eintrag des:der Neugefirmten im Taufbuch ergänzt, damit die Firmung auch dort dokumentiert ist. „Die Verständigung erfolgt in alle Teile der Welt, überwiegend in andere europäische Länder“, erläutert Jonas Rameder. „Daher ist die Firmkarte dreisprachig: Deutsch, Englisch und Latein. So kann sie überall gelesen werden.“
Text: Magdalena Welsch und Petra Stadler
