Montag 25. September 2017

Flüchtlinge: Es ist möglich für alle Quartiere zu finden

Der Linzer Diözesankoordinator für Flüchtlingsquartiere Hans Schwarzbauer-Haupt ist zuversichtich, dass für alle Flüchtlinge Quartiere gefunden werden.

Die Katholische Kirche in Oberösterreich möchte noch mehr Flüchtlingen ein Quartier verschaffen. „Bei Zusammenhalt gelingt es, alle Flüchtlinge unterzubringen“, zeigt sich der diözesane Koordinator für Flüchtlingsquartiere, Mag. Hans Schwarzbauer-Haupt, zuversichtlich.

Was denken Sie, wenn Stimmen laut werden, dass mittlerweile zu viele Flüchtlinge zu uns kommen?

Schwarzbauer-Haupt: Österreich hat seit dem Zweiten Weltkrieg einige große Flüchtlingsaktionen erfolgreich bewältigt. Im Rahmen der Unterstützungsaktion für bosnische Kriegsflüchtlinge etwa wurden in Österreich 90.000 bis 100.000 Flüchtlinge betreut. Auch damals war die Hilfsbereitschaft eines Teils der Bevölkerung größer, als die Politik es vermutet hatte. Die Aufgabe kann bewältigt werden, wenn alle zuständigen Behörden mit denen, die helfen wollen, kooperieren.

Oft hört man, die katholische Kirche stelle zu wenig Quartiere zur Verfügung. Wie sind Ihre Erfahrungen?

Schwarzbauer-Haupt: Viele ChristInnen, Pfarren und Ordensgemeinschaften haben in den vergangenen Jahrzehnten, wie in den letzten Monaten, großartige Unterstützung geleistet. Ich denke an die Unterstützungsaktionen für die Flüchtlinge aus dem ehemaligen Jugoslawien und an die vielen pfarrlichen Aktivitäten heute. Die Herausforderungen sind größer geworden, daher sind die Anstrengungen und Bemühungen zu intensivieren. Dazu werde ich meinen Beitrag leisten. Manchmal ist es allerdings tatsächlich so, dass vermeintlich leerstehende Räume bereits anders genutzt werden und somit gar nicht leer stehen.

Was möchten Sie jenen Pfarren sagen, die zögern, Quartiere anzubieten?

Schwarzbauer-Haupt: All die Jahre habe ich zwei widersprüchliche Erfahrungen gemacht: Ein Teil der Bevölkerung unterstützt tatkräftig, ein anderer Teil lehnt das Engagement für die Flüchtlinge ab. Lasst euch von ablehnenden Stimmen nicht entmutigen. Wenn Menschen einander kennenlernen, verändert sich das Bewusstsein und ein wichtiger Schritt zur Aufnahme und Integration ist geschafft.

Wie viele Quartiere werden aus Ihrer Sicht benötigt werden?

Schwarzbauer-Haupt: Der genaue Bedarf lässt sich nicht sagen, weil er für die nächsten Monate bzw. eineinhalb Jahre nur geschätzt werden kann. Zudem kommt es nicht allein darauf an, wie viele Asylanträge gestellt werden, sondern auch darauf, wie viele Flüchtlinge im Verfahren sind und deswegen eine Unterkunft brauchen. Für jene, die bleiben dürfen, braucht es ebenfalls leistbaren Wohnraum sowie Unterstützung bei der Wohnungssuche und beim Aufbau einer neuen Existenz.

Quartiere sind der erste Schritt zu einem guten Miteinander. Was sollte noch geschehen?

Schwarzbauer-Haupt: Es sollte zunächst das ehrenamtliche Engagement, das von pfarrlich Engagierten geleistet wird, gesehen und gewürdigt werden. Die vielfältigen Hilfen reichen von Sachspenden, Unterstützung bei Behördengängen, bei der Bewältigung des Alltags bis hin zur Unterstützung beim Erlernen der deutschen Sprache.

Erschreckende Bilder von sterbenden Flüchtlingen im Mittelmeer und untragbaren Zuständen in Aufnahmelagern wie Traiskirchen – haben Sie nicht Angst, dass Ihnen zu wenig Zeit zur Verfügung steht?

Schwarzbauer-Haupt: Ich kann das mir Mögliche tun und halte es mit einem afrikanischen Sprichwort: „Wenn viele kleine Leute an vielen kleinen Orten viele kleine Schritte tun, dann werden sie das Gesicht der Welt verändern.“

Dieses Interview erscheint in der September-Ausgabe des „informiert“, der MitarbeiterInnen-Zeitung der Diözese Linz. Interviewender ist Michael Kraml.

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