Mittwoch 22. November 2017

Ordens-Sprecher Kaineder: Flüchtlingshilfe ist "Teil des genetischen Codes" der Orden

Ferdinand Kaineder

Die Frage der Unterbringung von Flüchtlingen in Ordenshäusern beschäftigt seit Wochen die Öffentlichkeit. Ein immer wieder vorgebrachter Vorwurf: Die Schwestern und Brüder ließen Räumlichkeiten lieber leerstehen, als sie für Flüchtlinge zu öffnen.

Der Sprecher der Ordensgemeinschaften Österreichs, Ferdinand Kaineder, hat am Dienstag nun detailliert Stellung bezogen: Die Sorge um Menschen in Not, welcher Art auch immer, gehöre zum "genetischen Code" der Ordensgemeinschaften, machte Kaineder am Dienstag gegenüber "Kathpress" klar. Die Kritik nehmen die Gemeinschaften als Ansporn, diesem Auftrag noch deutlicher nachzukommen.

Die Unterstützung notleidender Menschen ist den Ordensgemeinschaften sozusagen in die Wiege gelegt, betonte Kaineder. Orden entstanden immer dort, wo sich soziale Nöte aufgetan hatten. Die Gründung einer jeden Gemeinschaft stehe daher immer mit einer konkreten sozialen Not in Verbindung und leite die Gemeinschaften als "genetischer Code" auch Jahrhunderte nach ihrer Entstehung im Handeln.

Das Engagement der Orden setze bei der Grundversorgung von Asylwerbern an und fokussiere auf die Unterbringung kleinerer Gruppen. Schließlich gehe es nicht nur darum, Räumlichkeiten zur Verfügung zustellen, so der Pressesprecher, sondern Menschen "ein Gefühl des Willkommens zu vermitteln" und sie in die Gemeinschaft zu integrieren.

Aktuell adaptieren die Barmherzigen Schwestern in Innsbruck ihr Kloster für die Unterbringung von 130 Flüchtlingen. Die ersten Asylwerber aus Erstaufnahmezentren sollen im September einziehen. Die Unterbringung von Flüchtlingen bereitet auch das Benediktinerstift Melk vor. Das 2000 geschlossene Internat des Stiftsgymnasiums sei mittlerweile vollkommen in den Schulbetrieb integriert und nicht als Quartier geeignet.

Im Fokus steht nun ein Wirtschaftsgebäude des Stiftes. "Momentan ist es noch bis Herbst an eine Firma vermietet, sobald der Mietvertrag ausläuft, wollen wir hier Flüchtlinge unterbringen", so Pater Jakob Deibl gegenüber "Kathpress". In Wien hat das Stift zwei Wohnungen für Aslywerber zur Verfügung gestellt. "In einer wohnt bereits ein irakisches Ehepaar. In die zweite wird ab September eine vierköpfige syrische Familie ziehen."



"Klischee der leerstehenden und reichen Klöster"


Das "Klischee" der leerstehenden Klöster verdankt sich, so Kaineder, der Sicht auf die Gemeinschaften durch eine bestimmte Brille. Bei oberflächlicher Betrachtung bleibe oft nur mehr das Vorurteil der "1000 Fenster, 1000 Räume und wenigen Mönche und Schwestern, die sie bewohnen" über; ein "unglaubliches Missverständnis", klärt der Pressesprecher auf. Aufgaben und Aufträge der Gemeinschaften seien mit den Nöten und Bedürfnissen der Zeit mitgewachsen. Klöster dienten heute als Bühne für kulturelle Veranstaltungen, als Gästehäuser für Sinnsuchende, aber auch als Raum für Menschen, die sonst schwer Platz in der Gesellschaft finden - "benachteiligte Jugendliche, Obdachlose, alkoholkranke Menschen, von Armut gefährdete Familien".

Schließlich sei die Unterbringung von Flüchtlingen auch eine wirtschaftliche Frage.  Manche Gemeinschaften könnten sich die aufwendigen Renovierungs- und Adaptierungsarbeiten schlichtweg nicht leisten. An Umbauarbeiten führe in den meisten Fällen wegen der alten Bausubstanz aber kein Weg vorbei. Gebäude, die nicht genutzt werden, stünden zumeist aus einem triftigen Grund leer, denn: "Die Orden können sich in aller Regel nicht leisten, dass sie Gebäude leerstehen lassen, sondern sie müssen sie einer Nutzung zuführen." Dort, wo Gemeinschaften Flüchtlinge aufnehmen, nehmen sie auch die Kosten für den Umbau auf sich.

Die Überalterung in einzelnen Klöstern sei ein weiterer Grund, wieso Gemeinschaften Vorbehalte bei der Aufnahme von Flüchtlingen haben. "Manche Klöster sind in der Altersstruktur an einem Punkt angekommen, wo mehr als die Hälfte der Brüder über 70 Jahre  sind." Das nähre die Befürchtung, die Aufnahme von Flüchtlingen im eigenen Kloster würde überfordern. Deshalb bitten die Orden um Unterstützung, denn eines sei laut Kaineder immer wieder wahrnehmbar: "Dort wo positive Geschichten erzählt werden, wo die Orden nicht allein gelassen werden mit der Betreuung der Flüchtlinge, dort entstehen neue fruchtbare Projekte".

Kennt jemand ein leerstehendes Gebäude oder ist mit einer offenen Ablehnung bei der Unterbringung konfrontiert, bittet Kaineder um Kontaktaufnahme. Zumeist stünden Ängste und Sorgen dahinter, die in einem direkten Gespräch leicht aufgeklärt werden könnten. Diese Gemeinschaften bräuchten Unterstützung und keine mediale Rüge.

 

Kathpress

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