Dienstag 19. Februar 2019

„Ewiges Lied“ aus der Feder eines Priesters und eines Lehrers

Es erklingt am Heiligen Abend in Kirchen und Wohnzimmern und ist das wohl bekannteste Weihnachtslied. Wie aber kam es zur Entstehung von „Stille Nacht, heilige Nacht“?

Dass der Priester Joseph Mohr und der Lehrer und Organist Franz Xaver Gruber einander begegneten, kann wohl als glückliche Fügung angesehen werden: Der junge Hilfspriester Joseph Mohr wurde des Öfteren versetzt, seine Dienstorte wechselten bis 1827 häufig. Als 24-Jähriger kam er 1816 nach Mariapfarr in den Lungau. Dort verfasste er das Gedicht „Stille Nacht, heilige Nacht“. Was der Anlass dafür war, ist nicht bekannt. Im Text – besonders in der vierten Strophe – deutlich spürbar ist jedoch die Sehnsucht eines jungen Menschen der Nachkriegszeit nach dauerhaftem Frieden, der durch Gottes Sohn in die Welt kommen soll. Die Napoleonischen Kriege waren zu Ende gegangen, Europa wurde auf dem Wiener Kongress neu geordnet. Ein Teil Salzburgs kam zu Bayern, der größere Teil zu Österreich. Die Salzach wurde zur Staatsgrenze und trennte Oberndorf bei Salzburg von seinem einstigen Stadtzentrum in Laufen. In diese Unsicherheit und Zerrissenheit seiner Zeit hinein schrieb Joseph Mohr sein sechsstrophiges Gedicht „Stille Nacht, heilige Nacht“.

 

Ein Jahr später, 1817, wurde Mohr aus gesundheitlichen Gründen nach Oberndorf versetzt, wo er nur bis 1819 blieb. Hier traf er auf den hochmusikalischen Franz Xaver Gruber, seines Zeichens Lehrer, Mesner und Organist in Arnsdorf und ab 1816 auch Organist in Oberndorf. Rasch freundeten sich die beiden an. Zu Weihnachten 1818 erinnerte sich Mohr an sein Gedicht zur „Stillen Nacht“ und bat seinen Freund Gruber, der leidenschaftlich gern komponierte, um eine Vertonung des Textes für zwei Solostimmen und mit Gitarrenbegleitung. Gruber machte sich in seiner Wohnung in Arnsdorf ans Werk und hatte offensichtlich eine schnelle Eingebung – das Lied wurde rechtzeitig zur Christmette fertig.

 

Das älteste Schriftstück zum Lied „Stille Nacht, heilige Nacht“ stammt von Joseph Mohr. Das 1995 aufgefundene Autograph aus der Hand des Textautors weist den Schriftzug „Text von Joseph Mohr mpia Coadjutor 1816“ (mpia = manu propria = eigenhändig) auf. Darüber hinaus enthält es die Textzeile „Melodie von Fr. Xav. Gruber“ und klärt damit eindeutig, wer Urheber der Komposition ist.

 

Text und Autograph Joseph Mohr; Melodie: Franz X. Gruber, digitalisiert von der Stille Nacht Gesellschaft, geschrieben 182071825 [Public domain], via Wikimedia Commons

Text und Autograph Joseph Mohr; Melodie: Franz X. Gruber, digitalisiert von der Stille Nacht Gesellschaft, geschrieben 182071825 [Public domain], via Wikimedia Commons

 

Das älteste erhaltene Autograph von Franz Xaver Gruber (Gruber IV) stammt aus dem Jahr 1836 und zeigt die wohl umfangreichste Bearbeitung durch den Komponisten. Auf dem Umschlag ist zu lesen: „II. Geistliche Lieder auf die heilige Christnacht. In Musik gesetzt zu Vier Singstimmen, 2 Violinen, Viola, Flauto, Fagott, 2 Clarinetten, 2 Waldhörnern, Violon, und Orgel von Franz X. Gruber, Chorregent und Organist bey der Stadtpfarrkirche Hallein. Den 12ten December 1836.“ Das Autograph befindet sich im Keltenmuseum Hallein im Stille-Nacht-Archiv.

 

Das Autograph IV von Franz Xaver Gruber. Es befindet sich im Keltenmuseum Hallein, Stille-Nacht-Archiv.

Das Autograph IV von Franz Xaver Gruber aus dem Stille-Nacht-Archiv im Keltenmuseum Hallein.
© Stille-Nacht-Gesellschaft

 

Am Heiligen Abend trugen Joseph Mohr und Franz Xaver Gruber das neu komponierte Lied „Stille Nacht, heilige Nacht“ gemeinsam nach der Christmette in der Schifferkirche St. Nikola in Oberndorf vor der Krippe vor – zweistimmig und von Joseph Mohr auf der Gitarre begleitet. Warum mit Gitarre, wo doch die Orgel damals DAS Instrument im Gottesdienst war? Es wird vermutet, dass das alte Orgelpositiv der Kirche nicht bespielbar war und deshalb das Lied mit Gitarrenbegleitung komponiert wurde. Überliefert ist jedenfalls, dass das schlichte, eingängige Lied den Beifall der Oberndorfer Bevölkerung fand. Der Rest ist Geschichte – eine Geschichte, die auch 200 Jahre später noch berührt …

 

(be)

Noten und Text zum Ausdrucken
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