Freitag 14. Dezember 2018

Simone Widauer: "Marienpflanzen – Der geheimnisvolle Garten Marias in Symbolik, Heilkunde und Kunst"

Leseempfehlung von Stefanie Petelin für alle, die sich für kluge und kurzweilige Lektüre begeistern.

Wussten Sie, dass schon um 1300 in den Donauauen ein Veilchenfest gefeiert wurde, bei dem der ganze Hofstaat das erste Veilchen suchte? Oder wissen Sie was Akeleien und griechische Türrahmen miteinander verbindet? Haben Sie schon vom Zusammenhang zwischen Agatha Christie, Ausgrabungen in Mesopotamien und Rosen gehört? Oder ist Ihnen schon mal ein Japaner begegnet, der erklärte, dass der japanische Name für Lilie „takane no hana” wörtlich übersetzt „die auf einem hohen Felsen wachsende Blume“ bedeutet und damit auch für eine unerreichbare, schöne Frau verwendet wird? Und wussten Sie, dass in Österreich die Erdbeere umgangssprachlich „Ananas” genannt wurde und Carl von Linné auf Erdbeeren bei seinen Gichtanfällen schwor? Oder dass die Iris mehr als 35 Millionen Jahre alt ist?

 

Das Unschaffbare geschafft

 

Simone Widauer schafft in ihrem Buch „Marienpflanzen – Der geheimnisvolle Garten Marias in Symbolik, Heilkunde und Kunst” das eigentlich Unschaffbare, diese interdisziplinären Aspekte, die auf den ersten Blick unvereinbar wirken, auf kluge Art und höchst kurzweilig zu verbinden. Und dies erstaunt nicht, hat Simone Widauer doch nicht nur Kunstgeschichte und Geschichte des Mittelalters, sondern auch vergleichende Religionswissenschaft studiert. Und wer wie sie Kräuterwanderungen anbietet, kennt sich auch in Wirkung und Geschichte von Heilpflanzen aus. Daraus erklärt sich der spannende Ansatz Widauers, dass sie nicht nur ein klassisches Sachbuch vorlegt, sondern mit ihren Impulsen und Gedanken auch ein Inspirationsbuch daraus macht, um sich der Bedeutung von Natur in unserem Leben wieder mehr bewusst zu werden.

 

Simone Widauer: 'Marienpflanzen'. © AT Verlag
 

Der Schöpfung wertschätzend begegnend

 

Ausgehend von der Verbindung des Paars Religion und Natur beschäftigt sich Widauer mit der Wertschätzung und der Verantwortung gegenüber der Schöpfung – stets aus kulturgeschichtlicher Perspektive. Ob es da um die Bedeutung des Gartens als Abbild des Paradieses oder um die Übertragung von Symbolen, Riten, Orten, Bräuchen, Attributen der antiken Erd- und Himmelsköniginnen auf die Himmelskönigin Maria geht. Dass Widauer dabei interkulturelle und interreligiöses Wissen vermittelt, ist ein weiterer Vorzug des Buches.

 

Acht Marienpflanzen exemplarisch beleuchtend

 

Die Auswahl von acht Marienpflanzen (Gänseblümchen, Veilchen, Rose, Pfingstrose, Lilie, Walderdbeere, Schwertlilie, Akelei) bezieht sich darauf, welche Blumen häufig in Mariendarstellungen vorkommen – Widauer weist jedoch darauf hin, dass es sich auch bei nach Maria benannten Pflanzen sowie in Kräutersträußen und der Kunst verwendeten Pflanzen um Marienpflanzen handelt. In den Pflanzenportraits zeigt Widauer schließlich deutlich auf, was Blumen zu typischen Marienblumen macht, welche Verbindung Jahreszeiten mit Marienblumen haben – unterhaltsam und doch fundiert erläutert sie die Etymologie des Namens und der Volksnamen, Wirkung und Geschichte, bietet aber auch Spannendes rund um Inspirationsquellen und Symbolik. In der Verbindung mit der Kunstgeschichte mittelalterlicher Marienbilder (ob das „Paradiesgärtlein“ des oberrheinischen Meisters, des Genter Altars, des Isenheimer Altars), die feinfühlig in den Text eingebunden wurden, zeichnet Widauer eine Entwicklung der Marienbilder nach, die zugleich auch Schönheitsideale der Zeit veranschaulichen.

 

Interdisziplinär betrachtend

 

Widauer bezieht sich neben einer Vielzahl literarischer Texte auch auf die Bibel (u.a. das Hohelied der Liebe) – und selbst die Musik kommt nicht zu kurz, wenn sie auf John Taveners erste interreligiöse lateinische „Marienmesse“ oder Mozarts „Sehnsucht nach dem Frühling“ verweist.

 

Mehr als nur ein Sachbuch

 

Inspiriert von persönlichen Erfahrungen – wie dem Garten ihrer Großeltern, in dem prächtige Pfingstrosen blühten – bietet Widauers Werk auch Impulse zur Natur, kontemplative Gedanken, sich auf die Natur zurückzubesinnen, ganz in der Sehnsucht nach dem „Ort, an dem die Schöpfung mit den Menschen eins ist“ (S. 30). Und welche Rolle Maria - nicht nur eine Mittlerin zu Gott, sondern zu Ruhe und Auszeit – dabei spielt, rückt Widauer in den Fokus ihrer Ausführungen. Es geht nicht zuletzt darum, auch die „weibliche Dimension Gottes näher zu betrachten“ (S. 11).
 
Und wer sich praktische Tipps holen möchte, ist mit Simone Widauers Buch auch gut beraten: neben Rezepten gibt’s auch Anwendungen in der Naturheilkunde und Bräuche zum Nachlesen. Und wer noch immer nicht genug hat von Marienpflanzen, Kunstgeschichte und Religion – dem bietet die Autorin ein umfangreiches Literaturverzeichnis, das zur Vertiefung so manches Gelesenen einlädt.

 

Leseempfehlung!

 

Widauers Buch ist damit (wie die Autorin das eigentlich der Iris zuschreibt) ein inhaltlich farbenprächtiges Bindeglied zwischen Himmel und Erde – darum: Lesetipp für alle Kunstliebhaber, Botaniker, Kräuterfeen, Kulturinteressierte, Marienverehrer und alle, die sich sonst für kluge und kurzweilige Lektüre begeistern!

 

Widauer, Simone (2009): Marienpflanzen. Der geheimnisvolle Garten Marias in Symbolik, Heilkunde und Kunst. Baden/München: AT Verlag. 180 Seiten.

ISBN 978-3-03800-411-0 – EUR 20,50.

 

(sp)

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