Hört doch, ihr vom Haus Israel: Mein Weg soll nicht richtig sein?
Sind es nicht eure Wege, die nicht richtig sind? (…)
Der Mensch ist verantwortlich für sein Leben. Das ruft Gott durch den Propheten Ezechiel in Erinnerung. Diese Verantwortung muss jeden Tag neu übernommen werden – in der Entscheidung zum guten oder bösen Tun.
Gegen Ende des Römerbriefs geht Paulus auf die unterschiedliche Lebenspraxis von den Gemeindemitgliedern ein. Als Orientierung empfiehlt er: Egal wie unterschiedlich wir sind – eines eint uns: Wir gehören dem Herrn
Schwestern und Brüder!
7 Keiner von uns lebt sich selber
und keiner stirbt sich selber:
8 Leben wir, so leben wir dem Herrn,
sterben wir, so sterben wir dem Herrn. (…)
Die Aussage von Vers 7, dass niemand „sich selber lebt bzw. stirbt“, verhindert jede Art von Selbstbezogenheit, wenn man im Sinne von „für sich selber“ liest. Die Zugehörigkeit zu Christus, dem Herrn, schafft immer Gemeinschaft. Zuerst natürlich Gemeinschaft mit Gott, aber zugleich auch Gemeinschaft mit den anderen Christinnen und Christen. Deshalb wird niemand allein leben und niemand allein sterben, wir sind alle eingebunden in die große Menschenfamilie.
Nicht allzu viel erfahren wir in den 52 Kapiteln des Jeremiabuches über das Herz bzw. das Innere des Propheten mit Ausnahme jener fünf Klagelieder – eingestreut in die Kapitel 11-20, die wir Jeremiaden nennen oder lateinisch „Confessiones“. Es sind Gebetstexte, die an Grenzen führen, die von inneren Kämpfen und einem Leiden an Gott und seinem Auftrag sowie der Ablehnung durch Menschen zeugen. Die fünfte Confessio, Jer 20,7-13, ist ein typisches Klagelied: Einer Anrede folgt die Klage im Blick auf das eigene Ergehen und das Wirken der Feinde, gefolgt von einer Vertrauensäußerung und einem Lob als Abschluss. Nach einer Anklage gegen Gott führt der Prophet eine Art Selbstgespräch, in dem er seine eigenen Gefühle zu Wort bringt, ebenso wie Anwürfe von Menschen an ihn, deren verletzende Worte in ihm nachklingen und ihm schwer zu schaffen machen.
33 O Tiefe des Reichtums, der Weisheit und der Erkenntnis Gottes!
Wie unergründlich sind seine Entscheidungen,
wie unerforschlich seine Wege!
34 Denn wer hat die Gedanken des Herrn erkannt?
Oder wer ist sein Ratgeber gewesen?
35 Oder wer hat ihm etwas gegeben,
sodass Gott ihm etwas zurückgeben müsste?
36 Denn aus ihm und durch ihn und auf ihn hin
ist die ganze Schöpfung. Ihm sei Ehre in Ewigkeit! Amen.
Es sind typische Begriffe aus der Weisheitsliteratur, die Paulus wie eine Litanei auf Gott bezieht: Tiefe des Reichtums, Weisheit und Erkenntnis. Siehe z. B. Buch Ijob (Kapitel 38-40)
Gerade als Apostel der Heiden preise ich meinen Dienst,
14 weil ich hoffe,
die Angehörigen meines Volkes eifersüchtig zu machen
und wenigstens einige von ihnen zu retten.
15 Denn wenn schon ihre Zurückweisung
für die Welt Versöhnung bedeutet,
was wird dann ihre Annahme anderes sein
als Leben aus den Toten?
(…)
32 Denn Gott hat alle in den Ungehorsam eingeschlossen,
um sich aller zu erbarmen.
Die Lesung stammt aus den berühmten Kapiteln 9-11 des Römerbriefes, die ganz der Frage nach dem Verhältnis von Israel und christlicher Kirche gewidmet sind.