12. Sonntag im Jahreskreis 21. 6. 2026
Zum Gespött bin ich geworden den ganzen Tag,
ein jeder verhöhnt mich.
8 Ja, sooft ich rede, muss ich schreien,
Gewalt und Unterdrückung! muss ich rufen.
Denn das Wort des HERRN bringt mir
den ganzen Tag nur Hohn und Spott. (…)
Gar nicht so oft haben wir in der Bibel die Gelegenheit, in das Innere des Menschen, sein Herz, zu sehen oder zu hören. Im Buch Jeremia ist dies an einigen Stellen der Fall. Es sind fünf Klagelieder im Stil von biblischen Klagepsalmen: Anrufung Gottes, Schilderung der Not und Bitte sowie ein Vertrauensbekenntnis.
Der Prophet findet nicht nur kein Gehör, sondern wird auch noch verspottet, „angezeigt“ (V. 10) sowie rachsüchtig verfolgt (V. 10) und hereingelegt („betört“, vgl. V. 10, wie er sich auch von Gott in V. 7 „betört“ sieht!).
Beim leidenschaftlichen Propheten ruft das starke Gefühle hervor. Auf den massiven Druck, den er als „Gewalt und Unterdrückung“ (V. 8) empfindet“, reagiert er mit heftigen Aggressionen und Rachegedanken. Er schreit sie geradezu heraus. Freilich vertraut er diese Gott an und übt nicht selbst Rache. Dass Gott ihm solches Leiden zumutet und nicht zu seinen Gunsten einschreitet, irritiert ihn so sehr, dass er überlegt, seinen Auftrag aufzukündigen (V. 9), aber die Bindung an Gott ist so stark, dass er das nicht fertigbringt. Das innere Feuer dieser Gottesworte bewirkt, dass er sie weiter verkünden muss, mit allen üblen Folgen, die ihm daraus erwachsen. Er ist ganz allein in all der Feindseligkeit um ihn. Da sich die Gegner durch ihre Ablehnung des Gottesworts auch gegen JHWH-Gott selbst stellen, hofft Jeremia, dass dieser sie bestraft und ihm, der treu zu Gott gehalten hat, auf diese Weise auch die Treue hält. Er klammert sich an den Gott, den er immer schon als stärker erfahren hat als alle menschliche Macht, und an seine unverbrüchliche Treue. Jeremia redet sich selbst zu und vergewissert sich erneut: JHWH-Gott ist doch ein gerechter Richter, der seinem Propheten als (verfolgtem) Gerechten beistehen kann und wird, weil er das Innere der Menschen kennt und ihre Gedanken und Taten richtet: Er wird die stürzen, die Jeremia stürzen wollten, und die verhöhnt haben, werden selber schmachvoll enden. Der erste Teil des Klagelieds endet wie viele Klagepsalmen in V. 13 mit einem Aufruf zum Lobpreis an die Gemeinde.
Evangelium: Mt 10,26-33
In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Aposteln:
26 Fürchtet euch nicht vor den Menschen!
Denn nichts ist verhüllt, was nicht enthüllt wird,
und nichts ist verborgen, was nicht bekannt wird.
27 Was ich euch im Dunkeln sage,
davon redet im Licht,
und was man euch ins Ohr flüstert, das verkündet auf den Dächern! (...)
Die Lesung ist ein kurzer Ausschnitt aus der sogenannten Aussendungs- oder Jüngerrede (Mt 10), einer der fünf großen Reden Jesu im Matthäusevangelium (Bergpredigt Mt 5-7, Aussendungsrede Mt 10, Gleichnisrede Mt 13, Gemeinderede Mt 18, Eschatologische Rede Mt 24-25). Der Anfang der Rede war das Evangelium vom 11. Sonntag im Jahreskreis (9,36-10,8), am 13. Sonntag folgt der Abschluss (Mt 10,37-42). Eindringliche bittet Jesus sie dreimal um Furchtlosigkeit (V. 26.28.31). Bei Gott, so die Kernbotschaft des Evangeliums, habe das alles seine „Ordnung“ und seinen tieferen Sinn.