5. Sonntag der Osterzeit 3. 5. 2026
Der 1. Petrusbrief richtet sich an Christen in Kleinasien gegen Ende des 1. Jahrhunderts. Sie erlebten sich als kleine Minderheit inmitten einer Mehrheitsgesellschaft, die ihnen ablehnend gegenüberstand und in deren Augen sie nichts galten. Demgegenüber betont der anonyme Verfasser, der in der Autorität des Petrus schreibt, die Erwählung der Christen durch Gott und ihre hohe Würde. Wer darum weiß, kann engagiert Kirche mitbauen, gleichsam als „lebendiger Stein“ im Haus Gottes.
Evangelium: Joh 14,1-12
In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern:
1 Euer Herz lasse sich nicht verwirren.
Glaubt an Gott
und glaubt an mich!
2 Im Haus meines Vaters gibt es viele Wohnungen. (…)
In der ersten Teilrede 14,1-31 ist der bevorstehende Weggang oder besser Heimgang Jesu zum Vater das Hauptmotiv. Dem entsprechen auf Seiten der Gemeinde die Angst und Sorge, dann allein gelassen zu sein, und eine Erschütterung bzw. Verwirrung im Glauben (V. 1). Der appellative Aufruf zum gleichen Glauben an Gott und auch an die Person Jesu steht wie eine Überschrift vor den folgenden Ausführungen.
Mit dem Weggang verbindet sich das Motiv des Weges, das aber von der Bildebene auf die Person Jesu selbst angewendet wird, wie auch die großen Worte „Wahrheit“ und das Schlüsselwort des gesamten Johannesevangeliums „Leben“. Konkret wird die noch zweifelnde Gemeinde auf die „Worte“ und „Werke“ Jesu verwiesen. Ihre Glaubwürdigkeit begründet sich in der Einheit Jesu mit dem Vater, so dass Jesus die Jünger werbend erneut auf ihren Glauben hin anspricht. Zugleich wird in der Verkündigung und im Wirken Jesu der Vater „ansichtig“, freilich nicht vis-à-vis, sondern gemäß biblischer Überzeugung wird das Wesen eines Menschen an seinem Handeln erkannt. In Jesu Reden und Tun wird etwas vom unsichtbaren Gott sichtbar. Durch den Glauben kommen sogar die Jünger(inne)n Jesu in eine Wirkeinheit mit ihm, und nachösterlich wird das Heilswirken durch das glaubende Zeugnis der Gemeinde über den Rahmen Jesu hinaus vergrößert.