2. Sonntag der Osterzeit 19. 4. 2026
Der erste Petrusbrief nimmt die Autorität des Petrus in Anspruch, wenn er ihn als Verfasser des Briefes ausweist und in seinem Namen spricht. Im Brief deutet sich deutlich eine Verfolgungssituation bei den Adressaten an (V. 6; 3,13-17; 4,12-19). Eine solche gab es unter Kaiser Domitian (81-96 n. Chr.) und auch in der Zeit von Kaiser Hadrian (117-138 n. Chr.), begleitet durch einen starken Kaiserkult. Das verstärkte die Außenseiterposition der kleinasiatischen Gemeinden, an die der Brief sich wahrscheinlich richtet. Ihnen wird Mut zugesprochen durch die Erinnerung an das, was ihnen von Gott in Jesus Christus geschenkt wurde. Der Lobpreis richtet sich an Gott, den Vater Jesu Christi, der durch die Auferstehung Jesu nicht nur diesem ein neues Leben geschenkt hat, sondern auch denen, die durch den Glauben zu ihm gehören: „hat uns neu gezeugt“, V. 3. Dieses neue Leben haben sie in der Taufe empfangen (vgl. V. 23; 3,21).
Evangelium: Joh 20,19-31 19 Am Abend dieses ersten Tages der Woche,
als die Jünger aus Furcht vor den Juden
bei verschlossenen Türen beisammen waren,
kam Jesus,
trat in ihre Mitte
und sagte zu ihnen: Friede sei mit euch! (..)
30 Noch viele andere Zeichen
hat Jesus vor den Augen seiner Jünger getan,
die in diesem Buch nicht aufgeschrieben sind.
31 Diese aber sind aufgeschrieben,
damit ihr glaubt, dass Jesus der Christus ist, (…)
Das Hindurchtreten Jesu durch verschlossene Türen zeigt die bereits himmlische bzw. verherrlichte Seinsweise des Auferstandenen (anders als bei Lazarus in Joh 11). Die Figur des Thomas dient als Identitätsangebot für nachösterlich Fragende und Suchende, wie sie zum Glauben kommen können, weil sie nicht mehr zur ersten Generation der erfahrenen Glaubenden gehören. An sie richtet sich die Seligpreisung Jesu (V. 29b). In Joh 13,17 bei der Fußwaschung werden die Jünger seliggepriesen, wenn sie die Liebestat Jesu aneinander tun. Das Berührungsangebot Jesu an Thomas wird nicht mehr ausgeführt, weil es nicht um handgreifliche Beweise geht. Dafür kommt aber aus seinem Mund ein Spitzenbekenntnis: Jesus ist sein „Herr“ und „Gott“. Darin ist auch eine persönliche Beziehung enthalten: „mein“.
In V. 30 wird letztmalig das typisch johanneische Wort „Zeichen“ verwendet. Der Evangelist bezeichnet damit die Machttaten Jesu. Offensichtlich lag ihm eine schriftliche Quelle vor, aus der er sieben auswählt (bis hin zur Steigerung der Auferweckung des toten Lazarus). Sie sind wie transparente Fenster für die überirdische Wirklichkeit Jesu und wollen zum Glauben an ihn und seine Heilssendung von Gott her führen. Mit dem vom Evangelisten verfassten Buch, dem Johannesevangelium, bekommt die glaubende Gemeinde („damit ihr glaubt“, V. 31) einen unerlässlichen Schatz zur Vergewisserung ihres Glaubens an diesen Jesus Christus, den Sohn Gottes, und seine Lebensbedeutung für sie.