Ostersonntag 5. 4. 2026
denn ein Engel des Herrn kam vom Himmel herab,
trat an das Grab,
wälzte den Stein weg und setzte sich darauf.
3 Sein Aussehen war wie ein Blitz
und sein Gewand weiß wie Schnee. (…)
Matthäus hat seine Vorlage für die Erzählung am Ostermorgen beim Grab Jesu überwiegend von Markus übernommen (Mk 16,1-8). Aber wie auch an anderen Stellen seines Evangeliums kürzt er sie und verändert sie: Die Frauen kommen hier nicht, um Jesus zu salben, sondern nur, um nach dem Grab zu sehen. Wörtlich heißt es, dass der erste Tag der Woche, also der Sonntag, aufleuchtete. Das deutet schon symbolisch auf das Lichtvolle hin, was ihnen gleich verkündet werden wird. Ebenfalls ist das Erbeben der Erde, das sich nur bei Matthäus findet, symbolisch zu deuten: Gott greift ein und offenbart sich, und dies erschüttert Betroffene (vgl. auch das Beben beim Seesturm, Mt 8,24; beim Einzug in Jerusalem, 21,10 und beim Tod Jesu, 27,51). Das Überraschende des Geschehens wird auch ausgedrückt im dreimaligen „und siehe“ V. 2.7.9). Die Beschreibung des Boten Gottes entspricht in den Stilmitteln anderen biblischen Engelerzählungen: Blitz und weißes Gewand deuten auf seine Herkunft von Gott. Die gewaltige göttliche Wirkung wird bei Matthäus verstärkt durch die Furcht und das „Erbeben“ der Wächter (gleiches Wort wie beim Erbeben der Erde) und ihr Wie-tot-Sein. Im Gegensatz dazu wird den Frauen ihre Furcht durch den Zuspruch des Boten genommen. Solches „fürchtet euch nicht“ erweist wie auch bei anderen Engelerscheinungen der Bibel Gottes den betroffenen Menschen zugewandte Seite. Das leere Grab, das der Engel den Frauen zeigt, ist ein Zeichen, dass sie den irdischen Leichnam nicht mehr suchen sollen/können. Dass er auferstanden ist, das müssen die Frauen zunächst dem Boten glauben, bis sie ihm selbst begegnen. Erinnern sollen sie sich bestärkend, dass Jesus seine Auferweckung angekündigt hatte (Mt 16,21; 17,22-23; 20,18-19). Und sie sollen Gesandte sein („Apostelinnen“), die Jesu Jünger, die nach Galiläa in ihre Heimat zurückgekehrt waren, vorbereiten auf die Erfahrung mit ihm, dem Lebendigen. Das Umfassen der Füße Jesu steht bildhaft für den real erfahrenen lebendigen Jesus, das Niederfallen bedeutet wie bei anderen Erzählungen im Matthäusevangelium ein (An-)Erkennen des Göttlichen in Jesus durch glaubende Menschen.
Ostersonntag 5. 4. 2026 Joh 20,1-9
„(…)
Er sah die Leinenbinden liegen
7 und das Schweißtuch,
das auf dem Haupt Jesu gelegen hatte;
es lag aber nicht bei den Leinenbinden,
sondern zusammengebunden daneben an einer besonderen Stelle.“
In der Erscheinungsgeschichte spielt Maria aus Magdala eine zentrale Rolle. Ihr Name begegnet uns in den Ostergeschichten aller Evangelien. Anders als in den synoptischen Evangelien (Mk 16,1-8 parr), wo sie jeweils gemeinsam mit anderen Frauen das Grab des getöteten Freundes besucht, geht sie in der johanneischen Erzählung allein zum Grab. Was sie dort durchlebt, lässt sich als ein Prozess von Trauerbewältigung lesen: Am Anfang stehen ihr Schmerz und ihre Trauer: Sie lässt ihren Tränen freien Lauf (V. 11). Sie stellt sich dem Dunklen: Sie beugt sich in das Grab hinein (V. 11). Sie spricht aus, was sie belastet (V. 13). Dann kann sie sich umwenden (V. 14) und eine neue Perspektive gewinnen (‚sehen‘ V. 14). Im folgenden Dialog begreift sie Schritt für Schritt, dass sich die Beziehung zu ihrem toten Freund verändern muss, dass es diese aber noch gibt (V. 15-17). Eindrücklich ist dabei das Einander-Erkennen der Beiden, ausgedrückt in der gegenseitigen Namensnennung (V. 16). Am Schluss dieses Prozesses kehrt Maria zu den anderen Jüngerinnen und Jüngern zurück und verkündet die Osterbotschaft (V. 18). Sie ist in der Lage, Schritte zurück ins Leben zu tun und wieder eine Zukunft zu sehen.“
Die Erzählung der Begegnung von Maria von Magdala mit dem auferweckten Jesus als erste Ostergeschichte nach Johannes ermöglicht für die Adressaten des Evangeliums ein eigenes Sich-Öffnen auf den Glauben an Jesu Auferstehung und damit verbunden aller Christen. Mit diesem Glauben an Jesu Auferweckung steht und fällt der christliche Glaube (1 Kor 15,13f). Maria von Magdala am Ostermorgen ermutigt also zum Glauben an das neue Leben bei Gott, zu dem Jesus vorangegangen ist und in dessen neuer Seinsweise er die Gläubigen in diesem Leben begleitet. Wie auch in anderen Ostererzählungen (z. B. den in Joh 20 folgenden), zeigen sich Aspekte der Auferstehungswirklichkeit Jesu: plötzliches Erscheinen, anfängliches Nichterkennen und dann neues Erkennen, eine Sendung bzw. ein Auftrag
Zu dem Vers Joh 20, 7 mit dem „Schweißtuch“ – volto santo:
Badde, ein scharfsinniger Chronist der Kirche, gelangte zu der Überzeugung, dass das Tuch von Manoppello das wahre Schweißtuch Jesu Christi zeige – jenes Tuch, das im Grab über das Gesicht gelegt wurde. Diese These machte die unscheinbare Abruzzen-Gemeinde Manoppello international bekannt und führte zu einer Neubewertung der Reliquie durch kirchliche Autoritäten. Badde sah in der Darstellung des Gesichts, das ohne Farben oder Pigmente zu existieren scheint, einen Aufruf zur Kontemplation über das Geheimnis der Auferstehung. Die Radioakademie ist eine Würdigung seiner Lebensleistung.
Das „heilige Antlitz”. Zunächst: Ein hauchdünnes Tuch, zwischen zwei Glasplatten gepresst, mit 17 mal 24 cm ist es kaum größer als ein DIN A5-Blatt. Darauf zu sehen ist beim richtigen Lichteinfall das Gesicht eines jungen Mannes. Seine Augen und sein Mund sind halb geöffnet. Er trägt lange Haare und etwas Bart.
Die Apostel Johannes und Petrus haben das Tuch aus dem Grab
Jesu an sich genommen. Über Jerusalem, Edessa und Konstantinopel gelangte es im achten Jahrhundert nach Rom. „Um den Sacco di Roma, 1527, verliert sich die Spur vom Volto Santo, und auf einmal taucht es nach der Legende hier 1638 auf - ein Engel habe es gebracht.
Das Tuch wurde schon oft untersucht, in den vergangenen 300 Jahren jedoch nur vonaußen. Es wurde nicht mehr aus dem Glaskasten genommen. Das letzte Mal, als man das gewagt habe, sei nämlich etwas schiefgelaufen: „Es war weg, man hat kein Gesicht mehr gesehen. Und erst als die Patres dann mit Fasten und Beten wieder darum gebeten haben, dass es zurückkommt, soll es zurückgekommen sein. Aus dieser Angst heraus, und weil es ja hauchdünn ist und 2000 Jahre alt, kam man sozusagen nur das Rundherum untersuchen.“
Eine Theorie besagt, das Tuch sei aus Muschelseide gewoben - auch Byssus genannt. Diese ist feuerfest und nimmt keine Farbpigmente an. Wenn es aber nicht gemalt wurde, wie ist dann das Gesicht auf das Tuch gekommen? Die Erklärung der Schwester ist überraschend konkret: „Ich würde sagen, es ist das erste Foto ohne Fotoapparat. Wenn wir es in unterschiedlichem Licht anschauen, sieht man etwas ganz Erstaunliches. Auf der linken Seite ist eine kleine Pupille. Und eine kleine Pupille hat man nur bei Licht. Das heißt, es muss Licht
im Grab vorhanden sein. Aber niemand hat Licht im Grab. Jesus sagt ‚Ich bin das Licht der Welt‘. Im Augenblick der Auferstehung ist Er die Lichtquelle. Die Reflexion seines Auferstehungslichtes schließt die Pupille links. Sie sieht verbrannt aus. Aber Byssus kann man nicht verbrennen. Das heißt, die Energie der Auferstehung war wesentlich stärker als Feuer. Das Licht der Auferstehung hat das Gesicht eingeprägt."
Für die meisten Christen ist das Tuch eine Ikone, nicht das „wahre Antlitz" Jesu. So sieht das auch die katholische Kirche. Benedikt der XVI. pilgerte 2006 als erster Papst – allerdings in einer privaten Wallfahrt - nach Manoppello. In seiner Ansprache bezeichnete er das Tuch als „Ikone des Heiligen Antlitzes“, nicht als Reliquie.