5. Sonntag der österlichen Bußzeit 22. 3. 2026
So spricht GOTT, der Herr:
Siehe, ich öffne eure Gräber
und hole euch, mein Volk, aus euren Gräbern herauf. (…)
Der Prophet will im fremden Land, im babylonischen Exil, Hoffnung wecken und weiẞ: Ohne Hoffnung und ohne einen Traum von einer Zukunft geht das Volk unter. So erzählt er von dem kühnen Bild der Gebeine, deren Verwesung rückgängig gemacht wird, erzählt von den Winden, dem Geist, der wieder Leben einhaucht.
Evangelium: Joh 11,1-45
In jener Zeit 1 war ein Mann krank,
Lázarus aus Betánien,
dem Dorf der Maria und ihrer Schwester Marta.
2 Maria war jene, die den Herrn mit Öl gesalbt
und seine Füße mit ihren Haaren abgetrocknet hatte;
deren Bruder Lázarus war krank. (…)
Es geht um Beziehungen und Gefühle. Jesus liebt Lazarus, er liebt Maria und er liebt Marta, so heiẞt es explizit im Text. Jesus weint, wird erregt und erschüttert. Der Text ist voller Emotionen. In und mit diesen Emotionen bilden die Menschen Beziehungen. Lazarus ist der „Freund Jesu“, Maria und Marta sind Schwestern, bei ihnen sind viele Judäer, um sie zu trösten, Jesus ist mit seinen JüngerInnen unterwegs. Lazarus kommt am Ende wieder ins Leben zurück, weil er in diese Beziehungen eingebunden ist, weil diese Beziehungen ihn tragen und sich um ihn kümmern, weil alle mithelfen, dass er wieder ins Leben zurückkehren kann: „Löst ihm die Binden.“
Es geht um den Tod. Es wird im Text die Frage diskutiert, was ist Tod. Ist er wie ein Schlaf? Mehrmals wird das Bild des Schlafens für den Tod gebraucht. Für Menschen ist der Tod rätselhaft, sie begreifen es nicht, was es heiẞt, tot zu sein, wollen es nicht wahrhaben. Thomas, der Didymus, versteht es so wenig, dass er „todesmutig“ hingehen will, um mit Jesus zu sterben (V. 16, vgl. V. 8). Für ihn ist dieses Mitleiden wollen ein Ausdruck seines Unverständnisses, was Tod ist.
Es geht um Auferstehung. Auch das ist so unverständlich wie der Tod. Marta gibt ihr auswendig gelerntes Wissen wieder, dass es eine Auferstehung am Ende der Zeiten gibt, Jesus spricht von einer Auferstehung für Lazarus im Hier und Jetzt. Doch worauf bezieht sich sein berühmtes Ich-bin-Wort „Ich bin die Auferstehung und das Leben“? Es ist schwer, sich dieses Wort nur im Blick auf Jesu kommende Auferstehung von den Toten oder für den Jüngsten Tag vorzustellen. Denn der Jesus, der es spricht, steht im Jetzt mitten unter den Menschen. Er ist der Sohn des Vaters, der lebendig macht (Joh 5,21). Dieses Lebendigsein geschieht im Jetzt, in der – gläubigen – Beziehung zu Jesus, im Lieben, Weinen und Erschüttertsein mit ihm, im Mitleiden mit anderen Menschen, in der Gemeinschaft derer, die in seinem Namen füreinander sorgt. „Viele der Juden, die zu Maria gekommen waren und gesehen hatten, was Jesus getan hatte, kamen zum Glauben an ihn“ (Vers 45).