3. Fastensonntag 8. 3. 2026
Kaum haben die Israeliten Pessach gefeiert und sind aus Ägypten ausgezogen (Ex 12-14), blieb nur wenig Zeit für Feierlaune und Siegesgesang (15,1-22). Darauf folgt der beschwerliche Weg durch wüste und öde Landschaft und mit ihm Israels Reklamationen und Genörgel: Sei es wegen ungenießbaren Wassers (15,22-27), zu wenig Nahrung (16) oder wie in der vorliegenden Lesung, kein Wasser. der Abwesenheit von Wasser. In der Rückschau schwärmt das Volk sogar von den Fleischtöpfen Ägyptens (16,3), wenn sie auch Sklaven waren.
Evangelium: Joh 4,5-42
In jener Zeit
5 kam Jesus zu einer Stadt in Samárien, die Sychar hieß
und nahe bei dem Grundstück lag,
das Jakob seinem Sohn Josef vermacht hatte.
6 Dort befand sich der Jakobsbrunnen.
Jesus war müde von der Reise
und setzte sich daher an den Brunnen;
es war um die sechste Stunde.
7 Da kam eine Frau aus Samárien, um Wasser zu schöpfen.
Jesus sagte zu ihr: Gib mir zu trinken! (…)
Mit dem Brunnenmotiv gibt der Text sich die alttestamentlichen Brautwerbungserzählungen von Rebekka (Gen 24), Rahel (Gen 29) und Zippora (Ex 2) als Deutungshintergrund vor. Der Brunnen ist Ort der Erzelternerzählungen am Beginn der Heilsgeschichte der Bibel.
Da Wasserschöpfen Frauenarbeit war, war unter den öffentlich zugänglichen Orten der Brunnen ein bevorzugter Aufenthaltsort von Frauen. In der Konsequenz werben Männer um Frauen an Brunnen. Die Namensgebung scheint hier die besonders prahlerische, aber später auch tragikomische Brautwerbung Jakobs um Rahel zu beschwören. Es ist also zu erwarten, dass Jesus um die Frau werben wird, allerdings in anderer Form als Jakob: Er versteht sich selbst als Gabe Gottes, die er ihr anbietet. Bei dem folgenden Gespräch ist augenfällig, dass Jesus und die Frau konsequent aneinander vorbeireden. Er bittet um Wasser – sie staunt, dass er überhaupt mit ihr spricht. Er lässt durchblicken, dass sie ihn nicht erkennt und es umgekehrt sein sollte, dass sie ihn bittet – sie fasst das lebendige Wasser physisch (als fließendes) auf und verweist auf technische Probleme. In Jesu Antwort (V. 13-14) wird deutlich, dass sein Wasser das Bedürfnis nachhaltig stillen wird. Hier scheint Bezug zu Psalm 42/43 zu bestehen (Beutler): „Wie der Hirsch lechzt nach frischem Wasser, so lechzt meine Seele, nach dir, Gott.“ Den Gottesdurst stillt Jesu Trank. Ebenso ist dies der Bezugspunkt zur ersten Lesung in Ex 17. Von Joh 4 her gelesen, mag der Durst der Israeliten in der Wüste als Durst nach dem Gegenwartserweis Gottes in ihrer Mitte gegolten haben.
Das Gespräch der beiden enthält mit den Aussagen zum Ursprung des Heils und zur Anbetung Gottes (V. 22) zwei Meilensteine auf dem Weg zur Selbstoffenbarung Jesu im Johannesevangelium. Daran („Das Heil kommt von den Juden“, V. 22) tut auch die Abgrenzungspolemik im weiteren Verlauf des Evangeliums keinen Abbruch. Der Ausblick auf ein Beten in „Geist und Wahrheit“ bei Christen, das nicht mehr an einem Gebetsort wie einem Tempel festgemacht wird, sondern an der Person Jesu, zeigt die Richtung an.