So. 11. 1. 2026 - Taufe des Herrn
Einfühlsam, schützend, behütend und aufrichtend bringt der „Gottesknecht“ Recht für Israel und alle Völker. Und er hat damit Erfolg! Nicht gewaltsam setzt er Recht durch, sondern in der Kraft des ihm verliehenen Geistes JHWHs und von JHWH selbst an die Hand genommen. Die Christen lasen dies bezogen auf JESUS. Doch auch Israel als Volk JHWHs und alle Völker spielen in diesem Prozess eine zentrale Rolle: Indem der Gottesknecht zum „Bund“ für Israel und „Licht“ für die Völker wird (V. 6), tragen Israel und die Völker durch Beachtung der Tora zu Recht und Gerechtigkeit bei. Sind es – so gelesen – eigentlich die Menschen, der Gottesknecht oder Gott selbst, der das Recht auf der Erde aufrichtet?
Evangelium: Mt 3, 13-17
In jener Zeit
13 kam Jesus von Galiläa an den Jordan zu Johannes,
um sich von ihm taufen zu lassen.
14 Johannes aber wollte es nicht zulassen
und sagte zu ihm: Ich müsste von dir getauft werden
und du kommst zu mir? (…)
Die Perikope von der Taufe Jesu steht in engem Zusammenhang mit Mt 3,1-12, dem Evangelium vom 2. Advent; was wir dort gehört haben, kommt jetzt zum Höhepunkt: Auf die Ankündigung durch Johannes folgt jetzt die Offenbarung, wer dieser Jesus ist.
Dass Jesus als Gottes Sohn die Taufe (zur Sündenvergebung!, vgl. 3,6) von einem Geringeren (V. 14) empfängt, war für die Theologen über die Jahrhunderte ein Problem. Auch Johannes lehnt es nach dem Bibeltext hier ja zunächst ab.
Die Einfügung des kurzen Dialogs V. 14-15 enthält die ersten (und damit programmatischen!) Worte Jesu. „Die Gerechtigkeit ganz erfüllen“ – Stichworte, die sich durch das ganze Matthäusevangelium ziehen (so etwa 5,10; 5,17; 21,31f; 26,54). Jesus erscheint also hier als Vorbild, in allem den Willen Gottes zu tun (so könnte man „die Gerechtigkeit erfüllen“ übersetzen). „Das wichtigste ist, dass von V. 14-15 her die Gottessohnschaft Jesu einen neuen, für Matthäus bezeichnenden Akzent gewinnt. Der Gottessohn ist für ihn nicht nur der vom Himmel Offenbarte (vgl. 2,15; 16,16-17; 17,5), sondern vor allem der Gehorsame und sich Gottes Willen Unterstellende.