So. 24. 11. 2024 Christkönigssonntag
14 Ihm wurden Herrschaft, Würde und Königtum gegeben.
Alle Völker, Nationen und Sprachen dienten ihm.
Seine Herrschaft ist eine ewige, unvergängliche Herrschaft.
Sein Reich geht niemals unter.
Diese Verse 13b-14 der heutigen Lesung sind Teil der Vision von der Wende, die Gott herbeiführen wird, und seiner Herrschaft. Die Verse bilden das Ende und zugleich den Höhepunkt dieser Vision. Mit dem „Hochbetagten“ ist Gott gemeint, der im Himmel thront und über die irdischen Gewaltherrscher Gericht hält. Die irdischen Herrscher werden zuvor als brutale Raubtiere geschildert. Sie werden nun vom Menschensohn mit seiner wahrhaft menschlichen Herrschaft abgelöst. Er reißt die Macht nicht an sich wie die anderen Herrscher, sondern sie wird ihm von Gott verliehen. Seine Herrschaft trennt nicht und unterdrückt nicht, sondern vereint die verschiedenen Völker mit ihren Sprachen. Anders als die irdischen Königreiche wird seine Herrschaft ewig bestehen, weil sie von Gott kommt. Diese Vision des Menschensohnes als des endzeitlichen Königs wurde von den Evangelien aufgegriffen und auf Jesus Christus hin gedeutet (Mt 24,30; 26,64; Mk 13,26; 14,62).
Evangelium: Joh 18,33b-37
In jener Zeit 33b fragte Pilatus Jesus:
Bist du der König der Juden?
34 Jesus antwortete:
Sagst du das von dir aus
oder haben es dir andere über mich gesagt? (…)
Die gesamte johanneische Passionserzählung (Joh 18–19) atmet die besondere Würde, Souveränität und Hoheitsstellung Jesu. Bei der Verhaftung ebenso wie beim Verhör und schließlich – und vor allem! – bei seinem Sterben am Kreuz offenbart Jesus seine göttliche Herrlichkeit. Er ist nicht passiver Dulder des Geschehens, sondern aktiver Handlungsträger, der alles vorausweiß und die Geschehnisse selbst in Gang bringt (z. B. Joh 13,27). Diese souveräne Haltung zeigt Jesus auch im heutigen Lesungsabschnitt. Da das Recht zur Verhängung einer Todesstrafe in römischer Hand liegt, wird Jesus nach dem Verhör durch den Hohepriester Kajaphas und dessen Schwiegervater Hannas an den Statthalter Pontius Pilatus (26-36 n. Chr.) ausgeliefert. Die Frage, ob Jesus der „König der Juden“ sei, hat für Pilatus eine politische Dimension. Die Anmaßung der Königswürde in national-politischem Sinn ist in römischen Augen ein todeswürdiges Verbrechen. Historisch betrachtet liegt hier der Grund für die Verurteilung Jesu. Dass das Königtum Jesu „nicht von dieser Welt“ (V. 36) ist und mit weltlicher Herrschaft und Durchsetzungskraft wenig zu tun hat, kann Pilatus nicht begreifen – ebenso wie vermutlich manche Anhänger(innen) Jesu, deren real-politische Messiashoffnungen im wahrsten Sinne durchkreuzt wurden. Indem Pilatus die Wahrheit infragestellt (V. 38), wird klar: Er kann Jesus, der selbst die Wahrheit ist (14,6), nicht als Offenbarer Gottes erkennen.
Mit seiner auffälligen Rede von „den Juden“ (V. 36) scheint sich Jesus von seinem eigenen Volk (V. 35) zu distanzieren. Dazu ist wichtig festzuhalten: Im Johannesevangelium wird das jüdische Volk insgesamt undifferenziert und historisch inkorrekt als einheitliche Gegnerfront Jesu dargestellt, die sich dem Glauben verschließt. Diese antijudaistische Darstellung muss von der Abfassungszeit des Evangeliums und von der Situation der johanneischen Gemeinde her verstanden werden: Die ersten Adressat(inn)en des Evangeliums sind Jesusgläubige Juden in einer Minderheitsposition. Sie stehen im Konflikt mit dem Mehrheitsjudentum, das sie aus der Synagoge ausschließen möchte (z. B. 9,22). Die abgrenzende und verallgemeinernde Rede von „den Juden“ stammt also nicht von Jesus selbst, sondern ist Ausdruck eines schmerzhaften Trennungsprozesses Jesusgläubiger von ihren Heimatsynagogen.