Ostersonntag 31. 3. 2024
36 Er hat das Wort den Israeliten gesandt,
indem er den Frieden verkündete durch Jesus Christus:
Dieser ist der Herr aller.
(…) 44 Noch während Petrus dies sagte,
kam der Heilige Geist auf alle herab, die das Wort hörten.
Die Apostelgeschichte ist eine missionarische Schrift. Lukas schreibt seine Apostelgeschichte aus der Perspektive des Heiligen Geistes.
Bemerkenswert sind die Grenzüberschreitungen: Petrus geht nach Cäsarea, Sitz der römischen Besatzungsmacht, in das Haus eines (ranghohen) Heiden, das er nach einer bestimmten Auslegung der Tora nicht hätte betreten dürfen, und er legt vor nicht-jüdischen Menschen ein „christliches“ Zeugnis ab. Umgekehrt suchen nicht-jüdische Menschen Gott und werden bei dieser Suche von eben jenem Geist Gottes geleitet, der den Petrus aufgefordert hat, in das Haus des Kornelius zu gehen. Und es ist noch einmal dieser Geist, der mit seinem Kommen die Rede des Petrus unterbricht und damit auch die Taufe ermöglicht.
Evangelium: Joh 20,1-18 (Langfassung)
1 Am ersten Tag der Woche kam Maria von Mágdala frühmorgens,
als es noch dunkel war, zum Grab und sah,
dass der Stein vom Grab weggenommen war.
2 Da lief sie schnell zu Simon Petrus und dem anderen Jünger, den Jesus liebte, und sagte zu ihnen: Sie haben den Herrn aus dem Grab weggenommen und wir wissen nicht, wohin sie ihn gelegt haben. (…)
In der Erscheinungsgeschichte spielt Maria aus Magdala eine zentrale Rolle. Ihr Name begegnet uns in den Ostergeschichten aller Evangelien. Anders als in den synoptischen Evangelien (Mk 16,1-8 parr), wo sie jeweils gemeinsam mit anderen Frauen das Grab des getöteten Freundes besucht, geht sie in der johanneischen Erzählung allein zum Grab. Was sie dort durchlebt, lässt sich als ein Prozess von Trauerbewältigung lesen: Am Anfang stehen ihr Schmerz und ihre Trauer: Sie lässt ihren Tränen freien Lauf (V. 11). Sie stellt sich dem Dunklen: Sie beugt sich in das Grab hinein (V. 11). Sie spricht aus, was sie belastet (V. 13). Dann kann sie sich umwenden (V. 14) und eine neue Perspektive gewinnen (‚sehen‘ V. 14). Im folgenden Dialog begreift sie Schritt für Schritt, dass sich die Beziehung zu ihrem toten Freund verändern muss, dass es diese aber noch gibt (V. 15-17). Eindrücklich ist dabei das Einander-Erkennen der Beiden, ausgedrückt in der gegenseitigen Namensnennung (V. 16). Am Schluss dieses Prozesses kehrt Maria zu den anderen Jüngerinnen und Jüngern zurück und verkündet die Osterbotschaft (V. 18). Sie ist in der Lage, Schritte zurück ins Leben zu tun und wieder eine Zukunft zu sehen.“ (Sabine Bieberstein, Gottes Volk 4/2002, 24-25)
Die Erzählung der Begegnung von Maria von Magdala mit dem auferweckten Jesus als erste Ostergeschichte nach Johannes ermöglicht damit auch für die Adressaten des Evangeliums ein eigenes Sich-Öffnen auf den Glauben an Jesu Auferstehung und damit verbunden aller Christen. Mit diesem Glauben an Jesu Auferweckung steht und fällt der christliche Glaube (1 Kor 15,13f). Maria von Magdala am Ostermorgen ermutigt also zum Glauben an das neue Leben bei Gott, zu dem Jesus vorangegangen ist und in dessen neuer Seinsweise er die Gläubigen in diesem Leben begleitet. Wie auch in anderen Ostererzählungen (z. B. den in Joh 20 folgenden), zeigen sich Aspekte der Auferstehungswirklichkeit Jesu: plötzliches Erscheinen, anfängliches Nichterkennen und dann neues Erkennen, eine Sendung bzw. ein Auftrag. (Kath. Bibelwerk)