3. Fastensonntag 3. 3. 2024
fand er die Verkäufer von Rindern, Schafen und Tauben
und die Geldwechsler, die dort saßen.
15 Er machte eine Geißel aus Stricken
und trieb sie alle aus dem Tempel hinaus, (…)
V. 17: „Seine Jünger erinnerten sich, dass geschrieben steht:
Der Eifer für dein Haus wird mich verzehren.“ (…)
V. 22: „Als er von den Toten auferweckt war, erinnerten sich seine Jünger, dass er dies gesagt hatte, und sie glaubten der Schrift und dem Wort, das Jesus gesprochen hatte.“
Händler und Geldwechsler waren im Jerusalemer Tempel allgegenwärtig und unverzichtbar: Wer ein Opfertier kaufen oder die jährliche Tempelsteuer begleichen wollte, musste in tyrischen Schekeln, der Stadtwährung von Tyrus, bezahlen – der wertstabilsten Währung der Antike. Die lokalen Bronzemünzen aus Judäa oder Galiläa mussten deshalb in tyrische Silbermünzen gewechselt werden. Geldwechsler und Händler hatten ihre Stände in den nicht-religiösen Vorhöfen und Säulenhallen des Tempels. Der Tempel war nicht nur religiöses Zentrum, sondern zugleich Treffpunkt, Marktplatz und vieles mehr. Diese räumliche Nähe und Vermischung von Gebet, Opfer und Geschäft, Glaube und Gewinn fand Jesus unerträglich – eine Ablenkung und Abweichung vom Willen Gottes, der auf Befreiung und Leben für alle abzielt. Die Vertreibung von Händlern und Geldwechslern war damit eine prophetische Zeichenhandlung, die den regulären Ablauf des Tempelkults empfindlich störte, ja in Frage stellte.
Wie unterschiedlich die Evangelisten dieses – historisch recht gut rekonstruierbare – Geschehen erzählen und es dabei theologisch deuten! Markus, Matthäus und Lukas erzählen historisch plausibel, die Vertreibung der Händler habe kurz nach der Ankunft Jesu in Jerusalem stattgefunden, wenige Tage vor dem Pessachfest, an dem er dann auch hingerichtet wurde. Ob Jesus mit seiner prophetischen Zeichenhandlung „nur“ den Tempelbetrieb stören oder ihn grundsätzlich unterbinden wollte, ist dabei nicht ganz eindeutig.
Johannes wählt einen anderen Weg. Er verlegt die Episode an den Anfang des öffentlichen Wirkens Jesu, zu Beginn seines ersten Besuches in Jerusalem.
Vor allem aber wird die prophetische Zeichenhandlung vorausschauend mit der Auferweckung Jesu verbunden: So wie der Tempel die Gegenwart Gottes unverwechselbar zum Ausdruck bringt, so auch die Auferweckung Jesu: Der Auferweckte wird zum Zeichen der Gegenwart Gottes in der Welt (V. 19-21).