So. 18. 2. 2024 1. Fastensonntag
14 Nachdem Johannes ausgeliefert worden war, (...)
Im Markusevangelium ist der Erzählabschnitt von Jesu Versuchung in der Wüste, Verse 12-13, eng mit der Taufe Jesu verknüpft. Der Evangelist knüpft mit einem „sogleich“ an das Taufgeschehen an und markiert damit beide als zusammengehörig: die Gotteserfahrung Jesu im Jordan mit der Stimme, die ihn als geliebten Sohn Gottes ansprach, und die nachfolgende Zeit der Bewährung in der Wüste. Wörtlich heißt es: Er wurde „hinausgeworfen“, sprichwörtlich hineingeworfen ins kalte Wasser.
Es wird die Wüste als Schauplatz hervorgehoben. Dieser symbolträchtige Ort der Dürre und des Todes ist für vertraute Lesende auch ein Ort der Gottesbegegnung und des Neuanfangs, der durch Gottes Wirken zum Ort des Lebens werden kann. Dorthin wird Jesus von demselben Geist, der bei der Taufe auf ihn herabkam, „getrieben“:
Die Dauer des Wüstenaufenthalts ruft alttestamentliche Assoziationen hervor: etwa die 40 Tage, die Mose auf dem Berg Sinai verbringt oder die 40-jährige Wüsten-Wanderschaft des Volkes Israel. Die Zahl Vierzig entspricht in der Bibel einer Entwicklungs- und Reifungszeit. Hier also kann sich das am Jordan Erfahrene bewähren und zu einer Gottesbeziehung entwickeln, die auch in Widrigkeiten standhält.
(Die anderen Evangelisten Matthäus und Lukas schmücken zudem die Versuchung Jesu ja mit den drei berühmten Fragen erzählerisch aus. „Wenn du Gottes Sohn bist…..“). Der Evangelist Markus beschränkt sich auf das Knappeste: … er wurde vom Satan versucht. Ein Hinweis auf den Inhalt dieser Versuchung findet sich möglicherweise in Mk 8,33: Dort weist Jesus Petrus schroff als „Satan“ zurecht, weil dieser ihn von seinem Weg durch Leiden und Tod abbringen will.
Die Versuchung, einen kürzeren Weg zu gehen, andere Mittel zu wählen…?
Auch der Ausgang der Versuchung wird nicht näher ausgeführt, doch machen das positiv besetzte Bild vom Leben „bei den wilden Tieren“, das an paradiesische Zustände erinnert, und das Dienen der Engel deutlich, dass Jesus sich in der Versuchung bewährt hat.
Ebenso unvermittelt, wie auf die Taufe (1,9-11) der „Hinauswurf“ in die Wüste folgt, schließt in V. 14-15 der Beginn des öffentlichen Auftretens Jesu an.
Ein Schauplatzwechsel führt abrupt von der Wüste ins fruchtbare Galiläa, wo Jesus sein Verkündigungswirken mit der Ausrufung des Anbruchs des Reichs Gottes eröffnet. Dieser Beginn wird an Johannes den Täufer rückgebunden: Auch in seiner „Auslieferung“ (das Verb „ausliefern“ begegnet später immer wieder im Zusammenhang mit der Passion Jesu bzw. seiner Auslieferung durch Judas, den Hohen Rat und schließlich Pilatus, vgl. 14,10; 15,1.15), die in seiner Hinrichtung endet (6,17- 29), wirkt dieser als Vorläufer Jesu. (Kath. Bibelwerk)
Die Versuchung in der Wüste - ich dachte auch Zeilen von Martin Gutl (* 28. April 1942 in Mühldorf bei Feldbach; † 20. August 1994) war ein österreichischer Priester und Buchautor. Zitate aus: Nachdenken… S 74 u. 266
Gen 12, 1
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Versuchung des Abraham
Seichtes suchen
Tiefes fürchten,
kleinlich denken,
ängstlich handeln,
vor sich fliehen
sich nichts trauen,
Kluges reden,
Taten meiden,
Spießbürger sein,
sein Glück vertun,
Gott verdrängen,
nichts entfalten,
nichts ausstrahlen.
Litanei des Abraham
Du bist diesseits.
Du bis jenseits.
Du bist am Rand.
Du bist in der Mitte
Du bist da.
Nicht so, wie ich denke.
Nicht so, wie ich will.
Du bist anspruchsvoll.
Du bist unwahrscheinlich.
Du bist grenzenlos.
Du bist ungewöhnlich.
Du bist unstillbar.
Du bist unvorstellbar.
Du bist nicht zum Schweigen zu bringen.
Du bist nicht einzuschläfern,
Du bist nicht zufriedenzustellen.
Du bist das Maß aller Dinge.
Du bist die Zukunft der Welt.
Du bist kaum durchzuhalten.
Du bist mein Gott,
Gott Abrahams,
Du bis Du und sonst nichts.