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Inhalt:
Do. 28.12.23

Fest der heiligen Familie, Sonntag in der Weihnachtsoktav 31. 12. 2023

 

2. Lesung: Kol 3,12-17 Schwestern und Brüder!

12 Bekleidet euch,

als Erwählte Gottes, Heilige und Geliebte,

mit innigem Erbarmen. Güte, Demut, Milde, Geduld! (…)Am Anfang des Textes steht ein sog. Tugendkatalog, Kol 3,12-15. Solche waren in der Antike beliebt als Orientierung für ein gemeinschaftsförderliches Verhalten. Es geht um viele Formen der Zuwendung und gegenseitige Akzeptanz. Vor allem Vergebung und Liebe sind der Kitt für gelingende Beziehungen. Die Einzelnen sollen sich als Glieder des einen Leibes Christi – d.h. der Kirche – verbunden wissen und schätzen.

 

Evangelium Lk 2,22.39-40

22 Als sich für die Eltern Jesu die Tage der vom Gesetz des Mose vorgeschriebenen Reinigung erfüllt hatten brachten sie das Kind nach Jerusalem hinauf, um es dem Herrn darzustellen.

39 Als seine Eltern alles getan hatten, was das Gesetz des Herrn vorschreibt, kehrten sie nach Galiläa in ihre Stadt Nazaret zurück.

40 Das Kind wuchs heran und wurde stark; erfüllt mit Weisheit, und Gottes Gnade ruhte auf ihm.

 

Lukas entfaltet in seiner Kindheitsgeschichte Jesu am Anfang des Evangeliums in lebendigen Erzählungen, wer Jesus seinem Wesen nach ist. Heute geht es darum, wie Jesus in einer jüdischen Familie, die traditionell religiös lebt, als Erstgeborener in den Tempel gebracht wird, um dabei symbolisch Gott übergeben zu werden. Dabei zeigt sich in prophetischer Schau, dass Jesus Licht und Heil für die Menschen sein wird. Kindheitsgeschichten in der Antike sind Einstimmungen in das Wesen einer Person und ihre bedeutsamen Merkmale. Sie werden Biografien vorangestellt und sind keine historischen Berichte, sondern eine Schilderung von Wesensmerkmalen dieser Person in ihrem ganzen Leben.

Es ist bemerkenswert: Tempelgeschichten spielen in der Kindheitsgeschichte Jesu immer wieder eine Rolle: Die Kindheitsgeschichte des Lukas beginnt in Lk 1,15 im Tempel mit der Geburtsankündigung Johannes des Täufers an seinen Vater Zacharias, der als Priester dort Dienst tut, und sie endet mit zwei Tempelerzählungen im Blick auf Jesus: seine Vorstellung im Tempel als Erstgeborener (Lk 2,22-40) mit den prophetischen Worten des Simeon und der Hanna.

Zum einen erfüllt Maria die Vorschriften zur Reinigung, die nach der Geburt eines Sohnes vierzig Tage dauern, vgl. Lev 12,1-8. In dieser Zeit soll sie „nichts Geweihtes berühren und nicht zum Heiligtum kommen“. Nach dieser Zeit wird sie durch die Darbringung eines Opfers im Tempel rein von der durch die Blutung bei der Geburt entstandenen Unreinheit. Bei armen Leuten sind das nach Lev 12,8 zwei Tauben, wie es Lukas in V. 24 auch ausdrücklich erzählt. Zum anderen sucht die Familie Jesu den Tempel auf wegen der Heiligung des Erstgeborenen und seiner damit verbundenen symbolischen Übergabe an Gott, V. 23, vgl. Ex 13,2.11-16; 22,28; Num 3,13). Diese Übergabe sollte würdigen, dass alles Leben ein Geschenk Gottes ist. Damit war zugleich die Hoffnung auf weitere Nachkommen verbunden.

 

Lukas schildert also die Familie Jesu als eine in den religiösen Traditionen des Judentums verankerte Familie, in der Jesus sich gut entwickeln konnte, V. 40. Wieder fällt auf, dass Lukas gegenüber seiner Wachstumsnotiz bei Johannes dem Täufer diese Notiz im Blick auf Jesus steigert: Johannes „wuchs heran und erstarkte im Geist“ (Lk 1,80), Jesus „wuchs heran und erstarkte, erfüllt mit Weisheit und mit Gottes Gnade auf ihm“.

Innerhalb dieses Familienrahmens der Erzählung aber geht es vor allem um eine prophetische Sicht darauf, wer Jesus seinem Wesen nach ist, verkündet von zwei prophetischen Menschen, einem Mann und einer Frau. Simeon und Hanna sind zwei betagte Gestalten, die eine sehr lange Zeit ihres Lebens im Tempelbereich auf die Erlösung und das Heil Gottes für das ganze Volk warteten. Beide Gottesfürchtige sind alt geworden. Von Simeon heißt es ausdrücklich, dass er lange auf den Trost Israels wartete, auf den Messias. Sowohl er als auch sie sind geistgeführte Menschen, die genau dann hinzukommen dürfen, als das Kind Jesus in den Tempel gebracht wird. Simeon hat zwar nur das Kind Jesus im Arm, schaut aber prophetisch in die Zukunft, in der sich Jesus als heilvoll erweisen wird für Israel und für die Völker. Für die beiden Gruppen, das Gottesvolk Israel und Heiden, leuchtet auf „Herrlichkeit“ (im griechischen Wort im Urtext klingt an: Strahlendes, Ruhmreiches, Bedeutendes) und „Licht“. Dunkles wird erhellt. Hanna ist diejenige, die durch ihr jahrzehntelanges Gebet im Tempel, dem Wohnort Gottes, spürsam auf sein Wirken hin geblieben ist. Sie sieht nun das Heil. Sie wird zur prophetischen Verkünderin bzw. Predigerin gegenüber anderen, die wie sie schon so lange auf „die Erlösung Jerusalems warteten“. Sie hilft diesen vielen zu sehen, wer Jesus in seinem Wesen ist und was er realisiert: das, was sein Name schon sagt, „Jahwe rettet“. (Kath. Bibelwerk, Dipl.-Theol. Anneliese Hecht)

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