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Welche Diözese ist älter? Salzburg oder Passau?

Uhr

Bei einem Ausflug mit dem Heimatverein Altheim im Herbst dieses Jahres 2014 nach Hallein tauchte die Frage auf, welche Diözese ist eigentlich älter? 

 

1) Ad Salzburg

Literatur: Das Erzbistum Salzburg in seiner Geschichte, Teil 1. Frühe Zeit, Severin, Rupert und Virgil, v. Franz Ortner, Editions du Signe 1994.

 

Römische Christen, d. h. Soldaten, Händler, Kaufleute haben vielleicht schon im 2./3. Jhd. den christlichen Glauben nach Norikum getragen, wie z. B. das Regenwunder auf der Mark-Aurel-Säule erzählt (Quelle Tertullian und Eusebius) 1

Die christliche Religion wurde 313 erlaubt, unter Theodosius 391 Staatsreligion. Für das Bundesland Salzburg gibt es die Quelle der „Vita Severini“ von Eugippius, der zwischen 460 und 482 in Norikum am Limes wirkte, und vier umfangreiche Kapitel sind dem Aufenthalt Severins im Salzburger Land gewidmet, der es zwischen 470 und 475 n. Chr. bereist hat. Es werden im 11. und 12. Kapitel Kuchl im Tennengau beschrieben und Juvao (Juvavum) im 13. u. 14. Kapitel.

Die von Eugippius im lateinischen Text verwendeten Ausdrücke basilika (statt ecclesia) und spiritales werden vorzugsweise sonst für eine Klosterkirche und für Mönche verwendet. Ein Hinweis auf ein Kloster, das möglicherweise der hl. Severin selbst gegründet hat! Archäologisch hat sich aus dieser Zeit im Stadtboden aber noch kein Kirchenbau nachweisen lassen.

 

„Nicht beantwortet werden kann die Frage, ob Salzburg bereits ein Bischofsitz gewesen ist. Theoretisch wäre dies durchaus möglich...... bezeugt sind Bischöfe aber nur für die norischen Munizipalstädte Lauriacum, Virunum, Teurnia und Aguntum. Für Salzburg fehlt bislang ein solches Zeugnis“ (Franz Ortner, ebd., S 20)

 

Es kamen die Hunnen, die Skiren unter Odoaker, um 488 musst das unruhige Grenzgebiet auf Befehl Roms geräumt werden. Es blieben aber christliche Romanen zurück.

Ein letztes Mal werden die Kirchen Noricums, Bischof Leonianus von Teurnia in Kärnten und Aaron von Aguntum in Osttirol auf einer Kirchenversammlung zwischen 573 und 577 in Grado, wohin sich der Patriarch von Aquileia vor den Langobarden geflüchtet hatte, erwähnt.

 

Im heutigen Flachgau und im Tennengau haben größere romanische Bevölkerungsgruppen überlebt.

 

Es kamen dann die Bayern im Norden und die Alpenslawen im Südosten. (Kärnten und Lungau)

Keltische und romanische Ortsnamen werden höchsten germanisiert, blieben aber erhalten. In den „Walchen oder Welschen“ finden sich noch diese Namen.

Als Beleg dafür, dass das Christentum nicht ausgestorben war, kann auf Berichte über einen Kult des Hl. Maximilian im Pongau zu Beginn des 8. Jhd. verweisen werden. Die Berichte stammen aus der Breves Notitiae, wonach der Hl. Rupert eine Errichtung eines kleinen Klosters veranlasst habe.2

Ferner gibt es im Libellus Virgilii 3 einen Bericht über den ausführlichen Gründungsvorgang. Herzog Theodo und sein Sohn Theodbert unterstützten den Hl. Rupert dabei. Bei aller gebotenen Vorsicht der Quellen kann gesagt werden, dass am Beginn des 8. Jhd. im heutigen Bischofshofen ein Kult des Hl. Maximilian bestand.4

Geschichtlich nachweisbar ist die Verehrung Maximilians nur als „Bekenner“ im salzburgischen Pongau. An dieser Tradition hat Rupert offenbar angeknüpft. Dies war der erste Stützpunkt für die Salzburger Slawenmission.

 

Theodo holt Rupert aus Worms. Schon die erste Annahme des Christentums in Altbayern seit 520 erfolgte unter fränkischem Einfluss mit Hilfe iroschottischer Mönche wie z. B. durch die Heiligen Kolumban der Jüngere, Gallus und Kilian und durch angelsächsische Missionare wir dem Hl. Willibrord.

Die zweite, intensivere Missionierung wurde von westfränkischen Missionaren getragen und brachte Bayern die drei großen Glaubensboten Rupert, Emmeram und Korbinian. 5

 

Vom Hl. Virgil und seiner Zeit gibt es die ältesten Geschichtsquellen des heutigen Österreichs und damit auch die wichtigsten schriftlichen Nachrichten zur Kirchengeschichte Salzburgs.

a) Verbrüderungsbuch von St Peter (auf 748 zurückbezogen, begonnen 784 )

b) Notitia oder Indiculus Arnonis (um 788/790) – durch Erzbischof Arn angelegt

c) Gesta sancti Hrodbert confessoris. Eine Lebensbeschreibung des Hl. Rupert, zusammengestellt um 798.

d) Breves Notitiae – eine zeitgenössische Bearbeitung der Urkunden und Güterverzeichnisse aus der Zeit der Bayernherzöge – nach 798 angelegt worden

e) Ein Glanzstück aus der Zeit 870 ist die „Conversio Bagoariorum et Carantanorum“ mit der jüngeren erhaltenen Rupertvita, mit Nachrichten über seine Nachfolger, darunter vorallem über Virgil und dessen Karantanenmission

(F. Ortner, ebd. S 34)

 

Theodos Absicht einer bayerischen Kirchenprovinz bestand ab 715/716. Er pilgerte zum Grab des Hl. Petrus nach Rom und deponierte dort seine Wünsche. Papst Gregor II gab am 15. Mai 716 die Weisung, im Sprengel des viergeteilten bayerischen Herzogtum jeweils ein Bistum zu errichten. Die Durchführung des Planes aber scheiterte zunächst am frühen Tod des Herzogs.

 

Bonifatius war von 719 von Papst Gregor II zur Germanenmission ermuntert und dafür 722 zum Bischof geweiht worden. Er kam, mit großen Vollmachten ausgestattet, inzwischen 732 zum Erzbischof ohne festen Bischofssitz ernannt, um das Jahr 738 als „Legatus Germanicus“ nach Bayern.

Er teilte in Anlehnung an die Pläne Theodos das bayerische Stammesgebiet in kanonisch organisierte Bistümer, die in ihrer gegenseitigen Abgrenzung im wesentlichen bis zum heutigen Tage weiterbestehen.

 

Aus einem Brief des Papstes an Bonifatius vom 29. Okt. 739 und aus der vom Priester Willibald verfassten Lebensbeschreibung des Heiligen erfahren wir, wie er diesenPlan verwirklichte. Er lehnte sich an frühere Herrschaftszentren an, von denen drei zudem durch das Wirken besonders bedeutender Glaubensboten ausgezeichnet waren. Emmeram in Regensburg, Rupert in Salzburg und Corbinian in Freising.

Für die neu errichteten Diözesen weihte Bonifatius auch die Bischöfe.

In Salzburg wurde Liutio durch Johannes, in Regensburg Wikpert durch Gaubald und in Freising Rydolt durch Erembert ersetzt.

 

So erreichte er eine Angleichung der bayerischen Kirche an Rom. Dies war ein entscheidender organisatorischer Fortschritt gegenüber den bisher in Bayern gelegentlich tätigen Kloster oder Wanderbischöfe. Der iroschottische Missisonsmethode und deren relativ unabhängigen Mönchtum wurde damit eine Absage erteilt. Aus päpstlicher Sicht beseitigte Bonifatius die „irische Unordnung“. (F. Ortner, ebd. S 35)

 

Es folgten von Bonifatius die Organisation der Bistümer Eichstätt, Würzburg, Büraburg und Erfurt

In Tirol und Vorarlberg war keine Neueinteilung nötig weil dort die Kirchenorganisation von Chur und Säben den römischen Grundsätzen entsprach.

 

Salzburg wurde an riesiges Gebiet zugeteilt, wahrscheinlich dem früheren Teilherzogtum von 716 entsprechend. (siehe dort b. F. Ortner, ebd. S 36)

St. Peter blieb Bischofssitz, die Klosterkirche war zugleich Bischofskathedrale.

 

Bonifatius wurde in seinen Bestrebungen vom damaligen bayrischen Herzog Odilo (735 – 748) voll unterstützt, vielleicht auch mit der Absicht, damit das bisher fränkische Übergewicht zurückzudrängen (F. Ortner, ebd. S 36)

 

Der Passauer Bischof Vivilo allein fand in der neuen Diözesanordnng Anerkennung und kanonische Bestätigung, da er vom Papst persönlich geweiht worden war.

 

Bonifatius blieb vorläufig auch der Metropolit dieser neuen bayrischen Kirchenprovinz, die sich als mit Rom verbundene Landeskirche damit von der fränkischen unabhängiger gemacht hatte. „Aber gerade deshalb mussten auf bayerische Boden die beiden gegensätzlichen kirchlichen Richtungen früher oder später aufeinanderprallen: Auf der einen Seite das kanonisch organisierte, papsttreue, angelsächsisch-fränkische Kirchenwesen, wie es der Hl. Bonifatius verkörperte, auf der anderen Seite die freie, kaum geregelte Missionsmethode der „Peregrini“ des iroschottischen Mönchtums, das später in Virgil von Salzburg einen letzten, aber umso leidenschaftlicheren und Bonifatius ebenbürtigen Verfechter dienen sollte.“ (F. Ortner, ebd.)

 

Virgil, um 710 in Irland geboren, überragend gelehrt, „Fergil den Geometer“; zuerst? Junger Mönch in Jona (Hy) in Schottland. Um 741/42 hat er sein Land verlassen, begann 743 bei den Hausmeiern und nachmaligen fränkischen Königs Pippin dem Jüngern. In demselben Jahr hatte Pippin die Bayern militärisch besiegt. Er sandte Virgil an den Hof seines Schwagers, des Bayernherzogs Odilo, nach Regensburg.

Siehe Bericht in „Conversio Bagoariorum.....“

 

Bereits 746 kam es zu einer ersten Auseinandersetzung mit Bonifatius.

Nach dem Tode des von Bonifatius eingesetzten Salzburger Bischofs Johannes im Jahre 746 oder 747 übertrug Herzog Odilo die Verwaltung des vakanten Bistums an Virgil.

Zunächst war er Abt im Kloster St. Peter mit einem Mönchsbischof an seiner Seite.

In einem Schreiben vom 1. Mai 748 bezog Papst Zacharias in eine kirchenrechtlichen Frage zwar Stellung gegen Virgil, behielt aber Virgil offenbar aus Rücksicht auf den frommen und romtreuen Bayernherzog, der den Salzburger Bischof stützte.

Es folgte nach Virgil Arno, und damit sollte das angelsächsisch-fränkische Kirchenwesen auch in Bayern zum Durchbruch kommen.

Das iroschottische Mönchtum ging mit dem Sturz des Herzogs Tassilo III im Jahre 787/788 unter.

 

In der um 779 verfassten Lebensbeschreibung des Hl. Bonifatius wird das römische Juvavum erstmals Salzburg bezeichnet.

 

Virgil ließ nach einigen Rückschlägen die Missionen in Karantanien durchführen. Das Land wurde christianisiert und politisch nach dem Sieg von Herzog Tassilo III im Jahre 772 an Bayern angegliedert. Während dieser Zeit Virgils ließ das bayrische Herrschergeschlecht der Agilolfinger zahlreiche Köster errichten.

748 (noch unter Odilo) Kloster Mondsee

769 Innichen im Pustertal unter Tassilo III;

770 oder 777 Mattsee

777 Kremsmünster

Das Missionsgebiet in Karantanien wurde durch einen Schiedspruch Kaiser Karl d. Gr. Im Jahre 811 aufgeteilt nördlich der Drau zur Kirchenprovinz Salzburgs gehörig, südlich zur Kirchenprovinz Aquileia.

 

Über die Bischofsweihe des Hl. Virgil gibt es verschiedene Deutungen: früheste Deutung bereits 15. 6. 749;

älteste Deutung 15. 6. 767;

oder 15. 6. 755 (nach Herwig Wolfram)

 

Er hielt die Beziehung zu seiner Heimat Irland aufrecht, wie das von ihm auf das Jahr 748 bezogene und in seinem Todesjahr 784 begonnene Verbrüderungsbuch von St. Peter bezeugt.

 

Virgils konsequentes Vorgehen beim Aufbau einer Diözesankirche mit vielen bischöflichen Eigenkirchen– müsste jetzt umfassender geschildert werden: Siehe Notitia Arnonis aus dem Jahre 788/790

 

Als Erbauer des Salzburger Domes ist Virgil nach der Auffindung seiner sterblichen Überreste im Jahre 1181 in den Geschichtsquellen gewürdigt worden.

Es wäre auch denkbar, dass bereits Rupert um 700 mit dem Bau eines monumentalen Gotteshauses begonnen haben kann.

In den Annales Juvavenses maximi wird von der Überführung der Gebeine des Hl. Rupert und die Weihe einer Kirche zu seine Ehren berichtet zum Jahre 774.

Zeitgenossen wie Alkuin um 800 beeindruckte die Größe des Domes.

(dreischiffige Basilika)

Man nimmt aber eher an, dass in der Zeit 767 – 774 in einer Zeit der größten Machtentfaltung des bayerischen Herzogs Tassilo III (772 Sieg über die Alpenslawen), der über seine Frau Liutperga die Möglichkeit hatte, ausgezeichnete langobardische Bauleute ins Land zu bringen, der Dom erbaut werden konnte.

 

Mit seinem Nachfolger Arno beginnt die Ära der Karolingerzeit und Karolingerkultur. Auf diesem Hintergrund erfolgte im Jahre 798 die Erhebung Salzburgs zum Erzbistum. Salzburg wurde Metropole und Mittelpunkt der Bayrischen Kirchenprovinz und erster Hauptträger der Mission weit in den Ostern nach Mähren und Ungarn.

 

 

2) Ad Passau

 

Literatur: Heinrich Koller, Die bairische Kirchenorganisation des 8. Jahrhunderts: Ansätze, Konzepte, Verwirklichung. In: Das Christentum im baierischen Raum von den Anfängen bis ins 11.Jhd., hrsg. v. Egon Boshof u. H. Wolff, Köln 1994, S 273 – 289.

 

Egon Boshof, Königtum, Kirche und Mission im Südosten des Reiches. Ausgewählte Aufsätze, hrsg. v. Franz-Reiner Erkens, Passau 2012, 1 -24.

 

Die schriftlichen Quellen für diesen Zeitraum des 8. Jhd. sind im Donauraum dürftig, wohingegen in der südlichen, von Mondsee bis Augsburg reichenden Region, eine reichere Dokumentation vorliegt.

Eine Freisinger Traditionsnotiz ist mit 739/740 datiert. Ungefähr zum gleichen Zeitpunkt setzen die an Mondsee gemachten und gleichfalls schriftlich dokumentierten Schenkungen ein.

Die ersten Salzburger Traditionen stammen etwa ebenfalls aus dieser Zeit.

 

Dieser Zeit um 750 als Beginn des bodenständigen Schrifttums entspricht auch der Befund der Literaturgeschichte.

 

Arbeo von Freising war zunächst Urkundenschreiber und verfasste nach der Mitte des 8. Jhd. die Viten Emmerams und Korbinians, dessen Leib er nach Freising überführen ließ. Sein Kult wurde wohl erst durch die Translatio nach Freising und die etwa gleichzeitig entstandene Vita entscheidend gefördert, wenn nicht sogar erst eingeleitet. (H. Koller, ebd. S 274)

Arbeo hat aber nicht nur die Frühgeschichte der Freisinger Kirche verherrlicht, er ist auch für die Verehrung Emmerams zu Regensburg verantwortlich, dem er, wie schon erwähnt, eine zweite Lebensbeschreibung widmete.

Arbeo arbeitete in engstem Kontakt mit Bischof Virgil von Salzburg, der gleichfalls ein fruchtbarer Autor war.

Arbeo und Virgil versuchten den Nachweis zu erbringen, die frühesten Bistumsgründungen in Baiern seien auf diese drei Heiligen (Virgil für Rupert) zurückzuführen.

 

Die ersten Strukturen der Bistümer hatten dabei Klöster zur Grundlage.

Die ersten selbstständigen Domkapitel und Domklöster sind für Salzburg und Regensburg erst gegen Ende des 10. Jhd. eingerichtet worden.

 

H. Koller beschreibt dann die Verhältnisse in Salzburg mit der Abtei St. Peter (siehe tlw. Oben).

 

In Regensburg mit einer alten Georgskirche bestand eine erste Mönchsgemeinde. Erster Abt-Bischof war Gaubald, nach den Traditionsnotizen dürfte aber dies Mönchsgemeinde erst nach einer Translatio der Gebeine Emmerams innerhalb von Regensburg unter Gaubald (739-761) bedeutsam geworden sein. Das Jahr dieser Überführung wird nicht überliefert.

 

Noch schwächer sind die schriftlichen Quellen zu Passau. Vivilo, siehe oben, ist zwar mehrfach belegt, doch gibt es keine glaubhaften Berichte über einen Kult des zu Passau verehrten Valentin. Diese erhielt erst 764 Auftrieb. 6 „(...) noch wissen wir, wie die Verehrung des Heiligen Stephan hier eingeführt wurde.“ (H. Koller, ebd. S 278)

 

Der Hl. Valentin war Bischof in der Spätantike.

 

Dazu jetzt Egon Boshof: „Die Translation der Gebeine des heiligen Valentin aus Trient nach Passau durch den Herzog Tassilo III. um 764 und die Nennung eines heiligen Valentin, Bischof von Raetien, sanctus Valentinus Raetiarum episcopus, in der Severinsvita hat, da man die beiden Heiligen miteinander identifizierte, zu Vermutungen über die Existenz eines spätantiken Bischofssitzes in Passau Anlass gegeben. Aber schon die Tatsache, dass die Translation dem Herzog zu verdanken war und nicht sozusagen aus dem Selbstverständnis der Passauer Kirche erwuchs (Hervorhebung von mir), der heilige Bekenner Valentin im übrigen erst in einer hochmittelalterlichen Vitenkompilation mit dem Raetiarum episcopus gleichgesetzt wurde, macht deutlich, dass man im 8. Jhd. in Passau nicht an eine spätantike Tradition anzuknüpfen gedacht hat; ob die Severinsvita hier zu dieser Zeit überhaupt bekannt war, lässt sich nicht belegen. In der Dombibliothek ist ein Exemplar erst zu Beginn des 10. Jhd. nachzuweisen. Von Eugippius bis Bonifatius (sc. das wäre die Zeit zwischen 533 und 739) schweigen die schriftlichen Quellen zur kirchlichen Situation in unserer Stadt.“ (E. Boshof, ebd. S 4.5) 7

 

Zurück zu H. Koller: Er geht dann auf die „Briefsammlung“, einer im ausgehenden 8. Jhd. in Mainz, als Bayern kurzfristig zur Metropole Mainz gehörte, von Erzbischof Lullus zusammengestellten Dokumentensammlung zur Vita des Hl. Bonifatius u. a. Ereignissen, ein.

 

Darin wird auf die Vorgeschichte der bairischen Diözesen berichtet, aber mit Namen von Bischöfen, die schwer zu identifizieren sind (außer Vivilo). Ein Salzburger Bischof Liudinus soll vor Bonifatius gewesen sein. Es gab also bereits eine von Papst Gregor III vorausgesetzte bairische Kirchenorganisation, wenn auch dann von Bonifatius in ihrer Rechtmäßigkeit bestritten.

 

Ebenfalls dürfte Bonifatius mit Vivilo unzufrieden gewesen sein, denn mehrmals wird betont, dass jener vom Papst selbst bestellt worden sei. Der „Gegner“ Liudinus scheint z. B. im Verbrüderungsbuch des Hl. Virgil um 784 als anerkannter Bischof auf, während Bonifatius fehlt.

Es muss also einen heftigen Streit um die Reformen des päpstlichen Legaten Bonifatius gegeben haben!

 

Das monastische Leben musste im Gegenzug zur turbulenten Bistumsgründung nicht weiter diskutiert werden. Den Konventen genügten ihre Traditionsnotizen.

 

Sind die von Arbeo und Virgil reklamierten Heiligen überhaupt die Bistumsgründer mit bereits festliegenden Residenzen in Freising, Regensburg und Salzburg? (Korbinian + zw. 724/730?; Emmeram  + 685 od. 692 od. 715?; Rupert + 27. 3. 718;?

Nach Ansicht der 8. Jhd. musste ein Bischof in einer Stadt residieren. Es bestand auch die Tendenz, eingegangene Kirchen und Bischofssitze wieder entstehen zu lassen. Die Restauration verfallener Heiligtümer war eine wichtiges Anliegen der Zeit. Dies dürfte für alle baierischen Bischofsstädte zutreffen.

Die Aussichten Regensburgs für ein kirchliches Zentrum waren nicht gut, weil kein Bischof glaubwürdig belegt ist. Regensburg wurde aber wegen der Dauerhaftigkeit seiner antiken Bauten früher Sitz der agilolfingischen Herzöge, und konnte schon wegen dieser Eigenschaft als Stadt angesprochen werden. Sie hatte auch urbanes Ansehen, wie Arbeo absichtlich bemerkt. Aber sonst sind kaum Belege für bischöfliches Wirken nachweisbar. (Frühestens kann nach 760 von einem Emmeramkloster gesprochen werden.)

 

Viel besser ist die Beweisführung für Salzburg – siehe oben 1. Teil.

 

In Freising gibt es überhaupt keine in die Römerzeit zurückreichende Tradition und die Anforderungen einer Stadt für einen Bischofssitz im 8. Jhd. sind ebenfalls nicht nachweisbar.

 

„Nun können wir nicht umhin, auch noch Passau zu berücksichtigen. So bedeutsam der Ort auch gewesen sein muss – und die Vita Severini weiß dazu manches zu berichten – insgesamt ist der Wissensstand zu dieser Siedlung mehr als dürftig. Die Archäologen konnten zwar eine bemerkenswerte Kontinuität wahrscheinlich machen, und so ist es nicht ausgeschlossen, dass eine Christengemeinde, die vielleicht sogar relativ gut organisiert war, überlebte. Analoge Gegebenheiten sich auch für Lorch/Lauriacum denkbar, wo der Floriankult wohl auch bis in die Spätantike zurückreicht. Exakte Angaben der Quellen gibt es jedoch nicht.“ (H. Koller, ebd. S 286).

 

Lorch/Lauriacum war schon in der Spätantike Bischofssitz, „dessen Tradition Passau wohl noch im 8. Jhd. aufgriff. Wenn auch das Wuchern dieser Lorcher Tradition seine Rechtmäßigkeit weitaus leichter beweisen konnte als die Bischöfe zu Freising, Regensburg und Salzburg und überdies auf einen blühenden und ganz typischen Stephanskult bauen konnte. (….) Wir dürfen sogar den Verdacht äußern, dass die als zu gering empfundenen Heiligenverehrung in den drei erstgenannten Orten (sc. Regensburg, Salzburg, Freising) auch ein Anlass für das reiche Schrifttum zu frühen Bistumsgründern war, das in Passau fehlt – wie zum Beispiel auch in Augsburg – weil in diesen beiden Zentren eine umständliche und mühsame Beweisführung für ein höheres Alter und eine größere Bedeutung dieser Kirchen mit deren alten Kulten sich erübrigte.“ (H. Koller, ebd. S. 286.287; Hervorhebung von mir) Die Passauer Quellen, wie H. Koller ganz am Schluss noch sagt, müssten für Passau noch mehr zu Rate gezogen werden. Das Jahr 739 mit den Gründungsakten des Hl. Bonifatius bedeutet für diese Stadt natürlich eine deutlichere Zäsur als z. B. für Salzburg.

 

H. Koller führt schlussendlich zur Frage nach dem Alter der Diözesen aus - „ein Streit, der kaum befriedigend abgeschlossen werden kann“ -, dass ein intensives geistiges und geistliches Leben nicht nur bemerkenswert erste Initiativen braucht, auch nicht nur kanonisch einwandfreie Bischofsweihen. (...) und so müssen wir die Leistungen Arbeos und Virgils erinnern und nicht zuletzt au die entscheidenden Förderung bodenständiger Kulte verweisen, wodurch die 739 geschaffene Rechtmäßigkeit der älteren bairischen Bistümer erst ihren Aufschwung nahm.“ (ebd. S. 288). Schließlich muss noch hervorgehoben werden, dass ein Herzog Tassilos III. und seine Zeitgenossen für den Ausbau der bairischen Kirche und des ganzen Kulturlebens ebenfalls die ausschlaggebenden Maßnahmen zur rechten Zeit ergriffen haben.

 

Rein chronologisch gesehen, wenn jetzt nicht nur auf die 739 von Bonifatius gleichzeitig erfolgte kirchenrechtliche, vom Papst am 29. 10. 739 sanktionierte, Installation der Diözesen gesehen wird, kann und muss nach E. Boshof die Diözese Passau aber älter angesehen werden. 8

Wenn in dem Schreiben des Papstes Gregor III an Bonifatius erwähnt wird, dass der Bischof von Passau, Vivilo, von ihm selbst geweiht wurde, so kann dies frühestens 731 (Weihe Gregors am 18. 3. 731) geschehen sein, auf jeden Fall bestand aber bereits eine Art Bischofssitz im Jahre 739. Leider wissen wir von Vivilo wenig. Eine Passauer Traditionsnotiz erwähnt ihn im Zuge einer Einweihung einer Marienkirche – die mit dem Pischelsdorf unserer Gegend identifiziert wird -. im Jahre 737, wobei er dorthin auch Reliquien brachte.

Vielleicht stammte Vivilo aus England? Ob er als Klosterbischof angesehen werden darf, vergleichbar den für Salzburg vor 739 bezeugten Klosterbischöfen, ist fraglich, da eine klöserliche Gemeinschaft in Passau nicht nachweisbar ist. (E. Boshof, ebd. S 20). Den Status eines Wanderbischofs aber, der ohnehin nur über eingeschränkte Weihebefugnisse verfügte, dürfte er sicher überstiegen haben, da Bonifatius ihn unter solchen Voraussetzungen auf keinen Fall akzeptiert hätte. „Wir müssen uns bescheiden und damit begnügen, das Faktum einer besonderen Situation in Passau zur Kenntnis zu nehmen.“ (ebd. S 21)

1Regenwunder, überraschende Rettung römischer Truppen während der Feldzüge gegen die Germanen (Markomannen), wahrscheinlich am 11. 6. 172 n. Chr. Nachfeindlicher Einschließung gerieten die Römer durch glühende Hitze und Wassermangel in schwerste Bedrängnis und wurden durch ein plötzlichesGewitter gerettet. Dies wurde bei heidnischen und christlichen Autoren göttlichemEingreifen zugeschrieben, von Tertullian († nach 220) und später von Eusebios wird es auf die Erhörung des Gebets christlicher Soldaten zurückgeführt. DasRegenwunder ist der älteste Hinweis auf die Anwesenheit von Christen imösterreichischen Raum. Darstellung des Regenwunders auf der Mark-Aurel-Säule in Rom.

http://www.aeiou.at/aeiou.encyclop.r/r314878.htm

2http://de.wikipedia.org/wiki/Breves_Notitiae

Die Breves Notitiae sind zusammen mit der Notitia Arnonis Güterverzeichnisse des Erzbistums Salzburg aus der Zeit um 800.Arno, seit 785 Bischof von Salzburg, listete um das Jahr 790 herum die weitverstreuten Stiftungen und Besitztümer, die die Kirche von den Agilolfingern erhalten hatte,in einem Dokument auf, das heute als Notitia Arnonis oder als Indiculus Arnonis[1] bezeichnet wird, einem der ersten Liegenschaftskataster der Welt. Karl der Große bestätigte den Kirchenbesitzim Jahr 790 und veranlasste die Erhebung zum Erzbischof und zum Metropoliten der Salzburger Kirchenprovinz durch Papst Leo III. im Jahre 798. Arno ließ um 798/800 die Notitia Arnonis um die Breves Notitiae (‚kurze Aufzeichnungen‘) erweitern.

3Autor:Wolfram, HerwigTitel:Libellus Virgilii : ein quellenkritisches Problem der ältesten Salzburger GüterverzeichnisseIn:Mönchtum, Episkopat und Adel zur Gründungszeit des Klosters ReichenauBei Zeitschriften: Band, Jahr, Heft:Erscheinungsort:Verlag:Erscheinungsjahr:1974Seiten:177-214

4http://de.wikipedia.org/wiki/Maximilian_von_Celeia

Bischof Rupert von Salzburg wurde auf das Grab des hl. Maximilian im Pongau aufmerksam und errichtete ihm zu Ehren im Jahre 710 dort eine Kirche. Im nachmaligen Bischofshofen hatte sich die Verehrung dieses Heiligen seit spätantiker Zeit erhalten. Der Legende nach war er Bischof in Lorch, dem antiken Lauriacum bei Linz. 887 ließ König Karlmann die Reliquien des Heiligen nach Altötting bringen. Um das Jahr 985 wurden sie durch Bischof Pilgrim in den Passauer Dom transferiert. 

5Wiederum nur ein allgemeiner Überblick ohne historisch-kritische Gewähr, aus wikipedia:http://de.wikipedia.org/wiki/Rupert_von_Salzburg

Der heilige Rupert Salzburg (auch Ruprecht, Hrodperht, Hrodpreht, Roudbertus, Rudbertus, Robert)[1] (* um 650 vermutlich inWorms; † vermutlich 27. März 718 in Worms) war Bischof von Worms sowie erster Bischof in Salzburg und Abt des dortigen Mönchs-Klosters St. Peter.

 

6Zum Hl. Valentin siehe ebenfalls wikipedia: Der hl. Valentin von Rätien (* vor 435; † um 475 inMais, dem heutigen Meran) war einer der ersten Bischöfe von Passau.

7Zu Eugippius siehe wikipedia: Eugippius (auch: Eugippus) (* ca. 465, evtl. in Nordafrika; † nach 533 in Castellum Lucullanum bei Neapel) ist ein frühchristlicher Heiliger und Kirchenschriftsteller und als Biograf des Mönches Severin von Noricum († 482) von besonderer Bedeutung.

8E. Boshof, a. a. O., S 19.20.   

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