25. Sonntag im Jahreskreis 20. 9. 2026
Angesichts des drohenden Märtyrertodes bleibt Paulus innerlich sehr gelassen und handlungsfähig. Er überlegt, was besser wäre angesichts der Alternativen, die ihm womöglich bleiben… Aus dem Gefängnis schreibt er seiner geliebten Gemeinde in Philippi bewegende Worte: Egal, was geschieht, ob er lebt oder stirbt, durch seinen Körper, in seinem Leib, wird Christus verherrlicht. Der Gefangene bleibt so im Namen Gottes immer derjenige, der im besten Sinn des Wortes „frei“ ist. Niemand – auch ein Scharfrichter nicht – kann verhindern, dass Paulus mit Leib und Seele für Christus zeugt. Letztlich fände Paulus es aber doch besser, er könnte noch etwas verkünden – der Wille zu leben ist stärker – um der Gemeindemitglieder willen, und er wird bis zu seinem Märtyrertod in Rom noch fast zehn Jahre in der Verkündigung tätig sein. Seine Haltung gilt in damaliger Zeit als vorbildlich, denn das eigene Bedürfnis für andere zurückzustellen, galt als erstrebenswert. Dennoch freut sich Paulus zugleich auf ein Leben nach dem Tod bei Gott. Das gibt ihm diese große innere Freiheit!
Evangelium: Mt 20,1-16
In jener Zeit erzählte Jesus seinen Jüngern das folgende Gleichnis:
1 Mit dem Himmelreich
ist es wie mit einem Gutsbesitzer,
der früh am Morgen hinausging,
um Arbeiter für seinen Weinberg anzuwerben.
2 Er einigte sich mit den Arbeitern auf einen Denár für den Tag
und schickte sie in seinen Weinberg. (…)
Das Gleichnis ist eine spannende Erzählung, die aktives Mitdenken braucht. Nur wer beim Hören anfängt, darüber nachzudenken, wie viel Lohn wohl die im Lauf des Tages angeworbenen Arbeiter im Vergleich zu den Ersten erhalten werden, kann am Ende überrascht und irritiert die „andere Logik“ Gottes begreifen. Der letzte Satz ist keine Drohung, sondern eine Einladung, sich angesichts der unbegreiflichen und überwältigenden Güte Gottes mitzufreuen.
Jesus von Nazaret war überzeugt von der unmittelbaren Nähe der Herrschaft Gottes. In Taten und Worten lässt er seine Nachfolgerinnen und Nachfolger an dieser Nähe des Gottesreiches Anteil nehmen. Vor allem mit Gleichnissen macht er wesentliche Züge der Herrschaft Gottes deutlich. Zu seiner Zeit gab es ganz verschiedene Auffassungen darüber, wann und wie Gott seine Herrschaft (wieder) ergreifen und ausüben wird. Alle Gleichnisse sind mit Absicht erfundene Geschichten, die nicht nach ihrer Logik befragt werden dürfen. So wäre es sinnlos zu fragen, warum der Gutsbesitzer so schlecht organisiert, dass er immer wieder auf den Markt gehen muss, und warum er beim Auszahlen bei den Letzten beginnt. Gerade mit diesen zwei Zügen wird Wesentliches über den Gutsbesitzer ausgesagt. Nach Jes 5 steht der Weinberg im Judentum theologisch als
Metapher für das Volk Israel, um das sich Gott bemüht: „Ja, der Weinberg des Herrn der
Heere ist das Haus Israel und die Männer von Juda sind die Reben, die er zu seiner Freude gepflanzt hat“ (Jes 5,7a)
Der Gutsbesitzer ist dann offensichtlich mehr um die Arbeiter als um den Weinberg besorgt. Immer wieder (fünfmal) geht er, um Arbeiter – eben für den Weinberg – anzuwerben.