Druck von außen führt zum Zusammenschluss im Inneren?
Predigt 7. Ostersonntag, 17.5.2026, Nst.+Ok.
Perikopen: Apg 1,12-14 Joh 17,1-11a
Liebe Brüder und Schwestern im gemeinsamen Glauben!
Eine gruppendynamische Regel lautet: „Druck von außen führt zum Zusammenschluss im Inneren?“ Das hat in der Kirchengeschichte oft gestimmt. Dort, wo der Druck von außen groß war, wo es Bedrohung gab, war das Christentum nach innen hin oft sehr stark. Denken wir hier zurück an die Christenverfolgungen der ersten Jahrhunderte. Oder denken wir an die Kirche in der NS-Zeit. Trotz Verfolgung und Diffamierung alles Christlichen, hat der Zweite Weltkrieg die Kirchen in einem ungeheuren Maß angefüllt, wie wir es seitdem nicht mehr erlebt haben. Auch auf die heutige Lesung lässt sich diese Regel anwenden. Nach der Himmelfahrt Jesu sperren sich die Apostel ein. Noch ist Karfreitag und Auferstehung nicht recht verdaut, jetzt ist er auch noch ganz weg und man steht unter Beobachtung einer Umwelt, die nicht ganz freundlich gesinnt scheint. Der Druck ist da. Aber sie werden stark. Sie beten. Sie haben eine Ahnung, dass das hilft. Und schon sehr bald, zu Pfingsten, wird diese Ahnung zu einer ganz lebendigen Gewissheit. Vielleicht ist das ein guter Schlüssel, wie wir heute leben können und sollen. Drei Gedanken dazu.
Erstens: Druck von außen. Ja, wir erleben als Kirche viel Druck von außen. Aber dieser ist ganz anders als früher. Bekämpfen tun wir uns Gottseidank nicht mehr, auch das Beschimpfen ist sicher weniger geworden, außer bei ganz niedrigstem Stammtischniveau und hinten herum. Der Druck von außen ist anders. Es ist der Druck der Gleichgültigkeit, es ist ein gleichgültiger Zeitgeist. Alles ist gleichgültig geworden, wie man lebt, wie man glaubt, wie man hofft, wie man eine religiöse Praxis hat, oder nicht hat, es ist gleichgültig. Alles gilt irgendwie. Jeder soll nach seiner Fasson selig werden. Und da kommt man dann eigentlich nicht mehr aus. Da muss man dann halt mittun. Denn gegen einen gleichgültigen Zeitgeist steuern, das ist schwer. Da kommt man nicht mehr dagegen an.
Zweitens: Es wird normal. Ja, vieles, was vor zwanzig, dreißig Jahren noch unvorstellbar in Welt, Kirche, Gesellschaft und Wirtschaft ist normal geworden, so als ob es immer schon so gewesen ist. Der Mensch ist ein Gewohnheitstier. Und da gibt es freilich auch viele gute Gewohnheiten. Aber es gibt halt das andere auch, leider sehr massiv und das ist dort, wo man sich der Wahrheit nicht mehr verpflichtet weiß. Es ist Gewohnheit geworden den Menschen etwas vorzumachen. Man verkauft das oft unter dem Deckmantel der Diplomatie. Es ist Gewohnheit geworden, dass wir die schlechten Nachrichten aus aller Welt immer sofort geliefert bekommen, mit den guten aber eher sparsam ist. Es ist Gewohnheit geworden, dass der Sonntag nicht mehr Gott gehören darf. Ja, so viel ist Gewohnheit geworden. Wir haben uns gewöhnt, dass das Abnormale normal und das Normale abnormal geworden ist. Und auch, wenn wir als Einzelne nicht viel tun können, oft vielleicht hilflos und ohnmächtig sind, „i bin ma net gscheit gnung“ habe ich einmal in einem alten Film gehört, eines können wir tun, nämlich versuchen die Dinge zu durchschauen, uns ein Urteil bilden. „Prüft alles, und behaltet das Gute.“ Die Unterscheidung der Geister ist wichtig. Der Heilige Geist, den wir in diesen Tagen erbitten, möge uns die Gabe einer tiefen inneren Erkenntnis schenken.
Drittens: Wir sollen uns einfach Kirche zu sein, und wir sollen uns bemühen es gut zu sein. Als Kirche einfach Kirche sein, und das auch sein wollen, in den drei Grundvollzügen auf die sich Kirche eben aufbaut, und die wir kurz bedenken dürfen: Diakonie, Martyria und Liturgie. In der Diakonie, also im sozial-caritativen Bereich, gelingt das wohl am besten, denken wir zum Beispiel an die großartigen Sternsingerergebnisse. In diesem Bereich wird uns wohl noch am meisten Relevanz zugebilligt, wobei allerdings das caritative Tun seltsamerweise oftmals gar nicht mit Kirche in Verbindung gebracht wird. Es geschieht viel Caritatives in der Kirche. Dies hin und wieder in Erinnerung zu rufen, ist wichtig. Aber auch die beiden anderen Vollzüge Liturgie, Feiern unseres Glaubens, und Martyria Verkündigung des Glaubens, verdienen Beachtung, wir dürfen sie pflegen und darauf vertrauen, dass sie aus sich heraus leuchten. Denn auch da haben wir Alleinstellungsmerkmale. Ich denke wir feiern in unserer Pfarre eine schön gestaltete Liturgie. Nützen wir die Zeit, um der Sehnsucht der Menschen nach Spiritualität, nach Transzendenz, nach Tiefgang, entgegenzukommen. Die Liturgie der Kirche mit ihren Riten und Mysterien hält den Himmel offen. In der Verkündigung haben wir Wichtiges auszurichten, „ob gelegen oder ungelegen.“ Wir haben etwas Wichtiges zu sagen. Wir müssen als Kirche das sagen, was wir immer gesagt im Hinblick auch auf den Schutz des Lebens. Selbst wenn wir unter den letzten sein sollten, die am Lebensschutz von der Zeugung bis zum natürlichen Tod hochhalten und verteidigen, wir werden es auch weiter tun, weil es notwendig ist und der Wahrheit des Menschen entspricht. Der Verzicht auf unsere klassischen Themen im Schielen auf dadurch vielleicht wiederzugewinnende Beliebtheit wird das Gegenteil zur Folge haben und uns noch mehr überflüssig machen. Wenn wir als Kirche zu manchen Dingen nichts mehr sagen, wer denn sonst? Freilich, es kommt immer darauf an, wie wir es sagen, dass wir es nicht pauschal sagen, und dass wir uns immer wieder auch bewusst machen, dass die Kirche eine Kirche der Sünder ist, leider mit sehr viel Versagen. Ich kann nur raten, nicht immer an vermeintlichen gesellschaftlichen Erwartungen Maß zu nehmen, sondern an Gottes Wort und einer Vernunft, die vom Glauben geweitet die Wahrheit über den Menschen erkennt. Etwas mehr Vernunft würde uns gut tun.. Auch die schenkt der Heilige Geist in seinen vielfältigen Gaben, vor allem in der Gabe der Erkenntnis.
Liebe Brüder und Schwestern!
„Druck von außen führt zum Zusammenschluss im Inneren?“ Ob das heute stimmt im Druck der Gleichgültigkeit, wo so vieles normal geworden ist. Bemühen wir uns, jeder und jede von uns, gut und authentisch Kirche zu sein. Begeben wir uns wie da Apostel in den Abendmahlsaal und bitten wir in der Nähe Mariens, um die Dynamik des Heiligen Geistes, damit Zusammenschluss nach Innen gut geschehen kann. Amen.
