Florianimesse der Feuerwehr
Predigt Florianimesse der Feuerwehr, 5. Ostersonntag, 3.5.2026, Ok.+ Lb. Perikopen: Apg 6,1-7 Joh 14,1-12
Liebe Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr, liebe Brüder und Schwestern im gemeinsamen Glauben!
Im Jahr 2018 hatte die oberösterreichische Landesaustellung ein interessantes Motto. Es lautete: „Die Rückkehr der Legion. Römisches Erbe in Oberösterreich.“ Die Aufmerksamkeit richtet sich hier auf alles, was durch die Römer bis heute unsere Gesellschaft geprägt hat. Das ist viel. Der Standard der Wellnesskultur wurde über Jahrtausende nicht mehr erreicht. Auch das europäische Straßennetz geht zu einem nicht geringen Teil auf die römischen Legionen zurück. Die Römerzeit hat unser Denken und unsere Bildung, unser Rechtssystem, unsere Sprache, unsere Alltagskultur beeinflusst. Dieses Erbe haben wir mit vielen Völkern Europas gemeinsam, ja es bildet ein Fundament für das moderne Europa. Auch das Christentum darf als wichtiges Verbindungsglied zu dieser Zeit gesehen werden. Der christliche Glaube und viele Werthaltungen verbinden uns mit den Menschen der Römerzeit. Und ein Mensch dieser Zeit ist euer Patron, unser Patron der heilige Florian. Drei Gedanken im Blick auf diese Zeit, um aus ihr zu lernen.
Erstens: „Ich bete kein Wahngebilde an.“ Florian erwiderte dem Statthalter Aquilinus, der ihn aufgefordert hatte, den römischen Göttern zu opfern, Folgendes: „Als ich noch irdischen Kriegsdienst versah, habe ich schon im Geheimen meinen Gott verehrt. Bis heute habe ich den Befehlen der Richter Folge geleistet. Ich habe gehorcht wie es sich für einen Soldaten gehört. Zu einem Opfer an die Dämonen aber kann mich niemand überreden. Das hilft ihnen ohnedies nichts. Wahngebilde (fantasmata) bete ich nicht an.“ Das, was der heilige Florian furchtlos vorträgt und ihn das Leben kostet, ist vermutlich ein Vorwurf, mit dem Christen der Frühzeit oft konfrontiert wurden. Der Glaube an den auferstandenen Christus, der hohe Gemeinschaftsethos, das neuartige Phänomen der praktizierten Nächstenliebe, die Höhe des Anspruchs und der Wille zur Verbreitung der Glaubensbotschaft, machte die Christen für die römischen Zeitgenossen in hohem Maße seltsam. Für nicht wenige waren die Glaubensinhalte der Christen nichts anderes als Fantasmata, Wahngebilde. Christen galten als sonderbar. Das Besondere an den Christen: Sie lebten aus der Erfahrung der Nähe Gottes mit einer tiefen Überzeugungskraft und der Entschlossenheit das eigene Leben danach auszurichten. Zudem sprengte die von den frühen Christen praktizierte Nächstenliebe die damaligen Vorstellungen. Sie war ein etwas ganz Neues, das wesentlich zur Attraktivität der aufstrebenden Religion beitrug. In seiner Gesamtheit wurde das Christentum jedoch nicht nur als seltsam sondern auch als politisch gefährlich für das politisch wankende Großreich eingestuft. So auch zur Zeit Florians und seiner Gefährten bei der großen Christenverfolgung unter Diokletian im Jahr 304. Das Christentum zurzeit Florians hatte etwas Gefährliches und Brisantes. Vielleicht würde dies unserer Zeit wieder guttun.
Zweitens: Das Christentum brachte Nächstenliebe und Friede. Die Freiwillige Feuerwehr hat sich wohl dieser Nächstenliebe verschrieben. Die rasche Ausbreitung des Christentums bis zu uns ist belegt. Es waren Soldaten, Beamte, Kaufleute, Handwerker, Zuwanderer und Sklaven aus dem schon stärker christianisierten Osten des Reiches, die als erste Glaubensboten zu uns kamen. Die städtischen Siedlungen und militärischen Anlagen waren Knotenpunkte dafür. Historiker halten es für möglich, dass bereits um 70 n. Chr. das Christentum mit einzelnen christlichen Soldaten in unserer Region gewesen sind. Der heilige Florian ist schließlich der erste Märtyrer, den wir namentlich kennen, dessen Verehrung sich bis in die Zeit der ersten erhaltenen nachrömischen Dokumente im 8. Jahrhundert durchgehalten hat. Dazwischen musste unsere Heimat Jahrhunderte des gewaltsamen Umbruchs, des Niedergangs eines geordneten Staatswesens erleben. Vertreibungen und Kriegszustände waren Begleitumstände des Zusammenbruchs des Römischen Reiches im 5. Jahrhundert. Das Christentum hat in dieser Zeit versucht Frieden und Nächstenliebe zu bringen. Das ist für uns Verpflichtung bis heute.
Drittens: Der heilige Florian und seine Zeit ist für uns Erbe und Auftrag zugleich. Wir dürfen fragen: Was bleibt von Florian und den prägenden Frühgestalten des Christentums? Was bleibt von der kulturellen Prägekraft des Christentums für unser Land? Was bleibt von einer Zeit, wo die römischen Ausgrabungen unserer Heimat noch mit menschlichem Leben erfüllt waren? Wir konservieren zu Recht Bauwerke aus dieser Zeit. Wir bekommen ein Bewusstsein für das Gewesene, aus dem die Gegenwart hervorgehen konnte. Es steht uns gut an, auch die Werte und Ideale, für die Florian frühen Christen standen, zu bewahren und lebendig zu halten. Aber nicht als nostalgische Erinnerung, sondern als Haltung, die eine Brücke baut von der Frühzeit unseres Glaubens, über die zahlreichen Zeiten der Umbrüche und menschlichen Abgründe der Geschichte hindurch, bis in unsere Zeit. Sind wir bereit, den Glauben an Jesus, die Überzeugung von der unbedingten Hinwendung zum Nächsten, die christlichen Werte weiterzugeben, an die Generationen nach uns? Wissen wir noch um die Kraft, die in diesem wertvollen Erbe steckt?
Liebe Brüder und Schwestern, liebe Feuerwehrkameraden!
Man nennt die Mitglieder der Feuerwehr gerne Florianijünger. Das ist ein schöner Ausdruck. Wir alle können Jünger und Jüngerinnen des heiligen Florian sein. Wir können eine Brücke in diese Zeit bauen, dass wir eben auch keine Wahngebilde anbeten, sondern den Gott der Christen, den uns Jesus gezeigt hat. „Herr zeig uns den Vater, das genügt uns,“ sagt Philippus. In Jesus sehen wir den Vater. Aus diesem Glauben heraus dürfen wir Florianijünger sein, die Frieden und Nächstenliebe in die Welt bringen, damit das christliche Erbe nicht verstaubt, sondern lebendig wird. Jedes Erbe ist ein Auftrag. Ein Auftrag für uns alle. „Heiliger Florian, bitte für uns.“ Amen.
