Wo ist mein Platz in dieser Woche?
Predigt Gründonnerstag, 2.4.2026
Perikopen: 1 Kor 11,23-26 Joh 13,1-15
Liebe Brüder und Schwestern im gemeinsamen Glauben!
Dem Gründonnerstag verdanken wir sehr viel. Ich möchte heute eines herausgreifen, das Größte und Wichtigste dieses Tages, die heilige Kommunion: „Nehmet hin und esset, das ist mein Leib, nehmet hin und trinket, das ist mein Blut.“ Die Kommunion ist das höchste Gut, das wir haben, das Allerheiligste, wie wir es auch bezeichnen. Kommunion, was bedeutet das Ganze? Drei Gedanken.
Erstens: Wir empfangen Jesus Christus selber. In diesen kleinen unscheinbaren Zeichen von Brot und Wein ist der Herr für uns da und gegenwärtig, so wie ihn damals die Jünger gesehen und erfahren haben. Gott ist total anwesend im Brot und im Wein. Den Verstand übersteigt das. Es vermag nur das Herz zu begreifen. Wir glauben an einen Gott, den wir empfangen und in uns aufnehmen dürfen, um seine Nähe zu erfahren und um mit ihm im guten Gespräch zu bleiben. „Das Fleisch des Menschensohnes Essen und sein Blut trinken,“ sagt uns der Evangelist Johannes. Den ersten Christen hat es den Vorwurf eingebracht, sie seien Kannibale, die Menschenfleisch essen und Menschenblut trinken. Nein, das ist es nicht. Wir sind keine Menschenfresser. Wir sind vielmehr Menschen, die Christus empfangen dürfen, ihn verkosten und genießen können. Gibt es etwas Größeres? Vielleicht sollten wir uns einfach wieder einmal bewusst machen, was für ein heiliger und kostbarer Moment die Kommunion ist. Und das wir einfach auch über die Kommunionpraxis nachdenken. Ich möchte das jetzt überhaupt nicht wertend tun. Da sind wohl noch viele von früher geprägt. Ja nicht zu oft, ja nicht zu häufig zur Kommunion gehen, ich bin nicht würdig, ich fühle mich nicht würdig, ich möchte mich vielleicht auch gar nicht würdig fühlen, weil es mir eine gewisse Distanz bewahrt. Wie gut ist es, dass wir jedes Mal vor der Kommunion aus ganzem Herzen gemeinsam sprechen können: „O Herr, ich bin nicht würdig,….., aber sprich nur ein Wort so wird meine Seele gesund.“ Und gibt es auch das andere Extrem. Ich gehe halt so zur Kommunion, ohne viel Nachdenken, wie ich mir bei der Kirchentüre das Weihwasser nehme. Das ist es auch nicht ganz. Auf eines sollten wir uns einigen. Zur Kommunion gehen, Christus empfangen sollte eine Herzenssache sein. Zuerst muss es eine Herzenssache sein. Daran schließt sich alles an.
Zweites: Christus im Menschen begegnen. Ich bin nicht der einzige, der zur Kommunion geht, es sind auch andere, nicht nur hier, sondern auf der ganzen Welt. Ich schlucke Christus, ich sage hier Amen zu ihm. Dann bleibt mir nur noch der Nächste zu schlucken, dann muss ich auch mein Amen zum Nächsten sagen. Es braucht eines, nämlich das Feingefühl den Herrn in allem zu entdecken. Das ist ein gutes Feingefühl, das wir uns aneignen sollen. Denn der Herr ist in jedem. Wir sind, auch, wenn es etwas seltsam klingt Abbilder Gottes. Sagen wir etwas moderner, Selfies sind heute in, wir sind Selfies Gottes. In jedem Mensch begegnet uns Gott in jedem ist er zu finden. Beim gemeinsamen Kommuniongehen kann uns das vielleicht noch deutlicher bewusster werden. In jedem lässt sich Gott finden. Dafür müssen wir eines tun, die Augen weit aufmachen, gemeint sind die Augen des Herzens. Ohne offene Augen geht das nicht. Und dafür braucht es eines. Die Gnade Gottes. Wir brauchen die Gnade Gottes. Wir sind nicht Kinder irgendeiner Tradition oder Gewohnheit, ich habe leider den Eindruck wir verstehen uns oft bloß so, wir sind Kinder der Gnade. Diese Gnade hilft uns die Augen aufzubringen. Wir müssen sie einlassen. Gegen unseren Willen werden wir Gott nicht finden, im Nächsten nicht und nirgendwo. Ich muss bereit sein dafür.
Drittens: Einheit. Ein Brot ist es, von dem wir essen, ein Kelch, von dem wir trinken. Mit der Kommunion verbindet sich immer der Gedanke der Einheit und Einmütigkeit. Die Einheit ist ein Geschenk und eine Gabe Gottes, die wir pflegen dürfen. Es ist nicht immer leicht. Nicht umsonst hat der für die Seinen um diese Gabe gebetet. Wir wissen auch, dass im Laufe der Kirchengeschichte das Kleid des Herrn zerrissen ist, leider auch durch manche Unwissenheit und Bosheit, und die Zerreißproben sind da, bis heute, manches müsste nicht sein. Was können wir da tun im Blick auf das eine Brot und den einen Kelch? Uns einfach bemühen, das zu meiden, was diese Einheit im Herrn auf irgendeine Weise ankratzt. Das ist nicht leicht. Vielleicht geht es besser, wenn wir es einfach mit dem Vorurteil der guten Meinung probieren. Das Vorurteil der guten Meinung haben. Das ist ein tolles Vorurteil: Er oder sie meint es gut, auch wenn wir es vielleicht nicht immer so glauben können. Und nur weil der Herr die Seinen liebte bis zu Vollendung, weil er es gut meinte mit den Menschen bis zur Vollendung, deshalb griff er zu Schüssel, Wasser und Handtuch um den Jüngern die Füße zu waschen. Er fragt freilich nach: „Begreift ihr, was ich an euch getan habe?“ Und dann ist die klare Anweisung: „Ich habe euch ein Beispiel gegeben, damit auch ihr so handelt, wie ich an euch gehandelt habe.“
Liebe Brüder und Schwestern!
Die Kommunion ist das größte und schönste Geschenk des Herrn für uns. Wir dürfen Christus selber empfangen, um ihn dann in den Menschen zu entdecken, deren Einheit dem Herrn so wichtig war und ist. Wo wir das vor Augen haben, sind wir als Kirche unterwegs. Amen.
