Das Leben mit Jesus Christus wagen
Predigt 3. Fastensonntag, 8.3.2026
Perikopen: Röm 5,1-2.5-8 Joh 4,5-42
Liebe Brüder und Schwestern im gemeinsamen Glauben!
Nach der Wüste und dem Berg Tabor geht es heute wieder an einen anderen Ort, den Jakobsbrunnen, der in Sychar, Samarien, für gläubige Juden heidnisches Gebiet und quasi Ausland, liegt. Und dort wird eine ausländische Frau neugierig auf Jesus und kommt nach diesen langen Gesprächen, in denen immer wieder aneinander vorbeigeredet wird, nach und nach zum Glauben an ihn. Und aufgrund ihrer Worte und ihres Glaubens kamen viele Samariter zum Glauben an ihn. Da hat sich wohl im Gottesbild manches getan. Da haben sie wohl kapiert, dass dieser Jesus den eigentlichen Durst des Lebens stillen kann. So dürfen wir uns auch an den Brunnen setzen und einfach ein wenig nachdenken. Drei Gedanken sind mir gekommen.
Erstens: Wer ist Jesus Christus wirklich? Das ist die Frage, ist er ein begnadeter Prophet, ein Wunderheiler, ein Wanderprediger mit tollen Gleichnissen? Ist er ein besonderer Mensch, ein neuer Mose, ein starker Kritiker seines Volkes? Nach unserem Glauben ist er wahrer Gott und Mensch. Das scheint jetzt als Formel so dahingesagt, aber es ist einfach heruntergebrochen: Der wahre Gott ist ein wirklicher Mensch geworden, um so ein totaler Gott mit uns zu sein. Jesus Christus ist ein Gott mit uns und für uns, ein Gott auf Augenhöhe, ein Gott, der das Leben mit uns teilt. Der Gott mit uns ist ein Gott für uns. Das kann uns am Gründonnerstag wieder neu bewusst werden: „Mein Leib für euch gegeben,….mein Blut für euch vergossen.“ Ein Gott mit uns und für uns kommt uns vielleicht näher und ist uns realer, als ein Gott der oben in seinem Himmel bleibt, oder wie wir seinen Bereich eben nennen.
Zweitens: Jesus Christus, wahrer Gott und wahrer Mensch, Gott mit und für uns, da geht es jetzt nicht nur darum, dass wir eine passende Formulierung haben und die Dogmatik stimmt. Es ist die ganz persönliche Frage nach dem eigenen Gottesbild. Welches Bild von Gott habe ich in meinem Herzen. Es reicht nicht aus bloß ein Bild von Gott im Verstand zu haben, nein das Gottesbild muss in meinem Herzen sein? Auch im Gottesbild der Frau und der anderen Samariter hat sich etwas getan. Juden und Samaritar hatten zwar ein ähnliches Gottesbild, aber es gab Unterschiede. Es hat sich etwas getan, sonst hätten sie nicht zum Glauben an ihn kommen können. Und da lege ich mir selber und uns allen einfach nahe, dass wir uns Jesus Christus zum Gottesbild nehmen. Nehmen wir uns das ganze einmal so vor und lassen wir es für uns noch konkreter werden:
Drittens: Einfach hinschauen auf Jesus und das Ganze ausprobieren. Wie sehe ich diesen Jesus ganz konkret für mich. Ist, wie dieser Jesus reagiert, ein Gott für mich? Ist dieser Jesus, wie er handelt ein Gott für mich? Ist, wie dieser Jesus lebt, ein Gott für mich? Ist wie dieser Jesus mit der Frau am Jakobsbrunnen redet und umgeht, ein Gott für mich, der zumindest nach und nach den Durst meines Lebens stillen kann? Ist dieser Jesus, wie wir ihn sehen eine Hilfe um zu wissen, wie es Gott mit uns meint? Für mich ist er so eine Hilfe, eine Hilfe, und das sollten wir immer, wirklich immer mitdenken, dass er es gut mit uns meint. Er meint es gut mit uns und möchte uns klar machen, dass wir gut miteinander umgehen. Paulus sagt heute im Römerbrief das Wort: „Gerecht gemacht aus dem Glauben, haben wir Frieden mit Gott, durch unseren Herrn Jesus Christus.“ Ja, wer an einen solchen Gott glauben kann, der es gut mit uns meint, wird gerecht und findet Frieden, bereits in dieser Zeit und erst recht in Ewigkeit. An dann dürfen wir uns fragen, warum bauen wir oft so eine Distanz zu ihm auf´, obwohl er es doch so gut mit uns meint. Schaue auf Jesus Christus. Er ist der Schlüssel des Herzens. Er vermag unser Herz zu öffnen für Gott, wie er es bei der Frau am Jakobsbrunnen, die freilich ihre Geschichte und Geschichten hatte, wie er es bei den Samaritanern und bei vielen anderen Menschen konnte, bis heute, ja davon dürfen wir überzeugt sein, bis heute. So ist er für uns Geschenk, Gabe lebendigen Wassers. Aber jedes Geschenk und jede Gabe ist auch eine Aufgabe für uns. Dieser Aufgabe dürfen wir in der Fastenzeit ein wenig mehr nachspüren und sie etwas intensiver leben.
Liebe Brüder und Schwestern!
Ich hoffe, dass uns das Verweilen am Jakobsbrunnen ein wenig helfen kann. Dass wir nachdenken, wer dieser Jesus Christus im Glauben der Kirche ist, wer er für mich persönlich ist und, dass wir gut auf ihn hinschauen und das Leben mit ihm wagen, das Leben, das uns vom ihm als Gabe geschenkt und als Aufgabe gegeben ist. Amen.
