3 Geschenke
Predigt Erscheinung des Herrn, 6.1.2026
Perikopen: Eph 3,2-3a.5-6 Mt 2,1-12
Liebe Brüder und Schwestern im gemeinsamen Glauben!
Weihnachten hat mit dem Schenken zu tun. Zu Weihnachten hat sich Gott im Kind von Betlehem uns und der ganzen Menschheitsfamilie geschenkt. Zu Weihnachten hatten wir auch die Möglichkeit, oder gar die Verlegenheit einander etwas zu schenken, vielleicht auch etwas, was wir gar nicht unbedingt brauchen. Und das mit dem Schenken geht heute noch weiter. Sterndeuter aus dem Osten haben sich auf die Reise gemacht. Ein Stern hat ihnen den Weg gewiesen und so haben sie das Kind gefunden. Sie haben ihm Geschenke gebracht, nicht unbedingt Geschenke, die ein neugeborenes Kind braucht, ein normales Neugeborenes sicher nicht. Aber es ist eben kein normales neugeborenes Kind, nein es ist Gott selber. In diesem Kind wird uns die ganze Liebe des Vaters gezeigt. Und, weil dieses Kind Gott ist, sind die Geschenke angemessen. Es sind zutiefst menschliche Geschenke, Geschenke unseres Lebens. Und es gibt nichts in unserem Leben, das diesen Gott nicht interessieren könnte. In den drei Geschenken, dürfen wir Gott unser Leben schenken. Das wollen wir bedenken.
Erstens: Gold. Das Wertvolle unseres Lebens. Gold ist ein wertvolles Edelmetall. In jedem Leben gibt es viel Wertvolles. Das sind, denke ich in jedem Leben wertvolle Momente, sogenannte Sternstunden, und das können größere und kleinere sein. Es sind Momente für die man dankbar ist, wo man das Gefühl hat: So, wie es ist, passt es. Es sind Momente der Zufriedenheit, der Erfüllung, der Glückseligkeit. Es ist dort, wo Beziehungen gelingen und erfüllend sind. Es ist das Sich-Gewiss-Werden guter Worte und Taten, die uns geschenkt wurden. Das Gold des Lebens findet sich primär in jenen Dingen, die man mit Geld nicht kaufen kann: Liebe, Beziehung, Freundschaft, die Erfahrung des Guten, Wahren und Schönen. Es ist Gesundheit, aber auch das Gefühl von Geborgenheit, Sicherheit und Angenommensein. Es ist die Erfahrung vom menschlicher Freude, und hoffentlich auch der Freude in Gott geborgen zu sein. Wie wertvoll ist ein Glaube, der zu Herzen geht. Das Gold des Lebens, man kann es weniger mit den Augen des Leibes, als vielmehr mit den Augen des Herzens erkennen und sehen. Und diese müssen wir weit aufmachen, dass wir das Gold des Lebens, das Wertvolle nicht übersehen. Dieses Gold dürfen wir dem Gotteskind schenken. Er braucht es nicht, nein, aber er freut sich mit uns darüber und die Freude Gottes über uns ist es erst, was das Leben wirklich erfüllen wird und uns glücklich machen darf, ansatzweise schon immer wieder hier in diesem Leben, vollkommen dann im ewigen Leben.
Zweitens: Myrrhe. Das Bittere und Herbe unseres Lebens. Myrrhe ist ein bitteres, herbes Harz. In einem Dreikönigshymnus heißt es: „Den König kündet an das Gold, dem Gott steigt auf des Weihrauchs Duft, doch weist voraus auf Tod und Grab, der Myrrhenkörner Bitterkeit.“ Man hat die Myrrhe schon hingedeutet auf das Herbe und Bittere, das Jesus erleben wird. Krippe und Kreuz sind laut einer alten Legende aus demselben Holz geschnitzt.“ Wir dürfen Gott auch alles Bittere schenken: die Konflikte, Verwundungen und Verletzungen, die bösen Gedanken, Worten und Taten, die Kränkungen und Schicksalsschläge, das, was so daherkommt und unser Leben durchkreuzt, das, was uns bitter aufstößt und wo es im Herzen weh tut. All das dürfen wir diesem Kind hinbringen. Er kennt es, weil er selber so viel gelitten hat. Er nimmt es an, er kann es verwandeln, heilen, verklären. Er ist ja der Heiland der Menschen. Das Wort Heiland dürfen wir ruhig zerlegen, dann kommt Heil und Land heraus, Heil für unser Land, das wünschen wir uns alle. Er kann es uns schenken, er nimmt die Myrrhe unseres Lebens entgegen. Eine Frage bleibt jedoch: „Was ist mit dem Kreuz dieses Kindes, auf das die Myrrhe hinweist?“ Können wir dem Kind von Betlehem sagen: „Leg dein Kreuz ab, denn es ist heute eh niemand mehr da, der dich kreuzigen will? Wir alle sind ja längst deine Brüder und Schwestern geworden, erfüllt von deiner Gesinnung, deiner Güte und Menschlichkeit! Wir leben ja so, wie du es willst. Können wir so sprechen, so denken, so fühlen?“ Eines steht fest, das Christuskind wäre über solche Worte sehr überrascht und sicherlich mehr erfreut als über die vielen Geschenke und guten Wünsche, die wir in diesen Tagen reichlich hin und herschieben. Das Kind ist ohne Myrrhe nicht zu haben. Das Gute ist, wir dürfen sie ihm bringen. Er nimmt sie an.
Drittens: Weihrauch. Das göttliche in unserem Leben. Der Weihrauch steigt auf zu Gott. Er erinnert uns an das Göttliche, an das Transzendente. Wie gut, dass sich dieses Göttliche in diese Welt hereingeneigt hat im Kind von Betlehem. Denn dadurch haben wir die Möglichkeit schon in diesem Leben immer wieder Gott zu begegnen. Da gibt es ja so viele Möglichkeiten. Gott begegnen, das tun wir ja hoffentlich in diesem Leben auch immer wieder einmal: In der Not und im Segen unseres Betens, in der Begegnung mit dem Guten, Wahren und Schönen, in der Feier unserer Gottesdienste, in der weihnachtlichen Atmosphäre, dort, wo wir unseren Mitmenschen begegnen oder jemanden etwas Gutes tun. Da geschieht Begegnung mit Gott, aber sie wird uns immer wieder entzogen, gerade, wenn wir auf den Alltag zurückgeworfen werden. Es bleiben oft nur kurze Momente, kleine Weihrauchkörner. Aber genau diese Körner dürfen wir sammeln, um sie am Ende unseres Lebens einmal alle im Feuer unseres ganz persönlichen Lebens zu verbrennen, damit unser ganzes Leben zu ihm aufsteigt. Das Göttliche, es gibt so viele Spuren davon in unserer Welt, gehen wir ihnen nach, sammeln wir den Weihrauch des Göttlichen. Er ist unendlich kostbar und wertvoll.
Liebe Brüder und Schwestern!
Die Weihnachtszeit geht langsam dem Ende entgegen. Mit den Sterndeutern dürfen wir noch einmal zum Kind in der Krippe kommen. Im Gold des Wertvollen, in der Myrrhe des Harten und Herben, und im Weihrauch unserer Gotteserfahrungen, dürfen wir ihm unser Leben selber schenken. Er schenkt es uns zurück in der Begegnung mit ihm. Und dann, gehen wir als Schenkende, wie die Sterndeute, zurück in den Alltag als Beschenkte, auf einem anderen Weg in unser Leben hinein. Amen.
