Wie Josef - und das mit aller Hingabe
Predigt Vierter Adventsonntag, 21.12.2025
Perikopen: Röm 1,1-7 Mt 1,18-24
Liebe Brüder und Schwestern im gemeinsamen Glauben!
Heute steht der heilige Josef vor uns. Es kann uns gut tun auf ihn zu schauen. Er kommt ohnehin meist zu kurz. Das zu beobachten, was er tut. Mir kommen heute ausnahmsweise einmal vier Beobachtungen.
Erste Beobachtung: Wie Maria, so bringt ein Engel auch Josef die Botschaft. Ein Engel erscheint ihm im Traum und erklärt ihm, was es mit Maria auf sich hat. Der Engel öffnet Josef die Augen und deutet die Schwangerschaft seiner Verlobten als geistgewirkt. Josef erkennt: Gott selbst hat an Maria gehandelt. Wir können uns vorstellen, wie sehr Josef verwirrt war, ja, regelrecht geschockt, als er erfährt, dass Maria schwanger ist, aber nicht von ihm, dass er die Vaterschaft an den heiligen Geist abtreten muss. Wie sehr mag er enttäuscht gewesen sein! Wie sehr mag er gegrübelt, sich den Kopf zerbrochen haben! Eine Krise im Leben des hl. Josef, eine wahre Zerreißprobe! Und was machen? Wie sich verhalten? Der Engel bringt Licht in sein Dunkel. Wie bei der Verkündigung an Maria, so sagt der Engel auch zu Josef: „Fürchte dich nicht!“ Der Engel befreit ihn von Angst und Sorge. Er schenkt Josef Zuversicht. Brauchen wir nicht einen solchen Engel immer wieder? Einen Engel, der uns aufrichtet, wenn wir ganz unten sind? Einen Engel, der Licht bringt, wenn wir im Dunkeln tappen? Einen Engel, der uns wieder durchblicken lässt, wo wir keinen Ausweg mehr sehen? Einen Engel der uns Zuversicht schenkt. Einen Engel, der uns stärkt, wenn wir müde sind und schwach? Ein Engel, der uns hilft, nach oben und nach vorn zu schauen, wenn wir in unseren Gedanken und Sorgen gefangen sind. Engel müssen keine Flügel haben. Wir können füreinander Engel sein, einer für den andern.
Zweite Beobachtung: Der Engel sagt zu Josef: „Du sollst ihm den Namen ‚Jesus‘ geben.“ „Jesus“ heißt „Gott ist Retter, Gott ist Heil“. Im Namen kommt die Sendung und Bedeutung des Kindes zum Ausdruck: Heiland, Retter, Erlöser! „Er wird sein Volk von seinen Sünden erlösen!“ Jesus bringt uns die Vergebung des Vaters. In ihm schenkt Gott uns seine Gnade und sein Erbarmen. Wie viele Menschen haben in der Begegnung mit Jesus Gott erfahren als einen, der rettet und heilt, der hilft und befreit! Denken wir nur an die Begegnung Jesu mit der Ehebrecherin: „Wer von euch ohne Sünde ist, werfe als Erster einen Stein!“ Und dann, als Jesus mit der Frau allein zurückbleibt: „Hat dich keiner verurteilt?“ „Keiner, Herr.“ „Auch ich verurteile dich nicht!“ Jesus ist die verkörperte Treue und Barmherzigkeit Gottes! Josef war beteiligt bei der Namensgebung. Diesen Namen Jesus sollen wir über unser Leben, unsere Zeit, unsere Welt legen. Damit kommt zum Ausdruck, dass wir einen Erlöser brauchen, einen, der mit und für uns ist.
Dritte Beobachtung: Jesus selber hat Gott seinen Vater genannt. Er hat zu ihm „Abba“ gesagt „Vater.“ Darin drückt sich eine ganz familiäre Beziehung aus. Wie hätte Jesus zu seinem Vater so sprechen können, wie hätte er eine solch vertraute Beziehung zu seinem Vater im Himmel haben können, wenn er nicht mit seinem Pflegevater in Nazareth, wenn er nicht mit Josef entsprechend gute Erfahrungen gemacht hätte, positive Vatererfahrungen? Positive menschliche Vatererfahrungen können zu positiven Gotteserfahrungen führen. Das brauchen wir. Josef muss wohl ein Vater gewesen sein, der das Vatersein Gottes in aller Größe und Liebe aufleuchten ließ, ein Vater, bei dem Jesus Gottes Vatergüte intensiv erfahren hat. Hätte sonst das Wort „Vater“ diesen Gehalt und diese Tiefe bekommen, die es in der Verkündigung und im Leben Jesu hatte? Noch im Sterben spricht Jesus: „Vater, in deine Hände empfehle ich meinen Geist.“ Auch wir dürfen zu Gott „Vater“ sagen. Wir heißen Kinder Gottes und wir sind es. Gott ist für uns wie ein guter Vater und wie eine liebende Mutter.
Vierte Beobachtung: Maria ist in die christliche Tradition eingegangen als „die, die geglaubt hat.“ Wie Maria, genauso, nicht weniger, hat auch Josef der Botschaft des Engels Glauben geschenkt. Wie Maria, so hat auch Josef ganz auf Gott vertraut. Er spricht zwar nicht „Mir geschehe nach deinem Wort.“ Josef spricht und redet in der Bibel ja überhaupt nicht, aber: Er tut, was Gott ihm sagt. Er geht, wohin Gott ihn schickt. Er ist da, wo er gebraucht wird und übernimmt Verantwortung. Er versucht den Willen Gottes zu tun. Für mich ist Josef eine ganz Großer im Reiche Gottes. Mit ihm konnte Gott rechnen, ohne sich zu verrechnen. Und er hat mit Gott gerechnet und nach seinem Willen gehandelt. Darin ist Josef für mich Vorbild und er kann es für uns alle sein. Damals wie heute braucht es Menschen wie Maria und Josef, Menschen, die offen sind für Gottes Geist, Menschen, empfindsam für die Eingebungen Gottes, Menschen, schweigsam, hörend, empfänglich für Gottes Wort, Menschen, die Gott etwas zutrauen über die eigenen Möglichkeiten hinaus, Menschen, für die Gott absolute Priorität hat, Menschen, die dem Willen Gottes Vorfahrt geben.
Liebe Brüder und Schwestern!
Beobachten wir, nicht mit den Augen, sondern im Herzen, für was der heilige Josef steht. Josef bekomm, wie Maria eine Botschaft, mit der er zurecht kommen muss. Josef ist beteiligt bei der Namensgebung Jesu, er darf beim Geben des Erlösernamen dabei sein. „Es ist kein anderer Name, durch den wir gerettet werden können.“ Josef ist für Jesus Vater und mit diesen Erfahrungen konnte Jesus Gott gut seinen Vater anreden. Und Josef ist einer, der handelt und der versucht Gottes Wege zu gehen. So schließe ich mit einem Text von Anton Rozetter über den heiligen Josef.
„Die selbstherrlichen Wege verlassen und deinen Weg gehen - wie Josef - und das mit aller Hingabe.
Die eigenmächtigen Gedanken aufgeben und deine Gedanken denken - wie Josef - und das mit aller Hingabe.
Die ichbezogenen Ziele loslassen und dein Ziel verfolgen - wie Josef - und das mit aller Hingabe.“
Amen.
