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Fr. 18.04.25

Das Kreuz Christi gibt Halt

Karfreitag
Mag. Maximilian Pühringer
Mag. Maximilian Pühringer
M.: 0676/88084811
E.: maximilian1985@gmx.com

Das Heilige Kreuz als Planke, als Halt, das uns bewahrt Unterzugehen im Schiffbruch dieser Welt.

Predigt Karfreitag, 18.4.2025

Perikopen: Jes 52,13-53,12          Hebr 4,14-16;5,7-9         Joh 18,1-19,42

 

Liebe Brüder und Schwestern im gemeinsamen Glauben!

In einem Hymnus auf das Heilige Kreuz Christi heißt es: „Du die Planke, die uns rettet aus dem Schiffbruch dieser Welt.“ Das Heilige Kreuz als Planke, als Halt, das uns bewahrt Unterzugehen im Schiffbruch dieser Welt. Ich denke da an Szenen aus Piratenfilmen, wo sich Schiffbrüchige krampfhaft an Planken oder anderen im Wasser treibenden Gegenständen festhalten, um sich an der Wasseroberfläche zu halten und nicht unterzugehen. Das Kreuz unseres Erlösers als Planke im Schiffbruch dieser Welt. Zwei Gedanken dazu.

 

Erstens: Was meint Schiffbruch dieser Welt? Die Krisenerfahrungen der letzten Jahre haben den Schiffbruch dieser Welt beschleunigt. Oder anders gesagt. Nicht die Krisen haben den Schiffbruch ausgelöst, sondern sichtbar gemacht. Die Krisen haben uns gezeigt, wie die Welt läuft, und wie der Mensch tickt. Wir sehen, was wirklich im Menschen ist. Es wird einfach härter, vielleicht erleben wir die Härte der Passion Jesu heute auch in irgendeiner Form. Wir erleben, wie Jesus, einen enormen Verlust der Menschlichkeit und des Mitgefühls. Es waren Menschen, die Jesus das damals angetan haben. Wir erleben Schiffbruch in der Welt durch die enorme Gier, die sich ausbreitet. Es ist jedoch in unseren Breitengraden nicht eine Gier um das Lebensnotwendige, das ist sie in andern Ländern der Welt. Bei uns ist es eine Gier um den Luxus, um das immer und immer mehr haben wollen. Die Gier, das ist eine Erfahrung in der Seelsorge von mir, macht nach und nach alle menschlichen Sinne kaputt. Die Gier zerstört die Ohren und die Gehörfunktion. Man will nicht mehr auf andere hören, man will die vielen Stimmen der Bedürftigkeit nicht mehr hören. Einen Hörapparat gibt es da nicht mehr. Die Gier zerstört die Augen und macht blind. Man sieht nur mehr sich selber und das Eigne, aber nicht mehr den Mitmenschen. Ist das Eigene gefährdet schlängt man krampfhaft um sich. Die Gier macht auch die Sprache kaputt. Man wird unfähig miteinander zu reden, höchstens dann, wenn es gilt das Eigene krampfhaft zu verteidigen und zu artikulieren, wo man zu kurz kommt. Die sogenannten Alphatiere haben hier meist einen Vorteil. Die Gier macht den Menschen kaputt, vor allem das Herz. Man wird unfähig mit dem Herzen zu sehen. Die Gier war es auch, die Judas den Herrn für dreißig Silberstücke verkaufen ließ. Aber es ging ganz schnell, dass er an diesem Geld keine Freude mehr hatte. Der Schiffbruch dieser Welt manifestiert sich in der Gleichgültigkeit oder in der „Diktatur des Relativismus“ wie es der verstorbene Papst Benedikt XVI. oft gesagt hat. Wenn alles gleichgültig ist, dann ist alles gleich gültig. Dann gibt es keine gemeinsame Basis mehr, kein gemeinsames Fundament, auf das wir bauen können. Eine gemeinsame Überzeugung gibt es nicht mehr, nicht einmal eine gemeinsame Überzeugung der Kirchenmitglieder. Das Meiste hängt von der momentanen Lust und Laune der Einzelnen ab. Die Überzeugungslosigkeit ist wenig missionarisch, und dass Menschen aus anderen Ländern, die zu uns kommen und oft ein stärkeres Bewusstsein für ihre Religion haben, ist eine Tatsache. Ein starkes Christentum hat nichts zu befürchten, ein schwaches wir mit Gegenwind zu rechnen haben. „An ihren Früchten also werdet ihr sie erkennen,“ sagt Jesus. Das waren nun ein paar Gedanken zum Schiffbruch dieser Welt, so wie ich ihn persönlich wahrnehme. Aber wir sollen nicht beim Schiffbruch dieser stehen bleiben. Wer will schon untergehen.

 

Zweitens: Es gibt die rettende Arche, das Kreuz unseres Herrn Jesus Christus. Am Kreuz sehen wir die Strategie unseres Gottes. Diese rettet! Die menschliche Strategie mit dem Leiden, dem Schiffbruch der Welt, fertigzuwerden ist wegzusehen, wegzugehen, so, als ob mich das Ganze nichts angeht. Die göttliche Strategie ist anders. Sie geht hinein in das Leid. Davon künden das Gottesknechtslied, die Leidensgeschichte und das Kreuz, das ebenso zur Planke wird, die aus dem Schiffbruch der Welt rettet. Jesus breitet die Arme aus, um uns alle in seiner Hingabe und Liebe zu umarmen. Die Ansteckungsgefahr sich der Welt anzupassen, und einfachere Lösungen zu suchen, war sogar Jesus ausgesetzt. Die Versuchungsgeschichten des Ersten Fastensonntages haben davon erzählt, ebenso die verständliche Bitte am Ölberg, dass der Kelch an ihm vorübergehen möge. Aber der leidende Heiland, der Blut schwitzt fügt hinzu: „Vater, dein Wille geschehe.“ Jesus breitet am Kreuz die Arme aus, um uns alle zu umarmen und mitzunehmen in den Himmel. Letztlich ist es so, dass jedes Leben auf dieser Erde Schiffbruch erleidet, weil der Tod immer ein großer Eisberg ist, an dem wir zerbrechen. Das Kreuz ist das Gegenbild gegen das Auseinandertriften und Untergehen in den Tiefen des Todes. Es ist die Planke, weil uns eben dieser Jesus umarmt und mitnimmt zum himmlischen Vater. Dieses Geschenk der göttlichen Liebe, die bis ans Kreuz geht, darf uns schon jetzt motivieren, so viele Schiffbrüche wie möglich zu vermeiden.

 

Liebe Brüder und Schwestern!

In eine Welt, die immer wieder Schiffbruch erleidet hat sich der Erlöser begeben. Der Schiffbruch der Welt kommt aus der Lieblosigkeit der Menschen. Die Erlöserliebe unseres Gottes geht bis ans Kreuz. Ja, was ist das für ein Gott, der für uns aus Liebe den letzten Tropfen seines Herzblutes vergisst. Am Kreuz kann man sich festhalten. Es ist wahrlich die einzige Planke, die uns rettet, aus dem Schiffbruch dieser Welt. Aus ganzem Herzen und mit ganzer Kraft dürfen wir bekennen: „Wir beten dich an, Herr Jesus Christus und preisen dich, denn durch dein Heiliges Kreuz hast du die Welt erlöst.“ Amen.

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