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Do. 18.05.23

Christi Himmelfahrt

Mag. Maximilian Pühringer
Mag. Maximilian Pühringer
M.: 0676/88084811
E.: maximilian1985@gmx.com

Der Herr gibt uns diese Welt in die Hand, aber wozu?

Predigt Christi Himmelfahrt, 18.5.2023

Perikopen: Apg 1,1-11              Mt 28,16-20

 

Liebe Brüder und Schwestern im gemeinsamen Glauben!

Christi Himmelfahrt heißt einerseits, dass der Herr Abschied nimmt von dieser Welt um zum Vater zurückzukehren. Andererseits bedeutet es auch, dass der Herr den Jüngern diese Welt in die Hand gibt. Der Herr gibt uns diese Welt in die Hand, aber wozu? Das wollen wir bedenken.

 

Erstens: Der Herr gibt uns die Welt in die Hand, damit wir sie nehmen und annehmen. Unsere Welt ist so, wie sie ist, im Guten und im weniger Guten. Sie ist, so wie sie ist. Sie ist wahrscheinlich doch rein irdisch betrachtet die beste aller möglichen Welten. Aber diese Welt ist uns gegeben, damit wir sie in die Hans nehmen, damit wir sie annehmen, weil auch Gott sie angenommen hat, als er selbst Mensch in dieser Welt wurde. Die Welt annehmen heißt mit beiden Beinen in ihr stehen und sie bejahen. Wir dürfen uns in keine Scheinwelt flüchten. Uns selbst eine Welt zusammenbasteln und zusammenschneidern. In den letzten Jahren mit ihren unterschiedlichen Krisen sind doch viele Scheinwelten entstanden. Manche Menschen können nicht mehr herauskommen, manche wollen nicht mehr herauskommen. Es gilt der Welt treu zu bleiben, denn hier beginnt Gottsuche. Peter Rosegger hat einmal gesagt: „Das Himmelreich will nicht nur ersehnt, es will erworben werden.“ Wir dürfen keine Guck- in die Luft Christen und Kirche werden, nach der alten Geschichte vom Hans-Guck-in die Luft der immer nur in der Gegend herumschaut, den Weg nicht mehr sind, und dann in einen Fluss fällt. “Wenn der Hans zur Schule ging, Stets sein Blick am Himmel hing. Nach den Dächern, Wolken, Schwalben Schaut er aufwärts, allenthalben: Vor die eignen Füße dicht, Ja, da sah der Bursche nicht, Also dass ein jeder ruft:
Seht den Hanns Guck-in-die-Luft!“ Es gilt die Welt in die Hand zu nehmen.

 

Zweitens: Der Herr gibt und die Welt in die die Hand, damit wir sie in seinem Geist gestalten. Mit der Himmelfahrt des Herrn geht das Versprechen Jesu einher, dass er die Menschen nicht alleine lässt, sondern ihnen den Heiligen Geist sendet als Beistand und Helfer. Geist Gottes meint Unterscheidung der der Geister: Was entspricht dem Heiligen Geist und was widerspricht ihm? Welche Gefahren birgt es in sich, wenn ich zu sehr auf den Zeitgeist und Weltgeist vertraue, der doch ziemlich negativ daherkommt. In seinem Geist die Welt gestalten heißt auch, dass ich mit seinem Geist zusammenarbeite. Viele Menschen tun sich mit der Zusammenarbeit schwer, weil man sehr gerne der eigene Chef ist, möglichst frei, möglichst unabhängig. Wir dürfen Mitarbeiter/Innen am Schöpfungswerk Gottes sein, angetrieben von seinem Geist. Ist das nicht etwas Schönes, dass wir in diesem Sinn von Gott in den genommen sind. „Nun jauchzt dem Herren alle Welt, kommt her zu seinem Dienst euch stellt,“ heißt es in einem Kirchenlied. Achten wir darauf, dass wir gute Mitarbeiter Gottes sind, denn manchmal können wir dem Herrgott schon ordentlich ins Handwerk hineinpfuschen. Denken wir hier auch daran, dass es nicht bloß unsere Ansprüche gibt, das Anspruchsdenken ist ja heute sehr groß, sondern auch die Ansprüche Gottes. Denken wir daran, dass es nicht bloß darum geht, ob wir (selbst)zufrieden sin, sondern ob auch Gott mit uns zufrieden sein darf. In diesem Sinn dürfen wir seine und unsere Welt gestalten.

 

Drittens: Der Herr gibt uns die Welt in die Hand, aber wir müssen sie ihm auch zurückgeben und wir geben sie auch an andere weiter. Spätestens dann, wenn wir einmal sterben, geben wir dem Herrn ein Stück der Welt zurück. Diese Welt ist uns ja geborgt. Was für eine Welt werde ich Gott zurückgeben und an die nachfolgenden Generationen weitergeben. Denken wir hier an die Schöpfungsverantwortung, an die Verantwortung für unser gemeinsames Haus, was Papst Franziskus so wichtig ist, dass er sogar eine eigene Enzyklika geschrieben hat. Denken wir aber auch an unsere Glaubensverantwortung. „Wird der Menschensohn, wenn er wiederkommt, den Glauben noch finden?“ Diese Frage Jesu treibt mich sehr um. Was werde ich hier weitergeben können? Was werde ich sagen können? Kann ich sagen “Herr so und so viele Talente hast du mir gegeben, ich habe mich bemüht und so und so viele dazugewonnen. Ich habe das Glaubensvermögen vermehrt. Ich habe mir Schätze für den Himmel gesammelt?“ Oder steht da über meinem Leben die etwas bange Frage, wie sie in der Sequenz der Totenmesse formuliert ist: „Weh, was wird ich armer sagen, welchen Anwalt mir erfragen, wenn Gerechte selbst verzagen?“ Achten wir darauf, dass wir die Welt im mehrfachen Sinn ein bisschen besser zurückgeben, bzw. weitergeben, als wir sie vorgefunden haben.

 

Liebe Brüder und Schwestern!

Der Herr gibt uns diese Welt in die Hand, damit wir sie nehmen und annehmen, damit wir sie in seinem Geist gestalten, und damit wir sie gut an ihn zurück- und an die nachfolgenden Generationen weitergeben. Ein großer Auftrag an uns. Es begleitet uns jedoch seine Zusage: „Siehe, ich bin mit euch alle Tage, bis zum Ende der Welt. Amen.   

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