Fragen des Lebens
Predigt 3. Ostersonntag, 23.4.2023
Perikopen: Apg 2,14.22b-33 Joh 21,1-14
Liebe Brüder und Schwestern im gemeinsamen Glauben!
Von einen Ostertag haben wir im heutigen Evangelium gehört. Ein anderer Ostertag als vor zwei Wochen, oder als vor einer Woche, aber doch wieder ein Ostertag. Wenn wir mit dem Blick des heiligen Evangelisten Johannes, der uns diesen Ostertag aufgeschrieben hat, das Ganze anschauen, fallen mir drei Fragen ein, die wichtig sind für unser Leben.
Erstens: Die Frage nach meinen Anstrengungen. Die Jünger haben sich die ganze Nacht auf dem See angestrengt und nichts gefangen. Doch als sie vom Auferstandenen den Auftrag erhalten es nochmals zu probieren, ist das Netz voll. Sie müssen sich anstrengen diese Menge Fische einzuholen. Das Leben hat immer zwei Seiten: Erfolg- Misserfolg, Frustration – Glück, volles Netz – leeres Netz. Manchmal überwiegt die eine, dann wieder die andere Seite. Wichtig ist jedoch, dass wir uns anstrengen für die richtige Seite im, dort, wo es um das Gute, Wahre und Schöne geht. Wichtig ist auch, dass wir uns nicht entmutigen lassen in unseren Anstrengungen. Der Herr lässt uns vielleicht eine Nacht lang auf dem See mit leeren Netzen, aber doch niemals ein Leben lang. Und wichtig ist, dass wir uns für den Glauben anstrengen. Der Mensch von heute ist ja eher geneigt nur das zu tun, was leicht geht. Mir imponiert hier in der Osterzeit immer die Apostelgeschichte. Welche Anstrengung der Jünger für den Glauben, für die werdende Kirche ist hier zu sehen. Wer strengt sich heute noch wirklich für die Kirche an. Einige sind es Gottseidank noch, aber diese laufen Gefahr, dass es zu viel wird. Man will zwar von der Kirche alles haben, was man meint zu brauchen, aber die eigene Anstrengung bleibt oft aus. Sind meine Anstrengungen erfolgreich, oder bleiben meine Netzte leer.
Zweitens: Frage nach den Überraschungen. Schon zu Lebzeiten hat der Herr oft die Menschen überrascht ist dem, was er gesagt oder getan hat. Auch der Auferstandene ist für Überraschungen gut. Er durchbricht Türen, kommt schnell und ist schnell wieder weg. „Jeden Tag neue Überraschungen,“ sagt man mitunter im Blick darauf, wenn Negatives und Unvorhergesehenes daher kommt. „Jeden Tag neue Überraschungen,“ könnten wir das nicht im Glauben sagen. Jeden Tag überrascht mich Gott im positiven Sin, in dem, was er mir alles geschenkt und zugedacht hat, indem er der Gott meines Lebens sein möchte. Ich muss ihn das jedoch sein lassen. Wie überrascht, wie überwältigt war Petrus als er den Auferstandenen erkannte. Er konnte nur ausrufen: „Es ist der Herr!“ Und dann sprang er in den See um zu seinem Herrn zu kommen. „Es ist der Herr!“ Diese Feststellung sollten wir oft über unser Leben ausrufen können. „Es ist der Herr.“ Gibt es etwas Beglückenderes, als zu erkennen, dass da im Leben der Herr war und ist?
Drittens: Frage nach den Einladungen Gottes. Das tut Gott immer und immer wieder. Das tut auch der Auferstandene am Ufer. Er tut es heute sehr direkt, drängt sich nahezu auf: „Meine Kinder, habt ihr keinen Fisch zu essen.“ Er lädt sich defacto selber ein. Das ganze muss ihm sehr wichtig sein, sonst würde er es nicht tun. Mahlgehalten hat er oft im Leben mit den Seinen. Auch als Auferstandener tut er es noch oft. Dieses Mahlhalten steht für das Zusammensein Gottes mit den Menschen. Er will mit uns zusammen sein, will sich an einen Tisch setzen. „Sine dominico non possumus!“ „Ohne dieses Mahl, diese Gabe des Herrn, ohne den Tag des Herrn können wir nicht leben:“ So antworteten im Jahr 304 Christen aus Abitene im heutigen Tunesien, die bei der verbotenen sonntäglichen Eucharistiefeier ertappt und vor den Richter geführt wurden. Sie wurden gefragt, wieso sie den christlichen Sonntagsgottesdienst hielten, obgleich sie wußten, daß darauf die Todesstrafe stand. „Sine dominico non possumus“: In dem Wort dominicum sind zwei Bedeutungen unlöslich miteinander verflochten, deren Einheit wir wieder wahrzunehmen lernen müssen. Da ist zunächst die Gabe des Herrn, diese Gabe ist er selbst: der Auferstandene, dessen Berührung und Nähe die Christen einfach brauchen, um sie selbst zu sein. Aber dies ist eben nicht nur eine seelische, inwendige, subjektive Berührung: die Begegnung mit dem Herrn schreibt sich in die Zeit ein mit einem bestimmten Tag. So schreibt sie sich ein in unser konkretes, leibhaftiges und gemeinschaftliches Dasein, das Zeitlichkeit ist. Sie gibt unserer Zeit und so unserem Leben als Ganzem eine Mitte, eine innere Ordnung. Für diese Christen war die sonntägliche Eucharistiefeier nicht ein Gebot, sondern eine innere Notwendigkeit. Ohne den, der unser Leben trägt, ist das Leben selbst leer. Diese Mitte auszulassen oder zu verraten, würde dem Leben selbst seinen Grund nehmen, seine innere Würde und seine Schönheit. Den Sonntag als Tag der Einladungen Gottes neu zu entdecken, scheint mir das Gebot der Stunde zu sein, auch das Gebet für jene, die den Sonntag aus ihrem Leben hinausbugsiert haben, scheint mir wichtig. Ich muss hier an einen Ameisenhaufen denken. Da ist immer dieselbe Bewegung drinnen, egal ob Sonntag oder Wochentag ist. Die Ameise tut immer dasselbe, kennt keine Sonntag. Ich stelle mir schon sehr oft und sehr ernst die Frage: Droht unsere Welt nicht ein großer Ameisenhaufen zu werden, der die Einladungen Gottes nicht mehr annehmt, sie nicht braucht, ja nicht einmal mehr kennt?
Liebe Brüder und Schwestern!
Einen anderen Ostertag haben wir heute betrachtet. Ein Tag der Fragen aufwirft. Fragen nach den Persönlichen Anstrengungen, den Überraschungen des Herrn und den Einladungen Gottes. Fragen die wir durch nichts anderes beantworten können, als durch unser Leben, damit auch unsere Tage zu österlichen Tagen werden. Amen.
