Die nackte Wahrheit
Predigt Karfreitag, 7.4.2023
Perikopen: Jes 52,13-53,12 Hebr 4,14-16; 5,7-9
Joh 18,1-19,42
Liebe Brüder und Schwestern im gemeinsamen Glauben!
Der Karfreitag ist die Stunde der nackten Wahrheit. Jesus, der Gekreuzigte steht nackt vor uns. „Sie verteilten meine Kleider unter sich und warfen das Los um mein Gewand,“ sagt uns die Leidensgeschichte. In seiner Nacktheit steht Jesus als nackte Wahrheit über unser aller Leben. Denn wir kommen nackt zur Welt und gehen auch nackt von dieser Welt weg. Dazwischen hängen wir uns mancherlei um, nicht nur Kleider und schönen Schmuck. Auch sonst sind wir mehr oder weniger betucht. Wir suchen uns zu umgeben mit Wohlstand, Einfluss und Beziehungen. Wie oft geht es nur ums Geld. Da lernt man oft die Menschen wirklich kennen. Wir möchten uns keine Blöße geben in unserer Nacktheit. Da ist dem Menschen jede Maske, jede Verkleidung recht. Die nackte Wahrheit über unserem Leben können wir nur schwer ertragen. Die Passionsgeschichte deckt Wahrheit auf. Petrus hat dreimal den Herrn verleugnet. Gleich darauf krähte der Hahn und der mutige Petrus, der gar nicht so mutig war, dachte an das Wort Jesu: „Noch ehe der Hahn kräht, wirst du mich dreimal verleugnen.“ Petrus konnte nur bitterlich weinen. Gisela Baltes, Autorin schöner geistlicher Texte, schreibt dazu: „Ehe der Hahn seinen Schrei tat, drehte ich ihm den Hals um. So lässt es sich leben mit meinem Nein. Wäre da nicht DEIN Schrei.“ Würden wir nicht auch gerne, wenn uns dieser lästige Hahn auf die ganze Wahrheit des Lebens und Glaubens geht, nicht gerne den Hals umdrehen. So ein Vieh kann lästig sein, wenn es frühmorgens zu krähen beginnt, und uns im Schlaf der falschen Sicherheiten und Halbwahrheiten stört.
Liebe Brüder und Schwestern!
Jesus am Kreuz. Er ist die nackte Wahrheit. Gott nimmt uns Leid und Wahrheit nicht ab. Aber er geht mit uns mit und möchte, dass wir uns unserer Nacktheit bewusst werden und wir zur Wahrheit unseres Lebens stehen, auch wenn sie manchmal hart ist. Schon am Karfreitag, dürfen wir etwas vom Licht der Auferstehung erahnen: „Geheimnis des Glaubens. Im Tod ist das Leben.“
