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So. 19.12.21

Marias Weg

Mag. Maximilian Pühringer
Mag. Maximilian Pühringer
M.: 0676/88084811
E.: maximilian1985@gmx.com

Wir sind immer auf dem Weg, und wenn wir anhalten geht die Sache nicht weiter.

 

 

Predigtaufzeichnung des 4. Adventsonntages

Perikopen:

Hebr 10,5-10                       Lk 1,39-45

 

 ]

 

Liebe Brüder und Schwestern im gemeinsamen Glauben!

Wir Menschen legen im Laufe des Lebens viele Wege zurück, kleiner und größere. Jetzt gerade gehen wir den Weg durch den Advent. Wir sprechen auch vom Lebensweg und vom Glaubensweg des Menschen. Wir sind immer auf dem Weg, und wenn wir anhalten geht die Sache nicht weiter. Im Evangelium haben wir vom Weg Marias gehört, den sie zu ihrer Verwandten Elisabeth eilends zurücklegt, nachdem dieser Engel Gottes mit seiner Botschaft eine ziemliche Unruhe in ihr Leben gebracht hat. Der Weg Mariens zu ihrer Verwandten Elisabeth ist jedoch kein Sonntagsspaziergang, sondern ca. 150 Kilometer, ein Weg, der es in sich hat. Wie ist Maria den Weg gegangen. Vielleicht ist das auch ein Schlüssel für unser Unterwegssein.

 

Erstens: Maria ist unterwegs mit eine starken Glauben. Wir müssen uns da in ihre Situation versetzen. Josef und Maria sind verliebt, verlobt, Richtung Ehe unterwegs. Jetzt kommt der Engel mit seiner Botschaft daher. Sie soll Mutter Gottes werden ohne Zutun eines Mannes. Und dann wird nebenbei erwähnt, dass auch Elisabeth, die jenseits des Alters war, wo man Kinder bekommen kann, schwanger ist, weil bei Gott nichts unmöglich ist. Maria glaubt das alles, ohne zu zögern. Sie eilt, sie glaubt und nimmt an. Sie hat einen starken Glauben. Und das darf ein wenig auf uns überspringen. Glauben ist nicht eine Zusatzversicherung. Es ist nicht so eine Haltung: „Hilfts nichts, so schadet es nicht.“ Glauben bedeutet Existenzwechsel - von den Möglichkeiten dieses Lebens in die Möglichkeiten Gottes hinein. Das ist auch nicht immer auf einen Nenner zu bringen. Es ist menschlich nicht plausibel, dieser Botschaft des Engels zu glauben. Ein Psychiater sagte mal, wenn mir einer mit dieser Meldung in meine Praxis käme, würde ich sagen, der hat Halluzinationen oder eine Psychose. Maria hatte keine Psychose und sie wusste, Glauben bedeutet in die Möglichkeiten Gottes hinein zu wechseln. Wenn wir mit unserem Latein am Ende sind, Gott noch lange nicht. Um das verstehen zu können, muss man das Herz weit öffnen und bereit sein das Göttliche anzunehmen.

 

Zweitens: Maria ist mit einem Ziel unterwegs. Besser gesagt mit zwei Zielen. Sie wollte erstens ihrer Verwandten diese große Botschaft der Liebe Gottes, die ihr geschenkt wurde weitersagen, und sie wollte zweitens ihrer Verwandten in ihrer Schwangerschaft beistehen. Maria war hier voll der Botschaft Gottes, war ganz dem Herrn zugehörig und Maria war auf der Suche, das Gute zu tun. Gott und den Nächsten zu lieben. Das war ihr Ziel. Der Engel gibt ihr nicht den Auftrag zu Elisabeth zugehen. Aber Maria zieht aus ihrer Erfahrung für sich und ihr Leben die Konsequenzen. Sie will Gott und den Nächsten lieben. So macht sie sich auf den Weg, weil sie ihrer Verwandten von der Liebe Gottes erzählen, das tut sie im Magnificat, und ihr helfen will. Also einfach mit einer älteren, betagteren und zugleich schwangeren Frau beisammen sein und auch Jemanden finden, mit dem sie ihr Geheimnis teilen konnte. Denn wer konnte schon Maria verstehen. Sie konnte doch kein Verständnis erwarten. Aber von Jemandem, der selbst das Wirken Gottes so mächtig erfahren hat, konnte sie Verständnis erwarten. An Marias Zielorientiertheit können wir auch etwas für unser Leben entdecken. Es geht in allem darum, Gott und den Nächsten zu lieben.

 

Drittens: Maria ist unbekümmert unterwegs. Wenn wir uns die Gefahren einer solchen Reise damals vor Augen halten. Wenn wir uns vor Augen halten, dass sie vielleicht fünfzehn oder sechzehn Jahre alt war, dass es eine gefährliche Reise war, anstrengend dazu, dann konnte man doch eigentlich nur Kummer haben. Wie wird das gehen? Maria kümmert das scheinbar nicht. Sie hat wohl auch hier jenes Vertrauen, das sie dem Engel gegenüber aufbringen konnte. In der Nachfolge Christi, diesem alten Betrachtungsbuch heißt es: „Wahre Freiheit und echte Freude hat nur, wer in Gottesfurcht und gutem Gewissen lebt“. Gottesfurcht und gutes Gewissen. Maria lebt in Gottesfurcht, in Ehrfurcht vor Gott. Und sie hat ein reines Gewissen. Se ist unbekümmert, macht sich nicht allzu viele Sorgen, sondern verlässt sich auf den Herrn. Auch wir sind eingeladen diese Unbekümmertheit der Gottesmutter wieder zu erlangen. Wir sind oft Menschen voll Kummer, manchmal auch voll Schuld, aber wir können umkehren und neu anfangen. Jetzt kommt wieder einmal eine kleine Werbung für die Beichte, denn das ist der Weg wieder reinen Tisch zu machen, manche Kümmernisse abzugeben und mit gutem Gewissen und in Gottesfurcht wahre Freude und echte Freiheit zu erleben. Dazu lädt uns Weihnachten ein. Lassen wir es zu, dass Gott uns unbekümmert macht.

 

Liebe Brüder und Schwestern! „In jenen Tagen machte sich Maria auf den Weg und eilte in eine Stadt im Bergland von Judäa…“ Machen wir uns mit Maria auf den Weg zum Weihnachtsfest und durchs ganze Leben, mit einem starken Glauben, mit dem klaren Ziel der Gottes- und Nächstenliebe, und mit einer gewissen Unbekümmertheit. Dann stimmt das Psalmwort sicher: „Seht, in seiner großen Güte, zeigt uns der Herr den Weg zum Leben.“ Amen.

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