Was soll ich tun?
Perikopen:
Phil 4,4-7 Lk 3,10-18
Liebe Brüder und Schwestern im gemeinsamen Glauben!
„Was sollen wir tun?“ Mit dieser Frage sind im Evangelium Menschen zu Johannes dem Täufer gekommen, die nicht näher benannt werden. Vielleicht können wir in ihre Rolle schlüpfen. „Was sollen wir tun?“ Beschäftigt uns diese Frage innerlich? Vielleicht stellen wir sie im Arbeitsalltag, wenn es um eine konkrete Aufgabe geht. Oder vielleicht stellen wir sie, wenn es um Freizeitgestaltung und Urlaubsplanung geht. Das ist ja für viele Menschen heute scheinbar das Wichtigste. Aber wann habe ich das letzte Mal diese Frage im Blick auf Jesus gestellt, auf meine Lebensplanung mit ihm, auf das ganzheitliche Gelingen des Lebens? Wir sollen diese Frage stellen, gerade im Advent, bzw. im Blick auf das, was den Advent im Normalfall bestimmt.
Erstens: „Was soll ich tun im Blick auf die Lichter des Adventes?“ Im Advent zünden wir Lichter an, die natürlichen Lichter am Adventkranz, die Kerzen bei den Roraten, die künstliche Weihnachtsbeleuchtung, die jetzt eigentlich noch nicht passt. Was sollen wir tun im Blick auf diese Lichter? Ich glaube eines: Zwischen diesen Lichtern gibt es doch immer auch Dunkelheit. Dunkelheit im Leben anderer Menschen, Dunkelheit im eigenen Leben, Dunkelheit in der Gesellschaft und auch in der Kirche. Wir sollen das Dunkle nicht übersehen. Wir sollen dort Licht in Dunkel zu bringen, wo es uns möglich ist.
Zweitens: „Was soll ich tun in Hörweite der Laute und Lieder des Adventes.“ Adventlieder gehen zu Herzen. Adventliche Weisen können etwas aus uns machen. Leider ist der Advent oft sehr laut, gerade wenn er schon mit Weihnachtsmusik im Radio beginnt, oder wenn wir uns von der Werbung und Sonderangeboten noch mehr berieseln lassen müssen, da ja die Wirtschaft das Weihnachtsgeschäft nicht so durchführen kann, wie sonst. Da muss dann der Vierte Adventsonntag gleich als Einkaufstag herhalten. Ich äußere hier nur eine Bitte: „Währet den Anfängen“ Was sollen wir tun, wenn es im Advent laut wird? Hier ist nur eines wichtig: Raum für die Stille suchen und hoffentlich finden. In der Stille findet der Mensch zum wahren Menschsein. In der Stille kann der Mensch zu dieser tiefen christlichen Freude, von der Paulus in der Lesung schreibt. Diese Freude prägt den dritten Adventsonntag „Gaudete“. Stillwerden, Ruhigwerden ist die beste Vorbereitung auf Weihnachten. Denken wir Weihnachten, Menschwerdung Gottes, ist in der Nacht Geschehen, in der Stille. Damit Menschwerdung Gottes in mir geschehen kann, muss zuerst Stille in mir geschehen.
Drittens: „Was soll ich tun im Blick auf das Glitzern und Blitzen des Adventes.“ Im Advent sehen wir viel Glitzer an der Oberfläche. Aber all das ist Oberfläche, Außenseite, Fassade. Wir müssen hineinfinden in die Tiefe des Lebens. Wir dürfen uns nicht mit dem Oberflächlichem zufrieden geben. Wir müssen tiefsinnig werden, einen Sinn entwickeln für das, was wirklich wesentlich ist. Wir erleben heute viel Oberflächliches, leider. Ich glaube jedoch, dass wir doch auch immer wieder die Augen unseres Herzens weit aufmachen müssen. Es gibt auch das Andere. Auch wenn die Oberflächlichkeit und Glaubenslosigkeit unserer Zeit- und das können wir nicht schön reden -, für mich oft sehr große Leiden verursacht, so darf ich doch auch immer wieder erkennen, dass es jenseits aller scheinbaren Oberflächlichkeit und hinter der Fassade von vermeintlicher Diesseitsbezogenheit, eine tiefe Sehnsucht gibt, nach einem gültigen, authentischen Leben, nach einer Quelle, die Halt und Orientierung gibt auch in den Stürmen des Lebens, ja, dass es eine Sehnsucht gibt nach Heiligkeit, zu der uns der Herr allesamt berufen und in der Gnade auch befähigt hat. Um diese unsere Sehnsucht zu stillen und uns in die Tiefe zu führen ist er Mensch geworden und wir er immer wieder Mensch.
Liebe Brüder und Schwestern!
„Was sollen wir tun?“ Gut, dass Menschen damals dem Täufer diese Frage gestellt haben. Stellen wir diese Frage in die Mitte unseres Lebens hinein. Stellen wir sie aber auch im Blick auf das, was uns im Advent so landläufig begegnet. So können wir Licht in Dunkel bringen. So werden wir still. So finden wir in jene Tiefe hinein, in der sich der große und unbegreifliche Gott, in seiner Menschwerdung zu erkennen gibt. Amen.
