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So. 05.12.21

Geschichte Gottes

Mag. Maximilian Pühringer
Mag. Maximilian Pühringer
M.: 0676/88084811
E.: maximilian1985@gmx.com

Wir Menschen sind jene Worte mit denen Gott heute seine Geschichte erzählt.

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Perikopen:

Phil 1,4-6.8-11                     Lk 3,1-6

 

 

Liebe Brüder und Schwestern im gemeinsamen Glauben!

 

Der Beginn des heutigen Evangeliums hat fast ein wenig nach Geschichtsunterricht geklungen. „Es war im fünfzehnten Jahr der Regierung des Kaisers Tiberius…“ und dann wurden die politisch und religiös führenden Köpfe genannt, die damals in der Heimat Jesus das Sagen hatte. Geschichtsunterricht im Evangelium? Dem Evangelisten Lukas ist es sehr wichtig, dass sein Evangelium das konkrete Leben des Erlösers in einer konkreten Zeit verschriftlicht. Nicht irgendetwas und irgendwann ist da etwas passiert, nicht „es war einmal vor langer, langer Zeit,“ sondern in einem wirklichen Augenblick der Geschichte begann Gott sein Heilswirken in der Geschichte. Wir können sagen, dass ein neues Kapitel in der Geschichte Gottes mit den Menschen beginnt. Dieses Kapitel ist nicht zu Ende, wir sind ein Teil davon, und wir Menschen sind jene Worte mit denen Gott heute seine Geschichte erzählt. Was braucht es, dass dieses Kapitel der Heilsgeschichte weitergeht, gerade auch im Blick auf den heiligen Johannes Täufer, der uns im heutigen Evangelium begegnet ist?

 

Erstens: In der Geschichte mit Gott braucht es Verbundenheit. Betrachtet man die Geschichte Gottes mit dem Menschen, so will Gott immer nur eines nämlich Verbundenheit. Gott bindet sich an Menschen und deshalb schließt er auch einen Bund. Wenn Gott sich mit den Menschen verbindet, das feiern wir ja zu Weihnachten, dann muss das irgendwie weitergehen, dann muss diese Verbundenheit auch zwischen den Menschen irgendwie erlebbar sein. Wir erleben gerade das Gegenteil. Die auseinandertriftenden Kräfte sind stärker als die andren. Gründe dafür sind vielfältig: Kult der Selbstoptimierung, jeder ist selbst der Beste und kennt sich in allen Bereichen aus; Rausch der Geschwindigkeit, man ist so schnell von einer Sache bei der anderen, Wohnungen, Kollegen, Partner werden so oft gewechselt, dass die Wahrscheinlichkeit des Entstehens von Verbundenheit geringer wird. Verlust des Mitgefühls und der inneren Berührbarkeit. Johannes der Täufer hat in der damaligen Gesellschaft genau diesen spaltenden Egoismus der Gottvergessenheit angeprangert. „Ich will, dass alle eins sind,“ hat der Herr vor seinem Abschied gebetet. In diesem Satz steht genug Gewissenserforschung für jeden. Neue Verbundenheit braucht. Es gibt hier viel zu tun. Und aus der Verbundenheit entsteht auch die Verbindlichkeit, die auch ein ganz hohes Gut ist. Im Glauben geht es immer um ein verbindliches Leben.

 

Zweitens: In der Geschichte Gottes finden wir zum Sinn des Lebens. Die Frage nach dem Sinn des Lebens, ist so alt wie die Menschheit überhaupt. Sinn hat zu tun mit der Frage „Warum?“ Warum das Ganze? Warum tue ich dieses oder jenes? Sinn finden Menschen in ihrem Beruf, im Dasein für die Familie, in Hobbies etc. in ehrenamtlichen Tätigkeiten etc. Das hat alles seine Berechtigung. Der Mensch muss sein alltägliches Leben und seine Tätigkeiten sinnvoll erachten. Aber, was ist, wenn das einmal wegbricht, aufgrund von Alter, Krankheit, Verlusten? Der eigentliche tiefe Sinn braucht einen höchsten Wert, den man unbedingt erreichen will. Wir Menschen denken heute sehr zweckgemäß, hat dieses oder jenes einen Zweck? Sinn ist jedoch viel mehr als Zweck. Zweck einer Straße ist, dass man darauf gehen oder fahren kann. Beim Sinn geht es jedoch darum, wohin die Straße führt. Eine Straße kann noch so gut geteert sein, sie ist sinnlos, wenn sie nirgendwohin führt. Die Straße erhält ihren Sinn durch den Ort, an den man ankommen will. Genau das ist es, was für unserem Glauben wichtig ist. Die Straße unseres Lebens will uns zu Gott führen. Von Gott kommt Sinn. Sinnvolles ist immer wertvoll. In Gott den Sinn des Lebens sehen, auf ihn hin zu leben, und einfach im Glauben beginnen so zu leben, als ob es diesen Sinn gäbe. Das ist es. Zu Weihnachten werden wir wieder hören: „Im Anfang war das Wort….und das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt.“ Man kann hier auch übersetzen, das ist sprachlich zulässig: „Im Anfang war der Sinn… und der Sinn ist Fleisch geworden, um unter uns zu wohnen.“ Ein neues Gespür für dieses Warum, diesen Sinn brauchen wir, den wir in Gott sehen. Der Täufer hat im Evangelium gesagt: „Bereitet den Weg des Herrn.“ D.h. nichts anderes als findet den Weg zu einem sinnerfüllten Leben in und mit Gott.

 

Drittens: Die Geschichte Gottes mit uns Menschen ist schön. Was schön ist, das ist ein stückweit immer subjektiv. Dem einen gefällt dieses besser einem anderen jenes. Jedes Leben ist selber abzuklopfen auf Schönes, das nicht vergänglich ist, sondern bleibend. Es gibt einen alten Film mit dem Titel „Ist das Leben nicht schön?“ Der Film erzählt die Geschichte des sozial engagierten und hilfsbereiten George, der nach einigen Schicksalsschlägen in der Weihnachtsnacht seinen Lebensmut verliert und sich von einer Brücke stürzen will. Da taucht ein Engel auf, der ihn rettet und ihm zeigt, wie seine Heimatstadt aussehen würde, wenn er nie geboren wäre, wenn er nicht so viel für andere getan hätte. Daraufhin kehrt sein Lebensmut zurück. Wir wissen alle, dass das Leben nicht immer schön ist. Bräuchten wir nicht auch öfters so einen Engel, wie dieser George, der uns einen Blick tun lässt auf unsere Welt, der uns sehen und spüren lässt, dass wir gebraucht werden, dass wir einander helfen einen tieferen Sinn zu finden. Ich wünsche uns, dass wir trotz allem Unvollkommen sagen können: „Ist das Leben nicht schön?“ Ja, dass noch mehr sagen können: „Ist das Leben als Christen nicht schön, weil wir als Christen wissen dürfen, dass wir gewollt sind und wir dieses Leben nicht allein leben müssen.“ Das ist ja das Schöne, das wir zu Weihnachten feiern, dass Gott uns nicht allein lässt, sondern einer von uns wird. Dieses Schöne in Gott braucht unser Vertrauen, nicht unser Misstrauen, und dieses Schöne muss durch uns in die Welt komme, damit und so hat das heutige Evangelium geendet „alle Menschen das Heil in Gott schauen.“

 

Liebe Brüder und Schwestern!

In der Geburt seines Sohnes hat Gott ein neues Kapitel in der Heilsgeschichte aufgeschlagen, ein Kapitel, das nie wieder geschlossen wird und das durch uns Menschen weitergeschrieben wird. Wir dürfen Verbundenheit, Sinn und Schönheit in diese Geschichte hineinschreiben und als adventliche Menschen Leben, als Menschen, die alles von diesem Gott erwarten. Amen.

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